Früher, da wurden die Schiedsrichter auf der Schützenwiese in der Libero-Bar verköstigt. Egal, wie schlimm die Fehlpfiffe auch waren, die Unparteiischen wurden nach den Spielen jeweils in Ruhe gelassen.
Mittlerweile wurde die Tradition abgeschafft, Sven Wolfensberger und seine beiden Assistenten dürften darüber aber nicht unglücklich sein. Weil sich Winterthur in der zweiten Cup-Runde gegen Luzern benachteiligt haben. Stürmer Roman Buess läuft in der heissen Schlussphase alleine aufs gegnerische Gehäuse zu, Wolfensberger aber pfeift den Winti-Angreifer zurück. Abseits.
Im Zweifel für den Verteidiger
Ein Fehlpfiff. Sehr zum Unmut von Buess: «Früher galt, dass man im Zweifelsfall für den Stürmer entscheidet.» Kaufen kann er sich damit nichts. Weil FCL-Captain Pius Dorn in der dritten Minuten der Nachspielzeit einen Ball über die Linie stochert. Auf die Buess-Szene angesprochen, sagt Dorn, dass er vor dem Spiel gar nicht gewusst habe, dass kein VAR zum Einsatz kommt: «Der Schiri hat mich auf dem Platz dann informiert.» Grundsätzlich sei es super gewesen, dass kein Video-Schiedsrichter zum Einsatz gekommen ist. Nicht nur wegen Buess, sondern weil Dorn seinen Treffer feiern konnte, ohne Angst zu haben, dass der VAR den Treffer kassiert.
Wolfensberger und seine Kollegen hätten wohl liebend gerne auf den Video-Schiri zurückgegriffen, weil das Trio einen schwachen Tag erwischt. In der ersten Halbzeit haben die Drei das Spiel zwar noch mehr oder weniger im Griff, dann pfeift der Schiri nach einer tadellosen Monstergrätsche von Brian Beyer Foul gegen Winterthur – und bringt das ganze Stadion gegen sich auf.
Bei der Abseitsszene von Buess hingegen bleibt der allgemeine Aufschrei aus. Weil jeder und jede auf der Tribüne weiss, dass der Entscheid unumstösslich ist. Selbst Buess verzichtet auf eine Motz-Attacke. Auch hinterher. «Bitter» sei jenes Wort, das seine Gemütslage am besten beschreibe.