«Habe ich noch nie erlebt»
Trainer-Urgestein Seeberger schafft in Aarau kleines Fussballwunder

Jürgen Seeberger hat mit dem FC Aarau Frauen ein kleines Wunder geschafft und sich dank eines starken Schlussspurts für die Playoffs qualifiziert. Der Konstanzer ist begeistert vom Arbeitsethos seiner Spielerinnen. Und sagt, warum er so viel Spass am Frauenfussball hat.
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Jürgen Seeberger hat mit dem FC Aarau ein kleines Fussballwunder geschafft.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jürgen Seeberger hat den FC Aarau Frauen in die Playoffs der Super League geführt
  • Das Team holte acht Punkte in sieben Spielen und überholte die Konkurrentinnen
  • Aarau trifft auf Servette, den Cupsieger mit der stärksten Qualifikation in der Liga
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Christian FinkbeinerStv. Fussballchef

Jürgen Seeberger kennt den Fussball aus dem Effeff. Ob im Amateurbereich, im Nachwuchs oder bei den Profis in den höchsten Ligen, der 61-jährige gebürtige Konstanzer hat in seiner gut drei Jahrzehnte dauernden Trainerkarriere das ganze Spektrum erlebt. Und nun hat er auch den Frauenfussball kennengelernt. Seit Januar ist er Trainer des FC Aarau in der Women’s Super League.

Seeberger hat in den gut drei Monaten mit dem FCA ein kleines Fussballwunder geschafft. Als er Anfang Jahr das Team übernommen hatte, lag dieses mit nur drei Punkten aus elf Spielen fünf Zähler hinter dem Strich. Dank acht Punkten aus sieben Spielen und den zwei Siegen gegen die direkten Konkurrenten Thun und Luzern kletterten die Aarauerinnen noch auf Platz acht und schafften damit die Playoff-Quali. «Es gab keine Alternative zum Siegen», sagt Seeberger. «Sich aus so einer Situation zu befreien, wenn du immer das Messer am Hals hast, ist eine ganz tolle Geschichte.»

«Einer der grössten Wachstumsmärkte»

Der Deutsche hat viel erlebt in seiner Karriere. Den FC Schaffhausen führte er nach der Jahrtausendwende von der 1. Liga in die Super League, mit Alemannia Aachen verpasste er einst den Aufstieg in die Bundesliga nur knapp, und er war unter anderem auch beim VfB Stuttgart (zweite Mannschaft), Darmstadt, Winterthur oder Vaduz tätig.

Warum nun die Frauen des FCA, die im Schnitt vor knapp 500 Fans spielen? «Die Challenge hat mich unheimlich gereizt», sagt Seeberger. «Der Frauenfussball ist einer der grössten Wachstumsmärkte. In dem System ist eine unheimliche Dynamik drin.» Auch in der Women’s Super League, die zwar im Vergleich zu den Topligen in Europa wie England oder Deutschland noch extremen Nachholbedarf hat. «Aber es ist eine unheimlich spannende Liga.»

In dieser trifft Seeberger auf alle Extreme, die er in den letzten gut 30 Jahren im Männerfussball erlebt hat. «Von hoch professionell mit Vollzeitstellen für Staffmitglieder bis zu Themen, denen du bei den Männern in der regionalen 2. Liga begegnest.» Beim FCA gehen alle ausser Seeberger noch einer anderen Beschäftigung nach. Viermal pro Woche wird abends um 19 Uhr trainiert, an den zwei Morgentrainings nehmen nur jene teil, die es sich einrichten können oder studieren. «Für viele ist der Fussball eine Art Lifestyle, den ich mag. Sie richten ihr Leben so ein, dass sie so professionell wie möglich Fussball spielen können.»

Seeberger ist beeindruckt vom Arbeitsethos seiner Spielerinnen: «Die Leidenschaft für Fussball und das Bestreben, sich dabei weiterentwickeln zu wollen, sind enorm hoch. Eine solche Verlässlichkeit und Disziplin habe ich in meiner Karriere noch nirgends erlebt.» Und das quasi ohne Entschädigung. «Ich weiss nicht, wie viele Männer das machen würden. Wahrscheinlich niemand.» Er selbst tritt nicht anders auf, als er das als Trainer schon immer getan hat. «Letztlich geht es auch hier um Fussball. Und um Menschen.»

Krasser Aussenseiter gegen Servette

Dank dem vorzeitigen Klassenerhalt verlängert sich Seebergers Vertrag bis Ende Jahr, sofern er die Option zieht, die er sich ausbedungen hat. «Grundsätzlich tritt man jedes Projekt mit der Idee an, längerfristig etwas aufzubauen, auch wenn es dann in der Realität nicht immer dazu kommt», sagt Seeberger. Die Perspektive des Vereins und die Arbeitsweise gefallen ihm grundsätzlich. «Jetzt müssen wir schauen, wie wir zukünftig aufgestellt sind.» Im Vergleich zur Konkurrenz backt der FCA wesentlich kleinere Brötchen. Und der Erfolg hat auch Begehrlichkeiten geweckt: Torhüterin Lorena Barth wechselt nach der Saison in die Bundesliga zu Freiburg. 

Doch vorerst gilt der Fokus der Gegenwart. Als Belohnung für ihre Aufholjagd dürfen die Aarauerinnen in den Playoff-Viertelfinals gegen Cupsieger Servette ran, das beste Team der Qualifikation. Der Druck liegt bei den Genferinnen. Oder wie Seeberger sagt: «Sie sind wie Bayern München. Sie müssen Meister werden.» Die Aarauerinnen hingegen können erstmals unter Seeberger befreit aufspielen. «Wir wollen wie gegen jeden Gegner das Maximum herausholen.» Das Ziel als Trainer sei immer, dass sich ein Team in den Flow spielt. «Beim 3:2 gegen Luzern haben wir das 15 bis 20 Minuten geschafft.» Ähnliches schwebt ihm nun gegen Servette vor. Klar ist: Bereits ein Sieg in den zwei Partien gegen den Titelfavoriten wäre ein nächstes kleines Fussballwunder.

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