Kein Formel-1-Fahrer hat seit WM-Beginn 1950 im zweiten Jahr so eine Karriere hingelegt – und ist dabei auf dem Boden der Realität geblieben! Kimi Antonelli (20) ist auch nach seinem 8. Saisonsieg die erfrischende Ausnahme.
Keine grossen Sprüche, keine Arroganz – aber dafür ein knallharter Fighter auf allen Rennstrecken. Und am Ende ein sympathischer Realist. Wie bei der Premiere auf dem Madring: «Natürlich freut mich der Sieg, aber eigentlich gehört er Norris!»
Aber hallo. Hat man solch ehrliche Worte schon mal von einem Sieger gehört? Ein Triumphator, der jetzt mit 81 Punkten vor seinem völlig demoralisierten Teamkollegen Russell (5. Platz) in der WM liegt.
Auf Hamilton (Ferrari) sind es schon 101 Zähler, weil der Brite in Spanien seinen ersten Nuller 2026 kassieren musste. Die roten Bremsen versagten bereits nach sechs Runden.
Und mit jetzt 106 Punkten Rückstand scheint Norris weiterhin der gefährlichste Rivale von Antonelli zu sein.
Machtloser Vasseur
Warum? Bei Ferrari geht zu vieles strategisch schief, das Team ist keine Einheit mehr. Und Leclerc wehrt sich gegen jede Bevorteilung von Hamilton. Vasseur ist und bleibt machtlos.
Den «kleinsten» Rückstand hat Teamkollege Russell. Aber daneben hat der Brite mental auch die grössten Probleme. Für Chef Wolff muss jetzt klar sein: Russell darf bis zum Titelgewinn von Antonelli nie mehr einen Rang vor Kimi ins Ziel kommen. Sollten die beiden zwei Positionen trennen, muss dies Wolff wieder neu bewerten.
Die Premiere in Madrid startete mit zwei gescheiterten Angriffen von Antonelli im Notausgang auf Norris. Zweimal gab Kimi die gewonnene Position sofort zurück.
Red Bull verlor die Nerven
Beim Duell Hamilton gegen Verstappen verlangte Lewis, dass Max die Position zurückgeben muss. Red Bull verlor die Nerven und pfiff Verstappen zurück. Die FIA kurz darauf: kein Foul. Max hätte also den Platz nicht abgeben müssen. Der Holländer: «Vielleicht hätte ich eine Strafe bekommen, wenn ich Lewis nicht vorbeigelassen hätte.»
Nun, Verstappen wurde von den Fans zu Recht zum Fahrer des Rennens gewählt. «Am Ende hatte ich ein Superduell mit Norris um den zweiten Platz. Lando hatte Pech und wäre der eigentliche Sieger!»
Das Pech des Weltmeisters kam in der 15. Runde, als Stroll seinen Aston Martin (zum 10. Mal 2026) vorzeitig abstellte. Sofort kam das VSC raus (virtuelles Safety-Car). Damit muss das Feld langsamer fahren – und viele nutzten dies zu einem fast geschenkten Reifenstopp.
Fragezeichen hinter Russells zweitem Stopp
Auch in Madrid. Doch Norris war vorne zu schnell, verpasste die Boxeneinfahrt knapp – und dahinter kamen unter anderem Antonelli, Verstappen und Russell zum Reifenstopp. Warum Russell in der 31. Runde als Einziger im Feld nochmals den Gummi tauschte, begründete Wolff aus strategischen Gründen. «Aber wir müssen das analysieren.»
Nun, Antonellis Teamkollege verpasste damit vielleicht das Podest und im Ziel knapp den vierten Platz. Diesen holte sich Leclerc im Ferrari, der die ersten 48 Runden (fast immer als Leader) mit den harten Reifen unterwegs war und dann auf die weiche Mischung wechselte.
Und hinter Russell? Da holte sich Hadjar-Ersatz Lawson im Red Bull mit einer Minute Rückstand auf Russell den 6. Platz und weitere acht Punkte – oder jetzt schon 59. Wann Hadjar mit seiner Handverletzung zurückkommt, bleibt ungewiss. Vielleicht in Baku in zwei Wochen?