Darum gehts
- Thun verliert in Zagreb nach 2:0-Führung und umstrittener Roter Karte 2:3
- Captain Marco Bürki fliegt nach VAR-Entscheid vom Platz, Spiel kippt dramatisch
- Thun scheidet aus Champions-League-Quali aus, Europa-League-Spiel folgt in einer Woche
Wutentbrannt rauscht Thuns Valmir Matoshi durch die Interviewzone in die Gästekabine in Zagreb. Der Mittelfeldspieler ist genervt über das Verhalten der Kroaten in der Schlussphase, als sie nach dem Tor zum 3:2 keine Eile mehr haben und jedes Schlupfloch nutzen, um Zeit zu schinden.
Das ist aber nicht die Schlüsselszene des Spiels – diese ist bereits in der 64. Minute geschehen. Beim Stand von 2:0 für die Berner Oberländer fliegt Captain Marco Bürki mit Rot vom Platz, weil der Innenverteidiger vom Pressing der Dinamo-Spieler überrascht wird. Da ein Thuner Schmerzen hat, drischt Goalie Niklas Steffen den Ball ins Seitenaus und Zagrebs Fran Topic spielt den Einwurf fair zurück.
Unverständnis über Rote Karte
Sein Mitspieler Lukas Kacavenda kennt dieses Gentlemen’s Agreement wohl aber nicht und setzt Bürki unter Druck. Dieser weiss sich am Ende nur noch mit einem Foul zu helfen. Erst gibt es Gelb für den Innenverteidiger, doch der VAR schaltet sich ein und kippt diesen Entscheid.
Es ist die Szene, die das Spiel auf den Kopf stellt, da Zagreb sich danach dank eines Doppelschlags in die Verlängerung rettet und dort das Spiel entscheidet. Es ist aber auch eine Szene, die bei den Thunern für Unverständnis sorgt. «Ich fand es schon unsportlich von ihnen. Erst spielen sie den Ball fair zurück und dann pressen sie schon, bevor unser Spieler den Ball hat», blickt Justin Roth auf die Szene zurück.
Auch wundert sich der Mittelfeldspieler, warum sich der VAR überhaupt noch eingeschaltet hat: «Ich hatte das Gefühl, ich könnte noch eingreifen. Deswegen weiss ich nicht, für was die Rote Karte ist.» Vom Schiedsrichter hätte er sich etwas mehr Fingerspitzengefühl und Ausgeglichenheit gewünscht: «Es gab schon zwei, drei Entscheide, die gegen uns waren. Vielleicht war er auch etwas beeinflusst vom Stadion, da hat man schon das Gefühl, dass alles gegen einen kommt.»
Harte Analyse des Trainers
Ebenfalls genervt ist Trainer Gian-Luca Privitelli in der Pressekonferenz nach dem Spiel: «Die Rote Karte hat das Spiel komplett verändert. Es war nicht so eine faire Aktion. Am Ende ist das aber egal.»
Besonders bitter sei für ihn, dass das Tor in einer starken Phase seines Teams gefallen sei. Indes ist er mit der ersten Halbzeit nicht zufrieden gewesen und das, obwohl die Thuner mit 2:0 geführt haben. «Wir sind nicht gut ins Pressing gekommen und hatten eine mässige Spielauslösung. Nach der Pause haben wir Zagreb aber bis zur Roten Karte keine Chance mehr zugestanden. Dann haben wir versucht, uns in der Verlängerung ins Penaltyschiessen zu retten.»
Das ist eine harte Analyse für einen lange sehr starken und leidenschaftlichen Auftritt der Thuner. Trotzdem müssen sie am Ende die Segel in der Champions-League-Quali streichen und haben jetzt ein happiges Programm vor sich. Am Samstag bittet YB zum Derby, ehe es in einer Woche bereits wieder international weitergeht. In der dritten Runde der Europa League kämpft Thun erneut um den Einzug in eine europäische Gruppenphase. Gegner ist der Verlierer des Duells Vikingur Reykjavik (Island) gegen Hapoel Beer Sheva (Israel).
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