YB-Gegner spielt auf Schalke
Schachtar Donezk – die Heimatlosen vom Donbass

YB-Gegner Schachtar Donezk «feiert» dieses Jahr ein trauriges Jubiläum: 2014 spielte der ukrainische Meister letztmals zu Hause. Seither ist er der FC Heimatlos.
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Den einzigen Punkt in der Champions League holte Schachtar Donezk bislang gegen Bologna von Dan Ndoye ...
Foto: IMAGO/IPA Sport

Darum gehts

  • Schachtar Donezk spielt Heimspiele in der Champions League auf Schalke
  • Die Donbass-Arena ist seit 2014 wegen des Krieges unbenutzbar
  • In Hamburg kamen letzte Saison über 45'000 Zuschauer
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Alain KunzReporter Fussball

Lemberg, Charkiw, Kiew in der Ukraine. Warschau, Hamburg, Gelsenkirchen in Europa. Das waren seit 2014 die Haupt-«Heimspiel»-Orte von Schachtar Donezk. «Insgesamt hatten wir sogar mehr als zehn Heimspielorte», sagt Sportchef Darijo Srna, Ex-Kroatien-Star (134 Länderspiele), der 2003 eine neue Heimat in Donezk fand. «Wir kennen die Bedeutung des Wortes Heimat gar nicht mehr», so der Uefa-Cup-Sieger 2009 weiter. Das eigentliche Heimspielstadion wäre die 2012 für die gemeinsam mit Polen ausgetragene EM eröffnete Donbass-Arena. Doch lange konnte man sich nicht daran erfreuen. Zwei Jahre später lässt das russische Ungeheuer den Donbass militärisch annektieren. Die Arena wird zerschossen. Seither kann dort nicht mehr gespielt werden.

Derzeit heisst die nationale Heimat der Orangen Lemberg. In der Champions League muss das Team das Land verlassen. So hat es die Uefa festgelegt. In einem Kriegsland wird nicht gespielt. Das aktuelle Refugium heisst Arena auf Schalke. Wo Schalke 04 derzeit tristen Zweitliga-Fussball bietet: Die einstigen Eurofighter, die 1997 den Uefa-Cup holten, sind Drittletzte. Der letzte Champions-League-Auftritt von Königsblau: Februar 2019. Damals verlor S04 gegen Manchester City im Achtelfinal-Hinspiel 2:3.

Bergbau als gemeinsames Wesensmerkmal

Und nun ist also wieder Königsklasse in der Veltins-Arena. Das erste Spiel im 2600 Kilometer von der Heimat entfernten Stadion verlor Schachtar am 2. Oktober gegen Atalanta Bergamo, den aktuellen Uefa-Cup-Sieger. Beim 0:3 hatten die Ukrainer keinen Stich gegen den formstarken Dritten der Serie A. Trotz der immer wieder ertönenden «Ukraina! Ukraina!». Unterstützt von vielen blau-gelben Fahnen mit der Aufschrift «Peace not War».

Coach Marino Pusic (53), ein Holland-Bosnier, er war Coach von Twente Enschede und Assistent in Alkmaar und bei Feyenoord, zeigt sich nichtsdestotrotz dankbar: «Es ist ein grossartiges Stadion, ein Klub mit einer grossen Geschichte. Wir haben viele Gemeinsamkeiten, wie die Bergbau-Historie. Wir sind dankbar, dass wir hier sind.» Auf den Rängen trifft sich – friedlich – ein wildes Gemisch von knapp 22'000 Menschen bestehend aus Donezk-Fans, Tifosi, Schalke-Supportern und neutralen Zuschauern. Es passen dreimal mehr rein.

In Hamburg kamen 45'000

Es ist eine bescheidene Zahl verglichen mit jenen in der letzten Saison, als gegen Barcelona, Porto und Royal Antwerpen jeweils über 45'000 ins Hamburger Volksparkstadion kamen. «Vielleicht liegt es an der frühen Anstosszeit um 18.45 Uhr», mutmasst Pusic. «Aber wissen Sie: Wir müssen so oft in leeren Stadien spielen, da war es etwas Besonderes für uns. Und die Atmosphäre war toll, ich freue mich auf die nächsten Spiele hier.» Auch wenn drei der vier Gegner nicht dieselbe Strahlkraft haben wie zum Beispiel Barça: YB ist europäisch eine graue Maus. Auch Frankreichs Sensations-Teilnehmer Brest.

Voll sein wird es nur einmal. Gegen die Bayern am 10. Dezember. Doch halt! Vielleicht auch nicht. Denn die aktive Fanszene der Bayern hat zu einem Boykott des Spiels aufgerufen, weil die Ukrainer ein dynamisches Pricing betreiben. Sprich: Die Kategorie 1+ kostet gegen YB 56, gegen Bayern 179 Euro. Die Kategorie 4 gegen YB 23.50, gegen die Münchner 80. Das sei eine «unverhältnismässige Verteuerung im Vergleich zu den anderen Heimspielen von Schachtar auf Schalke.» Der Appell der Südkurve: «Bayern-Fans, lasst euch nicht verarschen!»

Fifa verarscht die Ukrainer

Dabei muss man die Ukrainer verstehen. Sie müssen sich permanent nach der Decke strecken. Und die Fifa leiste dem Vorschub. «Die haben unsere Spieler nach Kriegsbeginn einfach ablösefrei wechseln lassen», sagt Generaldirektor Serhij Palkin gegenüber «T-Online». Wie die Russischen übrigens auch. «Das hat uns viele Millionen gekostet! Die ausländischen Spieler haben Verträge bei anderen Vereinen unterschrieben, die sie dann einige Zeit später verkauft haben. Das ist unfair. Sie haben diese Spieler nicht ausgebildet, nicht entwickelt und dennoch viel Geld für sie bekommen. Und die Fifa hat das auch noch unterstützt.» Die ukrainischen Vereine seien nicht mal zu Gesprächen zur Lösung der Probleme eingeladen worden, führt Palkin weiter aus. «Wir haben versucht, mit der Fifa in Kontakt zu treten, aber die haben uns einfach ignoriert. Das ist eine Schande!»

Umso erstaunlicher, wie kompetitiv dieses Schachtar dennoch ist. Neben dem 0:3 gegen Atalanta gabs ein knappes 0:1 bei Arsenal und ein beachtliches 0:0 in Bologna bei Freuler, Ndoye und Aebischer. Damit hat Schachtar ein Pünktchen mehr als YB. Aber eines gemeinsam mit den Bernern: null geschossene Tore.

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Arsenal FC
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Bayern München
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Liverpool FC
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Tottenham Hotspur
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FC Barcelona
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Chelsea FC
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Sporting Lissabon
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Manchester City
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Real Madrid
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Inter Mailand
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Paris Saint-Germain
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Newcastle United
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Juventus Turin
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Atletico Madrid
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Atalanta BC
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Bayer Leverkusen
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Borussia Dortmund
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Olympiakos Piräus
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FC Brügge
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Galatasaray SK
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AS Monaco
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Qarabag FK
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Pafos FC
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Union Saint-Gilloise
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PSV Eindhoven
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Athletic Bilbao
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SSC Neapel
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FC Kopenhagen
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Ajax Amsterdam
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Eintracht Frankfurt
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SK Slavia Prag
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Villarreal CF
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