Der Schweizerische Fussballverband (SFV) organisiert die Axa Women’s Super League (AWSL) neu. Wie der Verband am Montagnachmittag an einer Pressekonferenz bekannt gibt, wird die AWSL künftig in eine eigenständige Aktiengesellschaft ausgegliedert. An der neuen AG werden die Klubs als Aktionäre beteiligt sein und im neuen Gefäss den Ligabetrieb sowie die Vermarktung übernehmen. Die Vereine selbst werden weiterhin auch die internen Aufgaben rund um die Spieltage umsetzen.
Der Verband behält derweil mit einer Zweidrittelmehrheit an der AG die sportliche Hoheit und wird die übergeordneten Aufgaben wie etwa die Lizenzvergaben sowie rechtliche und finanzielle Aspekte verantworten. «Der SFV dient als Sicherheit und wird weiterhin die Kontrolle über die Liga haben», erläutert SFV-Generalsekretär Robert Breiter. Die genauen Rollen und Verantwortlichkeiten sollen in den nächsten Wochen definiert werden. Die AG wird anschliessend im Sommer aufgebaut, und die Umsetzung soll per 2027 erfolgen – um die Liga werden auch zahlreiche neue Stellen geschaffen.
Gezielte Professionalisierung und Weiterentwicklung
«In der Anfangsphase wird der Verband weitere Dienstleistungen übernehmen, danach wird die neue AG nach und nach in die Eigenständigkeit entlassen», so Breiter. Wie der Generalsekretär auf Nachfrage erklärt, ist das Budget aus dem heutigen Budget sowie aus dem prognostizierten Wachstum berechnet worden. Der SFV rechnet damit, dass der Break-Even-Point im Jahr 2030 erreicht wird. Bis dann werde der Verband eine Defizitleistung von 1,5 Millionen Franken aufbringen. Eine allfällige Modusänderung sei derweil noch nicht konkret. Der Modus werde gemeinsam mit den Klubs bestimmt, das Thema sei noch in Diskussion mit den Vereinen.
Mit der Neuorganisation der Frauen-Liga erhofft sich der SFV eine gezielte Professionalisierung und Weiterentwicklung der AWSL – sowohl strukturell als auch operativ und kommerziell. Wie Marion Daube, Direktorin Frauenfussball beim SFV, erklärt, waren die Vereine eng in den Prozess, die Analysen und gezielte Workshops involviert. Sie haben sich für die neue Struktur ausgesprochen. «Der Frauenfussball hat im Rahmen der EM und durch die gute Zusammenarbeit mit den Klubs eine gute Entwicklung erlebt und in der Schweiz an Relevanz gewonnen. Dazu haben auch verschiedene weitere Massnahmen und Projekte beigetragen», freut sich Daube an der Medienkonferenz.
Wachsende Zuschauerzahlen
Das Interesse am Frauenfussball sei klar gestiegen. Wie der SFV vermeldet, habe die AWSL bei den Zuschauerzahlen ein deutliches Wachstum verzeichnet. Der Durchschnitt stieg von 235 in der Saison 2021/22 auf 953 in der laufenden Saison, ein Plus von 305 Prozent. Gleichzeitig überschritt die Gesamtzahl der Stadionbesuchenden in der Saison 2025/26 erstmals die Marke von 100’000, und die digitale Reichweite der Liga wächst kontinuierlich, unter anderem mit einem Anstieg der Instagram-Community um 34 Prozent.
Dazu beigetragen habe auch, dass in der laufenden Saison mehr Spiele in den Super-League- und Challenge-League-Stadien ausgetragen werden konnten. Ein Punkt, an dem sich auch Daube erfreut: «In dieser Saison haben die Abklärungen, um aneinander vorbeizukommen, sehr gut funktioniert. Wir werden künftig auch die Jahresplanung gezielter gestalten, um noch mehr Partien in den Stadien absolvieren zu können».
Peter Knäbel sieht in der Neuorganisation der AWSL einen bedeutenden Meilenstein im Schweizer Frauenfussball. «Wir schaffen eine Struktur, die es der AWSL ermöglicht, ihr sportliches und wirtschaftliches Potenzial im Interesse der Klubs, der Spielerinnen und des gesamten Frauenfussballs konsequent auszuschöpfen», so der SFV-Präsident.


