Ping-Pong im Strafraum: Rüdiger düpiert Neuer mit Kopfball-Eigentor im Eröffnungsspiel(00:16)

Zehnmal ins falsche Tor
Eigentor-Rekord von 2021 wackelt heftig

An der EM in Deutschland fällt ein Eigentor nach dem anderen. Das sorgt im Netz für Spott, der Rekord von 2021 wackelt derweil heftig.
Publiziert: 09.07.2024 um 09:30 Uhr
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Aktualisiert: 09.07.2024 um 09:39 Uhr
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Antonio Rüdiger (r.) macht mit seinem Eigentor gegen Schottland im Eröffnungsspiel den Anfang.
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Carlo SteinerPraktikant Sport

Vergiss Harry Kane, Kylian Mbappé und Cristiano Ronaldo. Ein Überraschungsmann überragt alle etatmässigen Toptorschützen. Im bisherigen Turnierverlauf netzte ein gewisser E. Igentor schon sagenhafte zehnmal ein – sein erster Verfolger Ivan Schranz (30) kommt wie Cody Gakpo, Jamal Musiala und Georges Mikautadze indes nur auf drei Tore, benötigte dafür jedoch die wenigsten Minuten.

Auf den sozialen Medien kursieren Gerüchte, dass Igentor bei mehreren Topklubs im Gespräch sei. «Chelsea bietet 120 Millionen Euro Ablösesumme für E. Igentor», wird beispielsweise geschrieben.

Der Rekord winkt

Spass bei Seite. Aufmerksamen Lesern ist natürlich aufgefallen, worum es dabei geht: um die Eigentore an dieser EM.

Die bisherigen Eigentore

Antonio Rüdiger (Deutschland) – 4:1 gegen Schottland – Endstand 5:1

Maximilian Wörber (Österreich) – 0:1 gegen Frakreich – Endstand 0:1

Robin Hranac (Tschechien) – 1:1 gegen Portugal – Endstand 1:2

Klaus Gjasula (Albanien) – 1:2 gegen Kroatien – Endstand 2:2

Riccardo Calafiori (Italien) – 0:1 gegen Spanien – Endstand 0:1

Samet Akaydin (Türkei) – 0:2 gegen Portugal – Endstand 0:3

Donyell Malen (Holland) – 0:1 gegen Österreich – Endstand 2:3

Robin Le Normand (Spanien) – 0:1 gegen Georgien – Endstand 4:1

Jan Verthonghen (Belgien) – 0:1 gegen Frankreich – Endstand 0:1

Mert Müldür (Türkei) – 1:2 gegen Holland – Endstand 1:2

Antonio Rüdiger (Deutschland) – 4:1 gegen Schottland – Endstand 5:1

Maximilian Wörber (Österreich) – 0:1 gegen Frakreich – Endstand 0:1

Robin Hranac (Tschechien) – 1:1 gegen Portugal – Endstand 1:2

Klaus Gjasula (Albanien) – 1:2 gegen Kroatien – Endstand 2:2

Riccardo Calafiori (Italien) – 0:1 gegen Spanien – Endstand 0:1

Samet Akaydin (Türkei) – 0:2 gegen Portugal – Endstand 0:3

Donyell Malen (Holland) – 0:1 gegen Österreich – Endstand 2:3

Robin Le Normand (Spanien) – 0:1 gegen Georgien – Endstand 4:1

Jan Verthonghen (Belgien) – 0:1 gegen Frankreich – Endstand 0:1

Mert Müldür (Türkei) – 1:2 gegen Holland – Endstand 1:2

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Ein Blick in die Statistik lohnt sich. Von den bisher 108 Toren an der EM fielen zehn auf der falschen Seite. Das entspricht einem Anteil von historischen 9,26 Prozent. In mehr als jedem fünften der 48 Spiele brachte ein Spieler den Ball im eigenen Kasten unter.

Es fällt auf, dass die Anzahl Eigentore seit der Weltmeisterschaft 2018 auffallend hoch ist. In Russland betrug der Anteil 6,63 Prozent (12 Eigentore), an der letzten Euro sogar 7,19 Prozent (11) – bisheriger Höchstwert am Schluss einer Endrunde! Die WM 2022 stellt mit 1,15 Prozent (2) dagegen einen Ausreisser nach unten dar.

Liegts an der Taktik?

