Darum gehts
- PSG gewinnt erneut Champions League und feiert ausgelassen in Budapest
- Vitinha absolvierte 4000 Minuten in 50 Spielen trotz weniger Erholung
- Zaïre-Emery jüngster zweifacher Sieger
Längst sind eineinhalb Stunden vergangen, seit Gabriel Magalhaes seinen Penalty weit in den Budapester Nachthimmel geschossen hat. Und noch immer wird in der Garderobe von Paris St-Germain gesungen, getanzt und geklatscht.
Alles gut hörbar für jene Journalisten, die durch eine offenbar nicht sehr dicke Wand von den Feierlichkeiten getrennt auf die Auftritte der Pariser Champions-League-Sieger warten.
«Es war eine verrückte Saison»
Irgendwann unterbrechen Vitinha (26) und Luis Enrique (56) aber tatsächlich die Party und sprechen vor den Medien. Erst Vitinha, dieser unermüdliche Taktgeber, ohne den das Spiel von PSG kaum denkbar wäre.
Andere Pariser erhielten in dieser Saison ihre Pausen, um sich zu erholen. Andere mussten Zwangspausen einlegen, weil sie sich verletzten. Aber Vitinha spielte eigentlich immer. Auf über 4000 Spielminuten kommt der Portugiese in 50 Saisonspielen für PSG. Und das, nachdem die Fifa ihm und seinen Teamkameraden mit ihrer Klub-WM einen grossen Teil der letzten Sommerferien gestohlen hat.
«Es war eine verrückte Saison. Mit so wenig Ferien, so wenig Pausen und so wenig Vorbereitung», sagt Vitinha. Das Ende des Champions-League-Finals erlebt er nicht mehr auf dem Platz. In der Verlängerung gehen sogar ihm die Batterien aus. Auch auf seinem Weg vor die Medien humpelt er noch leicht.
Als er Platz genommen hat, wird ihm gleich bewusst gemacht, wie schnell sich der Mensch an gewisse Dinge gewöhnt. Vor einem Jahr in München war der erste Pariser Triumph in der Champions League noch etwas Historisches. Nach der Titelverteidigung aber wird Vitinha sofort danach befragt, ob nun der Titel-Hattrick geplant sei.
Vitinha wirkt nicht direkt so, als habe er den Masterplan für den Final 2027 schon in der Tasche. Aber es gelingt ihm eine bemerkenswerte Formulierung, als er sagt: «Es ist da diese Lust, noch mehr zu gewinnen, nie mehr damit aufzuhören. Das ist die Schuld von Luis Enrique.»
Enrique nennt sich selbst ungerecht
Enrique, dem es gelungen ist, aus dem in der Königsklasse notorisch erfolglosen PSG etwas zu formen, das bereits als Dynastie durchgeht. Der PSG-Trainer entschuldigt sich erst einmal bei Warren Zaïre-Emery.
Der muss gegen Arsenal zu Beginn auf der Bank Platz nehmen. «Eine grosse Ungerechtigkeit von mir als Trainer», klagt sich Enrique selbst an. Aber weil am Ende alles aufgeht, kann sich Zaïre-Emery mit einem kleinen Rekord trösten: Als 20-Jähriger wird er zum jüngsten Spieler, der die Königsklasse zweimal gewonnen hat.
Ob er einen Umbruch im Kader plane, wird Enrique gefragt. Warum auch immer. Schliesslich stellt PSG im Schnitt das zweitjüngste Team aller Klubs in den grossen fünf Ligen aufs Feld. «Piano, piano!», ruft Enrique und sagt: «Es ist sehr schwierig, Fussballer zu finden, die in unserem Team spielen können. Wir sind schliesslich die zweite Saison in Folge die Europameister.»
Oder, wie Vitinha es sagt: «Solche Dinge halten nie sehr lange. Wir sind demütig. Aber heute dürfen wir sagen: Wir sind die Besten der Welt!»

