«Das ist unglaublich!»
Schreibt Antonelli bereits in zwei Wochen F1-Geschichte?

Wenn nicht alles schiefgeht, wird Kimi Antonelli, am 25. August 20 geworden, Sebastian Vettel (23 Jahre, 4 Monate, 11 Tage) als jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte ablösen. Ist es bereits am 25. Oktober in Austin so weit?
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Steht kurz vor seinem ersten WM-Titel: Kimi Antonelli.
Foto: Lukas Gorys
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Roger BenoitFormel-1-Experte

Mercedes-Sensation Kimi Antonelli (20) kann den Weltmeister-Champagner seit Sonntag schon aus dem Kühlschrank holen. Aber der Mann der Stunde heisst Max Verstappen (29). Was der Holländer seit Monza im Red Bull abliefert, ist die absolute Weltklasse.

Zur Erinnerung: Seit Monza (wo Antonelli aus der letzten Reihe siegte) liegt Verstappen punktemässig gegen den Italiener mit 109:98 Zählern vorne! In Malaysia und Singapur gewann er alle drei Qualifikationen und drei Rennen.

Letztes Jahr endete die unheimliche Aufholjagd des Holländers (über 100 Punkte zurück) mit dem zweiten Platz hinter Lando Norris (McLaren) – zwei lumpige Punkte fehlten zu seinem fünften Titel.

Auch diesmal wird Verstappen das Wunder nicht schaffen. Die 119 Zähler Rückstand auf Antonelli sind einfach zu gross – und der Italiener zu stark. Wie am Sonntag in Singapur, als Antonelli mit vielen Problemen fertig wurde («irgendetwas bewegt sich zwischen meinen Beinen»), keine Fehler machte und den dritten Platz hinter Verstappen und Leclerc locker ins Ziel brachte.

Antonelli: Im August 20 geworden – jetzt bald F1-Weltmeister

Mehr braucht der bald jüngste Champion in der Formel 1 auch nicht zu tun. Teamkollege Russell, der nach einem Motorenwechsel von ganz hinten starten musste, schaffte es nur auf Position neun (hinter Hülkenberg). Zwei Punkte, die Russell auf der Titeljagd bereits 102 Zähler hinter Antonelli werfen.

Die Mathematik: pro Sieg gibt es 25 Punkte. Und wir haben noch sechs oder sogar nur fünf Rennen, wenn es im Nahen Osten nicht bald ruhig wird. Für Katar/Abu Dhabi würde Imola als Finalort am 6. Dezember einspringen.

Ein Junge ohne Starallüren

Für Antonelli ist die Titeljagd fast ein Nebenthema: «Ich will einfach dafür sorgen, dass ich mit dem Mercedes wieder gewinnen kann.» Und zur Titelfrage: «Ja, ich habe gehört, dass ich beim nächsten Rennen in Austin Weltmeister werden kann. Das ist unglaublich!»

So cool gab sich noch kein Champion in der jetzt 77-jährigen Formel-1-Geschichte. Doch Antonelli tut dem ganzen Zirkus gut. Ein Junge ohne Starallüren, selbstbewusst, aber nicht arrogant, freundlich, fröhlich und im Beruf sehr selbstkritisch: «Ich mache noch zu viele kleine Fehler!»

Die Fehlerquelle bei Ferrari ist um einiges grösser. Die Roten werden zwar die Saison als Zweiter der Team-WM abschliessen, aber auch bei den Piloten wird es bei Ehrenplätzen bleiben. Wie in den letzten 20 Jahren.

Ferrari-Chaos – einmal mehr

Man bekommt bei den Rennen immer mehr das Gefühl, dass Chef Vasseur am Ende gerne zwei punktegleiche Fahrer zum Essen einladen würde. Momentan: Hamilton 229, Leclerc 215.

Da macht auf der Strecke eigentlich jeder, was er selbst für gut befindet. Teamwork und ein guter Boxenfunk sind kaum vorhanden. Hamilton: «Charles ist auf Plan C. Aber wir sind doch auf Plan B unterwegs!» Und am Ende wird alles kleingeredet, auch wenn hinter den Kulissen bestimmt die Fetzen fliegen.

Am Sonntag war Hamilton nach seinem 6. Platz («leider kam ich während der VSC-Phase nicht zum Reifenstopp») zu kaputt, um sich öffentlich zu äussern. Er musste mit Kreislaufproblemen kurz zum FIA-Arzt und durfte den geplanten Medientermin absagen.

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