VA Mario Bühler SC Cham Interview
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Cham-Verteidiger ist Polizist:«Sind Sie der Richtige, um Boteli Ketten anzulegen?»

Ergeht es Sion wie Lugano?
Detektiv Bühler will mit Cham den Fall Boteli lösen

Letzte Saison musste Lugano im Chamer Eizmoos die Cup-Segel streichen. Heuer soll Sion dran glauben. Denn hinten steht Polizist Mario Bühler. Einer, der weiss, wie es geht. Und der im Fall Winsley Boteli schon akribische Ermittlungen durchgeführt hat.
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Mario Bühler hat über 50-mal in der Super League gespielt – bevor er Polizist wurde.
Foto: Benjamin Soland

Darum gehts

  • Cham-Routinier Mario Bühler ist Ex-Profi, hat über 50 Super-League-Spiele für Vaduz und Luzern gemacht
  • Mittlerweile ist er Detektiv und schwärmt vom Korps der Zuger Polizei
  • Der Innenverteidiger freut sich auf das Duell mit Neo-Nati-Spieler Winsley Boteli
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Alain KunzReporter Fussball

Ermitteln ist der Job von Polizist Mario Bühler (34), dem ältesten Spieler des Promotion-League-Klubs Cham. Und weil das so ist, heisst der Innenverteidiger weder Streifen-, noch Dorf- oder Regionenpolizist. Sondern … Detektiv. Das ist die offizielle Berufsbezeichnung. «Ich weiss, das tönt irgendwie witzig, aber so ist es», sagt der Hüne aus Emmenbrücke LU. Getoppt werden könnte dieser Ausdruck wohl nur noch von «Sheriff» ...

Vor einem Jahr gelang Cham das perfekte Cupmärchen

Bühler ist derjenige, der den Laden hinten in der Mitte dichtmachen soll, gemeinsam mit Goalie Diego Heller (21) und Captain Fabio Niederhauser (30). Was letzte Saison gegen Lugano vorzüglich gelang. Nach dem Ausgleich der Tessiner in der Nachspielzeit machen die Zuger in der 93. Minute das 3:2. Die Blegikurve – so heisst die Chamer Fankurve – und der Rest des Eizmoos’ waren aus dem Häuschen. «Das war von den Emotionen her der perfekte Cupmatch. Ein Märchen hätte das nicht besser erzählen können», erinnert sich der Polizist.

Und auch wenn dieses Spiel mittlerweile 14 Monate zurückliegt, hat es einen Impact auf den Match von Samstag. «Wir wissen nun, dass wir solch eine Mannschaft schlagen können. Denn auch im Achtelfinal gegen GC wars knapp. Zudem spielen wir eine starke Saison, sind gut in Form. Ich bin überzeugt: Wenn wir über uns hinauswachsen, können wir das packen.»

Bühler hofft, dass Boteli spielt

Dafür gilt es, einen gewissen Winsley Boteli an die Kette zu legen. Handschellen kann Bühler dem Überflieger nicht anlegen. Aber ihn auf Schritt und Tritt bewachen, wie ein guter Detektiv. «Wir wissen alle, welche Qualitäten er hat. Sonst hätte er nicht bereits in der Nati gespielt. Ich hoffe schwer, dass er spielt, weil er mein direkter Gegenspieler sein würde. Ich freue mich enorm auf dieses Duell, denn genau solche Vergleiche machen den Reiz dieses Sports aus. Und dann hoffe ich auch, dass ich ihn im Griff habe.» Es wird also viel vom Routinier abhängen, das weiss auch Trainer Pascal Nussbaumer: «Mario ist eine Persönlichkeit auf und neben dem Platz und ist mit seiner Erfahrung, auch als Profi, eine Riesenunterstützung für mich.»

2012 stand Bühler mit dem FC Luzern im Cupfinal

Lugano war die schönste Cuperfahrung des gelernten Detailhandelskaufmanns/Logistikers als Amateur. Als Profi hat er es weiter gebracht. «Ich stand mit dem FC Luzern 2012 im Cupfinal, als wir gegen den damals grossen FC Basel im Penaltyschiessen verloren haben. Allerdings musste ich das Spiel von der Bank aus verfolgen, da ich nicht zum Einsatz kam.» Dennoch durfte er Cupsiege feiern: Mit dem FC Vaduz gewann er den liechtensteinischen Cup – und dies gleich viermal!

