Die wichtigsten Spieler der EM-Halbfinals
Ein Anti-Star, ein neuer Robben und ein «Politiker»

Noch vier Nationen spielen um den Europameistertitel. Blick stellt die wichtigsten Spieler der jeweiligen Teams vor.
Publiziert: 09.07.2024 um 08:57 Uhr
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Aktualisiert: 09.07.2024 um 09:25 Uhr
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Kylian Mbappé hat die EM bislang noch nicht so geprägt, wie er das in vergangenen Turnieren schon gemacht hat.
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Carlo Emanuele FrezzaReporter Fussball

Holland schwärmt vom neuen Arjen Robben

Die ganz grossen Namen fehlen in diesem Jahr bei Holland. Entsprechend gehörte Oranje vor dem Turnier nicht zum Kreis der grössten Titelfavoriten. Dass sie nun trotzdem ein Wörtchen mitsprechen, liegt vor allem an einem: Cody Gakpo (25). Der Liverpool-Stürmer blüht nach einer durchwachsenen Saison im Klub als Linksaussen auf. Seine Ausbeute? Drei Treffer und eine Vorlage. Damit führt er mit Georgiens Georges Mikautadze und Spaniens Fabian Ruiz die Torschützenliste an – mit besten Aussichten auf den Titel des Torschützenkönigs. Längst ist um Gakpo ein Hype entstanden. Nicht zuletzt, weil sein Tor gegen Rumänien im Achtelfinal an einen gewissen Landsmann namens Arjen Robben erinnerte: Lauf über die Seite, Haken, Zug in die Mitte, Schuss und Tor. «Er ist der wichtigste Spieler unserer Mannschaft. Ich hoffe, dass die anderen auf sein Level kommen», lobte ihn jüngst sein Coach Ronald Koeman (61). Vor allem dank Gakpo lebt der Traum vom zweiten EM-Triumph nach 1988. Damals hiess der holländische Star Marco van Basten. 

Noch stottert Frankreichs Angriffsmotor – auch wegen Mbappé

Eigentlich ist die EM überhaupt noch nicht das Turnier von Frankreich. Die Franzosen haben noch keinen einzigen Treffer (zwei Eigentore, ein Penalty) aus dem Spiel heraus erzielt. Irgendwie haben sie sich trotzdem in den Halbfinal gewurstelt. Da wartet nun Spanien. Wie für die gesamte Équipe Tricolore ist es auch (noch) nicht das Turnier von Superstar Kylian Mbappé (25). Seit seinem Nasenbeinbruch im ersten Gruppenspiel gegen Österreich wirkt er gehandicapt. Zudem war er mit seinen Gedanken in den letzten Wochen oft woanders. Nämlich bei den französischen Parlamentswahlen. Wiederholt machte er sich gegen Rechtsextremismus stark. Jetzt, da die Wahlen seit Sonntag passé sind und er wie viele seiner Mitspieler erleichtert über das Ergebnis ist, kann er sich wieder vollends auf seinen Job konzentrieren. Und dieser lautet: den stotternden Angriffsmotor Frankreichs wieder zum Laufen zu bringen.

Ein Anti-Star ist der wahre Star Spaniens

Der wichtigste Mann in den spanischen Reihen passt so gar nicht ins Raster eines modernen Fussballstars. Rodri (28) hat keine sozialen Medien, fährt keine Luxusautos und hat keine aufwändigen Tattoos. Dafür hat er einen Uni-Abschluss. Auch sein Auftritt auf dem Feld wirkt wie aus der Zeit gefallen. Er stopft sich das Trikot in die weit hochgezogene Hose und zieht sich die Stutzen bis unters Knie hoch. Seine fussballerischen Qualitäten stammen aber zweifelsfrei aus der Gegenwart. Es ist ein Genuss, ihm zuzuschauen. Er treibt das spanische Spiel an, dirigiert, spielt gefühlt tausend gelungene Pässe pro Spiel, unterbindet gleichzeitig zahlreiche gegnerische Angriffe. Und er übernimmt Verantwortung. So etwa gegen Georgien im Achtelfinal. Als er im bislang heikelsten Moment des Turniers der Spanier das wichtige 1:1 schoss. Mit Manchester City hat Rodri bereits alles gewonnen. Nun will er auch mit der Nationalmannschaft endlich eine Trophäe stemmen.

Vom Buhmann zum «wichtigsten Spieler» Englands

Vor drei Jahren war Bukayo Saka (22) nach dem verlorenen EM-Final gegen Italien einer der Buh-Männer in England. Damals verschoss er den entscheidenden Penalty und sah sich wie auch Marcus Rashford und Jadon Sancho mit rassistischen Beleidigungen konfrontiert. Spätestens seit letztem Samstag ist Sakas Trauma überwunden. Gegen die Schweiz war er der überragende Spieler beim Halbfinal-Einzug: erst mit seinem Ausgleichstreffer in der 80. Minute und später mit seiner Nervenstärke vom Punkt. Statt Harry Kane und Jude Bellingham war es also Saka, der Englands Titelhoffnungen am Leben gehalten hat. Und es brachte ihm viel Lob ein. «Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass er der wichtigste Spieler Englands ist», adelte ihn Man-United-Legende Rio Ferdinand. Noch vor wenigen Monaten meinte er, dass Saka kein Spieler von Weltklasse-Format sei. Nun die Kehrtwende. Den Spieler lässt das ziemlich unbeeindruckt: «Ich konzentriere mich nicht auf die Vergangenheit, sondern auf das, was vor mir liegt.» Das ist in seinem Fall das Halbfinal gegen Holland. Da kann er wieder brillieren.

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