Darum gehts
- Ferrari steckt in einer Krise, interne Kontrolle geht verloren
- Chef Vasseur kämpft mit Kritik und Spannungen zwischen Leclerc und Hamilton
- Letzter Ferrari-WM-Titel 2008, was passiert mit Vasseur?
Während die italienischen Fussballer ihren Neuanfang nach drei verfehlten WM-Turnieren mit einer 0:2-Heimpleite gegen Belgien in der Nations League starteten (am Montag in der Türkei), rast Ferrari fast ohne Halt in die neue Krise.
Zwei Siege und viel Leerlauf
Die zwei Erfolge in Spanien (Hamilton) und England (Leclerc) können die Defizite des Teams aus Maranello nur leicht verdecken. Zu oft fährt man einfach mit – wie jetzt in Baku. Um sich dann öffentlich über das Auto und die fehlende Power zu beschweren.
Und mittendrin im Hagel der Vorwürfe der längst ratlose Chef: Fred Vasseur (58). Er hat seine zwei eigenwilligen Fahrer längst nicht mehr im Griff: Charles Leclerc (30), das rote Urgestein, und Sir Lewis Hamilton (41) werden sicher keine Freunde mehr. Sie fahren meist für sich – eine verschworene Einheit sieht anders aus.
Horner goss Öl ins Feuer
Ferrari, seit 2007 (Räikkönen) und 2008 (Team) ohne WM-Titel, braucht neuen Wind. Ob dieser aber Christian Horner (52) heisst, muss man bezweifeln. Der Brite, bei Red Bull nach 20 Jahren entlassen, goss mit einem Interview über eine mögliche Rückkehr noch Öl ins Maranello-Feuer.
Vasseur reagierte – wie meist – emotional: «Wir können bei Ferrari nicht mehr in Ruhe arbeiten. Dauernd muss ich meinen Mitarbeitern Gerüchte aus aller Welt erklären.» Das nervt. Wie einst bei der Anklage von Mercedes: «Komisch, dass Ferrari dauernd so viele Upgrades bringen kann. Finanziell kann das kaum aufgehen!» Oder eben ein Gruss an die Budgetobergrenze.
Das letzte Wort hat Elkann
Nachdem Ferrari beide WM-Titel schon vor den letzten acht oder neun Rennen (plus den Singapur-Sprint) abschreiben kann, stellt sich in den Italo-Medien immer mehr die Frage: Wie reagiert der Oberboss des Konzerns John Elkann (50, in New York geboren)?
Am meisten wird ihn immer noch nerven, dass es Ferrari vor über neun Jahren verpasste, Kimi Antonelli in die Nachwuchsabteilung zu holen. Obwohl der Mann aus Bologna eigentlich zu den Roten wollte!
«Oma Kimi» wird zurückschlagen
Für Antonelli geht die Titeljagd kommende Woche in Malaysia weiter. Seine Fahrt in Baku vom 16. auf den 5. Platz verglich er mit einem Oma-Ausflug beim schlechtesten Rennen der Saison. Aber Kimi hat immer noch 66 Punkte Vorsprung.
Vielleicht hat Mercedes-Teamkollege Russell nach dem Krimi-Sieg mit 0,196 Sekunden Vorsprung auf den seit Wochen entfesselten Max Verstappen etwas Hoffnung geschöpft. Vor einem Jahr siegte Verstappen dort vor Russell.
Schumi verlor um 0,011 Sekunden
Zum knappen Zieleinlauf am Samstag: 2002 in Indianapolis lag am Ende Rubens Barrichello gegen Ferrari-Teamleader Michael Schumacher mit 0,011 Sekunden vorne. Man sagt noch heute, dass der Deutsche damit dem Brasilianer den gestohlenen Sieg in Österreich (Stallorder) zurückgeben wollte.
In Monza 1971, als die hochmoderne Zeitrechnung noch nicht auf dem Markt war, rasten die ersten fünf Autos innerhalb von 0,6 Sekunden über die Ziellinie. Sieger Gethin (BRM) lag 0,01 vor Peterson (March) und 0,09 vor Cevert (Tyrrell). Die zwei letzten Piloten starben bei Formel-1-Unfällen in Monza und Watkins Glen.