Europas Fussball-Verbände lassen Fifa-Boss fallen
Infantino wollte Trump bitten, seinen Job zu retten

Europas Fussball-Verbände wenden sich gegen Gianni Infantino. Nach dem Tumult um sein Milliardenprojekt wächst der Widerstand gegen den Fifa-Boss, dessen Wiederwahl eben noch garantiert schien. In seiner Not soll Infantino sogar Trump um Hilfe gebeten haben – erfolglos.
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Gianni Infantino, Chef des Weltfussballs.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Fifa-Chef Gianni Infantino zieht Milliardenprojekt nach massivem Widerstand zurück
  • England, Wales, Schweden, Serbien und Deutschland entziehen Unterstützung für seine Wiederwahl 2027–2031
  • Infantino soll Trump um Hilfe gebeten haben, seinen Job zu retten
  • Uefa prüft rechtliche Schritte, 14 Fifa-Funktionäre müssen Dokumente sichern
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Eben ging die Fussball-WM über die Weltbühne. Doch statt dass der Weltfussballverband Fifa für das Megaturnier gerühmt wird, sind alle Augen auf Fifa-Boss Gianni Infantino (56) gerichtet, der als höchster Fussballchef polarisiert wie nie.

Mit einem überraschenden Befreiungsschlag zog der Schweizer das umstrittene Fifa-Milliardenprojekt zurück – ein Projekt, das unter dem Vorwand, Geld für ärmere Fussballnationen zu mobilisieren, noch mehr Milliarden in die intransparenten Fifa-Kassen spülen sollte. Führende Fussballverbände rebellierten.

In seiner Not suchte Infantino offenbar sogar Rückendeckung bei Donald Trump (80) – «um seinen Job zu retten», wie die «New York Post» berichtet. Infantino habe sich durch die Flut negativer Medienberichterstattung «isoliert» gefühlt, heisst es, und suchte «prominente Verbündete, die ihn öffentlich unterstützen». Doch der US-Präsident liess sich telefonisch nicht erreichen. Auch im US-Aussenministerium sah man sich genötigt, öffentlich zu dementieren, dass Aussenminister Marco Rubio (55) Infantino treffen werde. «Es gibt keine Pläne , dass Minister Rubio mit Infantino spricht», erklärte ein Sprecher auf X.

England entzieht Unterstützung

Infantinos Rückzieher allein reicht offenbar nicht, um die Wogen zu glätten. Jetzt bekommt er auch den Zorn seiner engsten Verbündeten zu spüren. Wie die «Times» berichtet, will der englische «Football Association»-Verband (FA) Infantino nun offiziell mitteilen, dass er seine Unterstützungserklärung für dessen Wiederwahl als Fifa-Präsident zurückzieht. Erst Ende Juni hatte die FA ihre Rückendeckung schriftlich bestätigt.

Bereits am Samstag hatte die FA öffentlich eine umfassende Überprüfung von Fifas Führung und Governance gefordert, damit der Weltfussball wieder transparent geführt werde.

Auch Wales, Schweden, Serbien und Deutschland kehren Infantino den Rücken

Noch deutlicher wird die walisische «Football Association of Wales» (FAW). In einer Stellungnahme bestätigt sie den Entzug seiner Unterstützung für Infantinos Kandidatur für die Amtszeit 2027 bis 2031. Die jüngsten Pannen bei Führung, Prozessen, Werten und Kommunikation hätten dazu geführt, dass Infantino das Vertrauen des Verbands verloren habe, um weiterhin an der Spitze des Weltfussballs zu stehen. Man könne es nicht akzeptieren, wenn die Interessen des Fussballs nicht an erster Stelle stünden.

Auch in Deutschland ist Infantino längst zur Reizfigur geworden. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) gehört zu jenen europäischen Schwergewichten, die mit Infantinos Führungsstil und seiner Politik immer wieder hart ins Gericht gehen. Auch der DFB verweigert Infantino die Unterschrift für die Wiederwahl. Ein Unterstützerschreiben werde man nicht unterschreiben, verlautete schon Mitte Juli aus dem DFB.

Auch Schweden und Serbien entzogen Infantino die Unterstützung. Damit bröckeln die Chancen für seine Wiederwahl ausgerechnet in Europa. Noch viel gefährlicher für Infantino ist allerdings der Konflikt mit der Uefa.

Uefa droht mit Klage

Denn noch happiger für Infantino: Die Uefa hat ihm über ihre US-Anwälte einen Brief zukommen lassen. Der europäische Verband prüfe rechtliche Schritte gegen das inzwischen gebodigte Milliardenprojekt namens «Fifa Forward Enterprises» (FFE), bei dem ein Anteil an Fifa-Turnieren an private Investoren verkauft werden sollte. Die Uefa fordert zudem, sämtliche Dokumente und Unterlagen zum Projekt aufzubewahren – unabhängig von internen Löschfristen. Damit Beweise nicht vorsorglich geschreddert werden.

Namentlich aufgeführt werden 14 Fifa-Funktionäre, die Unterlagen sichern müssen. Neben Infantino selbst figurieren dort auch Fifa-Nachwuchschef Arsène Wenger, Generalsekretär Mattias Grafström sowie der Leiter der unabhängigen Komitees, Mario Gallavotti. Wenger soll gegenüber Freunden klargemacht haben, dass er trotz allem nicht zurücktreten wolle – er sehe seine Mission im weltweiten Nachwuchsfussball.

Rückzug nach Boykott-Drohung

Infantino hatte das FFE-Projekt erst in der Nacht auf Samstag beerdigt – nachdem die Uefa mit einem Boykott von Fifa-Turnieren gedroht hatte. Auch die nord- und mittelamerikanische Concacaf sowie der asiatische Verband AFC hatten sich der Kritik angeschlossen.

Der Schweizerische Fussballverband (SFV) wartet ab, sucht das Gespräch mit dem Walliser.

Comeback?

Infantino will eine vierte, letzte Amtszeit als Fifa-Präsident. Die Wahl soll im März am Fifa-Kongress in Marokko erfolgen. Ob er dann noch auf die Stimmen von wichtigen Weltverbänden zählen kann, ist fraglich.

Noch vor wenigen Wochen schien seine Wiederwahl ungefährdet.

Vermag Infantino das Steuer noch einmal herumzureissen? In der Fifa herrscht schliesslich eine ganz eigene Form von Demokratie.

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