Die Gründe für die Eigentorflut sind schwer zu benennen. Ein Grund könnte sein, dass die Anzahl Abschlüsse von ausserhalb des Strafraums abnehmen. In der Tendenz versuchen die Teams, den Ball möglichst nah ans gegnerische Tor zu bringen. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit ungewollter Ablenkungen ins falsche Tor.

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Eigentore an EMs und WMs

1992: 15 Spiele, 32 Tore, kein Eigentor, Anteil: 0 %

1994: 52 Spiele, 141 Tore, 1 Eigentor, Anteil: 0,7 %

1996: 31 Spiele, 64 Tore, 1 Eigentor, Anteil: 1,54 %

1998: 64 Spiele, 171 Tore, 6 Eigentore, Anteil: 3,39 %

2000: 31 Spiele, 85 Tore, 1 Eigentor, Anteil: 1,16 %

2002: 64 Spiele, 161 Tore, 3 Eigentore, Anteil: 1,83 %

2004: 31 Spiele, 77 Tore, 2 Eigentore, Anteil: 2,53 %

2006: 64 Spiele, 147 Tore, 4 Eigentore, Anteil: 2,65 %

2008: 31 Spiele, 77 Tore, kein Eigentor, Anteil: 0 %

2010: 64 Spiele, 145 Tore, 2 Eigentore, Anteil: 1,36 %

2012: 31 Spiele, 76 Tore, 1 Eigentor, Anteil: 1,3 %

2014: 64 Spiele, 171 Tore, 5 Eigentore, Anteil: 2,84 %

2016: 51 Spiele, 108 Tore, 3 Eigentore, Anteil: 2,7 %

2018: 64 Spiele, 169 Tore, 12 Eigentore, Anteil: 6,63 %

2021: 51 Spiele, 142 Tore, 11 Eigentore, Anteil: 7,19 %

2022: 64 Spiele, 172 Tore, 2 Eigentore, Anteil: 1,15 %

bisher

2024: 48 Spiele, 108 Tore, 10 Eigentore, Anteil: 9,26 %


1992: 15 Spiele, 32 Tore, kein Eigentor, Anteil: 0 %

1994: 52 Spiele, 141 Tore, 1 Eigentor, Anteil: 0,7 %

1996: 31 Spiele, 64 Tore, 1 Eigentor, Anteil: 1,54 %

1998: 64 Spiele, 171 Tore, 6 Eigentore, Anteil: 3,39 %

2000: 31 Spiele, 85 Tore, 1 Eigentor, Anteil: 1,16 %

2002: 64 Spiele, 161 Tore, 3 Eigentore, Anteil: 1,83 %

2004: 31 Spiele, 77 Tore, 2 Eigentore, Anteil: 2,53 %

2006: 64 Spiele, 147 Tore, 4 Eigentore, Anteil: 2,65 %

2008: 31 Spiele, 77 Tore, kein Eigentor, Anteil: 0 %

2010: 64 Spiele, 145 Tore, 2 Eigentore, Anteil: 1,36 %

2012: 31 Spiele, 76 Tore, 1 Eigentor, Anteil: 1,3 %

2014: 64 Spiele, 171 Tore, 5 Eigentore, Anteil: 2,84 %

2016: 51 Spiele, 108 Tore, 3 Eigentore, Anteil: 2,7 %

2018: 64 Spiele, 169 Tore, 12 Eigentore, Anteil: 6,63 %

2021: 51 Spiele, 142 Tore, 11 Eigentore, Anteil: 7,19 %

2022: 64 Spiele, 172 Tore, 2 Eigentore, Anteil: 1,15 %

bisher

2024: 48 Spiele, 108 Tore, 10 Eigentore, Anteil: 9,26 %


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Ebenfalls dazu beitragen könnte der Trend hin zu einer Dreierkette in der Abwehr mit offensiven Aussenverteidigern respektive Flügelspielern. Dadurch wird das Spiel über die Flügel für den Gegner attraktiver – oft werden Flanken und Hereingaben von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr gespielt. Dabei landet ein misslungener Klärungsversuch schnell einmal im Netz.

Eine systematische Auswertung und Analyse über einen längeren Zeitpunkt wurde bisher jedoch noch nie durchgeführt. Da Eigentore, trotz der aktuellen Vorkommnisse, eher seltene Ereignisse sind, spielt der Zufall statistisch gesehen wohl die Hauptrolle.

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