Darum gehts
- Kimi Antonelli, 20, beeindruckt als jüngster Formel-1-WM-Leader mit sechs Siegen
- 2025 noch kritisiert, eroberte er 2026 durch Pole-Position in China das Vertrauen
- 59 Punkte Vorsprung vor Russell und Hamilton vor Monza-Heimrennen am 6. September
Der Junge, der die Formel-1-Welt immer mehr entzückt, wird am Dienstag 20 Jahre alt: WM-Leader Kimi Antonelli. Die Prognose ist einfach: Es wird keinen Fahrer mehr geben, der in diesem Alter je sechs Siege und Pole-Positionen auf dem Konto hat.
Als Mercedes den Italiener 2025 ins kalte Wasser warf, schwamm Antonelli ohne grosses Aufsehen durch das Haifischbecken. Ja, es hagelte Kritik an Mercedes-Chef Toto Wolff (54), dass er ein Talent verheize. Heute kann sich der Wiener kaum mehr vor Komplimenten retten.
Der Tritt in den Hintern
Kurz: Antonelli ist eine Sensation, die im Zirkus nach Lewis Hamilton und Max Verstappen kaum jemand vorausgesagt hatte.
Mit drei Punkten in neun Europa-Rennen (10. in Budapest, 9. in Monza) erlebte er vor einem Jahr einen Tiefpunkt. «Ich bekam von meinem Vater und Toto mehrmals einen Tritt in den Hintern. Das sollte mich wachrütteln», verriet er einst Blick in einem exklusiven Interview.
«In China fing alles an»
Aber wann ist der Knopf wirklich aufgegangen? Wann kam das nötige Selbstvertrauen nach dem schwierigen Lehrjahr (7. WM-Platz) zurück?
Antonelli muss nicht lange nachdenken: «In China nach meiner ersten Pole-Position. Da wusste ich, dass ich es geschafft habe. Es war wie bei einem Videospiel, wenn du das nächste Level erreicht hast.»
Zehn Strafplätze in Monza
Vor dem schwierigen Heimrennen in Monza am 6. September (er muss wegen eines Motorwechsels mindestens zehn Startplätze zurück) führt er mit 59 Punkten vor Teamkollege George Russell (28) und dem unverwüstlichen Lewis Hamilton (41).
«Nur Siege und Titel zählen»
Das Duo hat die Stärken des unerschrockenen Rivalen längst erkannt. Und seit seine Starts von schlecht zu supergut wechselten, ist er in jedem Rennen ein Faktor. «Ich habe nur ein Ziel: Sieg und Titel!»
Deshalb sagte er nach dem zweiten Rang am Sonntag hinter Norris (McLaren) in Zandvoort: «Ich bin enttäuscht. Aber wir haben jetzt leider nicht mehr das beste Auto im Feld.»
«Druck ist doch positiv»
An die WM will er noch nicht denken, wenigstens nach aussen nicht. «Ich habe jetzt einfach noch mehr Druck. Das ist für mich etwas Positives. Denn das bedeutet, dass dieser Druck dich beflügelt, weil du etwas Wichtiges tun kannst.»
Das lenkt den jetzt 20-jährigen Star nicht vom grossen Ziel ab. Seine Gegner respektieren längst das fast unschuldige Lausbubengesicht, das keinem Zweikampf ausweicht. Wohin diese Reise für Antonelli, der mit sieben Jahren ernsthaft mit dem Kart-Sport begann (Verstappen und Hamilton mit acht) hinführt, steht in den Sternen.
Ferrari verpasste Chance
Nächste Woche kommt der Mann aus Bologna, der in San Marino wohnt, nach Monza. Dort sind die Fans gespalten: Der Italiener Antonelli kämpft in einem deutschen Auto gegen die britische Legende Hamilton im heiligen Ferrari um den Titel.
Und in Maranello ärgert man sich noch heute, dass man Antonellis Talent vor neun Jahren nicht richtig erkannte, es nicht in die Academy aufnahm. Da schlug Mercedes zu, übernahm die Ausbildung – ein Volltreffer.