Bühler hat es in der höchsten Liga bei Vaduz zu 46 und beim FC Luzern zu neun Einsätzen gebracht. Profi war er bis zur Corona-Epidemie. Danach begann schrittweise ein neuer Abschnitt in seiner Karriere. Und das ging so: «Ich hatte einen Einjahresvertrag beim FC Winterthur. In der zweiten Saisonhälfte brach die Corona-Epidemie aus. Wir durften nicht mehr trainieren. Weshalb sich mir Grundsatzfragen stellten: Was, wenn es nicht weitergeht? Ich bin jung Vater geworden, mit 24, und musste auch an meine Familie denken. Deshalb habe ich die Aufnahmeprüfung bei der Polizei absolviert – und sie bestanden. Nun hiess es abzuwägen: Suche ich mir nochmals einen Profiverein? Orientiere ich mich neu, wende mich dem Amateurfussball zu und setze beruflich auf die Karte Polizei?»

Bühler liebt den SC Cham

Bühler setzte den Plan B um. Weil er aber den Fussball zu sehr liebt, suchte er sich einen ambitionierten Verein – und fand den SC Cham, der genau sein Profil suchte. «Das war der perfekte Match. Ein familiärer, sympathischer und erfolgreicher Klub.» Und doch: Nach zwei Jahren wollte es Bühler, der mittlerweile in Cham wohnte, nochmals wissen und wechselte zu Ligakonkurrent Kriens. Schliesslich kann man mit den Luzernern aufsteigen. Mit Cham aus infrastrukturellen Gründen nicht. «Aber das wurde bald mühsam. Fussballerisch und vom Arbeitsweg her wars ein grosser Stress.» Also ging Bühler zurück nach Cham. Sein Kurz-Leitmotiv: «Da konnte ich nichts falsch machen.»

Auch nicht in seinem Beruf. Den wählte er auch, weil schon mehrere Familienmitglieder ihn ergriffen hatten. Aber vor allem: «Weil ich gerne mit Menschen zu tun habe, aus allen Alterskategorien und Kulturen. Dies ermöglicht mir der Polizistenjob. Zudem ist er enorm vielseitig. Das fängt bei einem Nine-to-Five-Job im Büro an, geht über Streife, Kontrollen, Cyberkriminalität und so weiter. Und wir geniessen eine hohe Flexibilität. Oft können wir wählen, was wir an Tagen ohne feste Zuteilung machen.»

«Im Zuger Polizeikorps steckt viel Positivität»

Im Zugerland fühlt sich der Luzerner in jeder Hinsicht pudelwohl. Fussballerisch. Aber auch in seinem Job. «Im Korps der Zuger Polizei steckt viel Positivität. Da schaut man zueinander. Und weil es relativ klein ist, kennt eigentlich jeder jeden mit Namen. Kommt hinzu, dass es im kleinen Kanton Zug immer noch acht Polizeidienststellen gibt, was aussergewöhnlich ist.» Bühler ist Regionenpolizist auf der Dienststelle Rotkreuz/Risch.

Zurück zum Fussball. Und zu Gegner Sion, dem mythenumwobensten Cupklub der Schweiz. Doch nicht das macht Bühler Sorgen, sondern das letzte Spiel der Walliser, das sie in Genf gegen Servette sang- und klanglos 0:3 verloren haben. «Das war nicht optimal», denkt Bühler. Der Walliser Trainer Didier Tholot hat gar gesagt, die Ampel sei nun auf Orange. Sion wird also mit Garantie mit allen Tenören antreten und Cham grösstmöglichen Respekt entgegenbringen. Auch Präsident Christian Constantin. Von Bühlers Postur in der Uniform ist er gar schwer beeindruckt: «Mann, der macht Angst!»

CC kommt nicht mit dem Heli

Aufseiten der Walliser könnte Abwehrchef Kreshnik Hajrizi sein Comeback nach seiner Adduktorenoperation geben. Er dürfte erstmals diese Saison im Kader stehen. Und nein, es wird kein himmlisches Spektakel vor Kickoff geben. CC wird nicht mit dem Helikopter ins Zugerland fliegen.

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