Es ist das gefährlichste Spektakel im Mountainbike-Sport. In der Wüste von Utah (USA) stürzen sich die besten Freerider steile Felswände hinunter, springen über riesige Canyons und bauen ihre eigenen Linien. Für die Fahrer geht es dabei nicht nur um Ruhm. Es geht auch um Geld und enormes Risiko.
Am Samstag waren die Männer an der Reihe. 18 Fahrer kämpften bei der Red Bull Rampage in Utah um den Sieg. Doch der Wettbewerb musste wegen des starken Winds abgebrochen werden. Zu diesem Zeitpunkt führte der Pole Szymon Godziek mit 90 Punkten vor Jaxson Riddle (USA) und Kade Edwards (Grossbritannien). Ob die Wertung bestehen bleibt, ist noch offen.
Bei den Frauen hatte sich bereits am Donnerstag Robin Goomes (Neuseeland) mit 93,50 Punkten den Sieg gesichert. Sie setzte sich knapp vor Hannah Bergemann (USA) mit 92,75 Punkten und Kirsten Van Horne (Ka) mit 86,50 Punkten durch. Für Goomes war es der dritte Rampage-Triumph in Folge.
Gefahren wird bei der Rampage nicht auf einer klassischen Rennstrecke: Die Athleten wählen ihre eigene Linie durch die Felslandschaft und bauen diese gemeinsam mit einem zweiköpfigen Dig-Team in den Fels. Die Jury bewertet die Runs nach Kriterien wie Schwierigkeit, Ausführung und Style. Einer, der genau weiss, worauf sich die Fahrer einlassen, ist Brendan Fairclough (38). Der Brite hat neunmal an der Rampage teilgenommen. «Push the limits», an die Grenzen des Möglichen gehen, sagt er zum Event.
7000 Dollar und viel Eigenrisiko
Fairclough fährt diesmal nicht selbst. Seine Rampage-Karriere ist beendet. Trotzdem kennt er die Rechnung hinter dem Spektakel bestens. «Sie zahlen dir 7000 Dollar (5800 Franken) für deine Unkosten», sagt Fairclough. Das Geld reiche allerdings kaum aus. Die Fahrer müssen unter anderem zwei Mitarbeiter mitbringen und für Essen, Unterkunft und weitere Kosten aufkommen. «Man zahlt aus eigener Tasche oder über die Sponsoren drauf.»
Attraktiver wird es ganz oben. Der Sieger kassiert laut Fairclough 100'000 Dollar (83'500 Franken) und zusätzlich einen Ford Ranger im Wert von rund 50'000 Dollar. Danach fällt das Preisgeld schnell ab. Fairclough selbst wurde 2023 Vierter und erhielt dafür nach eigenen Angaben noch 6000 Dollar.
Für ihn war die Rampage trotzdem Gold wert. «Früher war Rampage das mit Abstand grösste Mountainbike-Medienevent im Kalender», sagt er. Die Aufmerksamkeit habe seiner Karriere enorm geholfen. Noch heute würden viele Menschen eher seine Rampage-Auftritte kennen als seine 15 Jahre im Weltcup.
«In der Schweiz wäre das kaum möglich»
Aus Schweizer Sicht wirkt das Spektakel besonders extrem. Fairclough sieht das ähnlich. «So ein Event kann nur wirklich gut in Amerika stattfinden, wo die Regeln etwas weniger streng sind als in der Schweiz», sagt er.
Er selbst hat dabei einiges erlebt: Kreuzbandriss, beide Daumen gebrochen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm sein grosser Canyon-Sprung von 2023. «Ich wurde zwar nur Vierter, aber es war ein tolles Jahr und eine grosse Leistung für mich.»
Einen Schweizer würde Fairclough dagegen lieber nicht in die Wüste schicken: Nino Schurter (40). «Nino sollte das definitiv nicht machen», sagt er lachend. «Nicht, wenn er nicht einmal auf einem Berg-Scooter bleiben kann!»
Fairclough und Schurter fahren beide für Scott. Obwohl seine Rampage- und Weltcup-Karriere beendet sind, denkt der Brite noch lange nicht ans Aufhören. «Ich fahre drei- bis viermal pro Woche. Es ist immer noch zu 100 Prozent mein Beruf.»
Am Wochenende verfolgte er die spektakulärsten Sprünge von aussen – wenn es wieder hiess: Wer geht am weitesten – und wer zu weit?