Darum gehts
- HCD und ZSC treffen im Playoff-Halbfinal ab Samstag in Davos aufeinander
- HCD gewann die Qualifikation mit 117 Punkten, ZSC holte 29 weniger
- ZSC will dritten Titel in Folge, HCD kämpft um Mission 32
Es ist das zwölfte Playoff-Duell dieser beiden. Zwischen den Berglern mit dem gemütlichen Bündner Dialekt und den Städtern mit der im Vergleich dazu hektischen «Zürischnurre». Seit sie im Jahr 2000 das erste Mal in den Viertelfinals aufeinandergetroffen sind, hat sich HCD gegen ZSC zum Playoff-Klassiker entwickelt. Von den elf bisherigen Duellen gewannen die Zürcher nicht nur das erste vor 26 Jahren, sondern noch sechs weitere. Die Davoser haben dringenden Aufholbedarf.
Nach elf Jahren scheint die Zeit reif, erstmals wieder eine Playoff-Serie gegen den ZSC zu gewinnen. 2015 bodigten die Davoser die Lions im Final und feierten ihren 31. und bislang letzten Titel. In dieser Saison will der Rekordmeister seine vor einigen Jahren ausgerufene Mission 32 vollenden – und auf dem Weg dazu, den ZSC aus dem Weg räumen.
29 Punkte weniger als der HCD
Allerdings befinden sich auch die Zürcher auf einer Mission: Sie sind der Titel-Hamsterer der Gegenwart, wollen ebenso Geschichte schreiben und das erste Team seit Kloten in den 90er-Jahren werden, das drei Meistertitel in Folge realisieren kann. «Das ist das Endziel», hat Trainer Marco Bayer schon vor dem Playoff-Start betont.
Mit einer ungeheuerlichen Dominanz und einem Total von 117 Punkten hat Davos die Qualifikation gewonnen. Der ZSC durchlief dagegen im Herbst und Spätherbst je eine Krise und brachte 29 Zähler weniger als die Bündner Überflieger auf sein Konto. Auch von den Direktduellen haben die Zürcher drei von vier verloren. «Wir waren in allen Spielen gegen sie gut dabei, oft fehlten Nuancen. Aber jetzt fängt alles wieder bei null an», sagt Bayer.
Sechs Playoff-Spiele in Folge gewonnen
Seine Mannschaft ist eine Playoff-Maschine. Wenn es wirklich zählt, ist sie da. «Sie weiss, worum es geht», so Bayer. Das musste zuletzt auch Lugano feststellen, das von den Zürchern in den Viertelfinals mit 4:0 abgefertigt wurde. Der «Zett» hat in den letzten zwei Jahren nicht nur seine Meistertitel zehn und elf gefeiert, sondern zuletzt auch sechs Playoff-Spiele in Folge gewonnen.
HCD gegen ZSC ist daher wie ein vorgezogener Final. Auch wenn sich Bayer, darauf angesprochen, zurückhaltend gibt: «Es ist der Halbfinal. Von den verbliebenen vier Mannschaften können alle Meister werden – das ist die Realität.» In den nächsten zwei Wochen werden wir jedoch zu wissen bekommen, wie gut der ZSC und der HCD in diesem Frühling wirklich sind.
Lemieux-Aussetzer und «fertig Scheissdreck»
Für zusätzliches Salz in der Suppe sorgen dabei die Vorkommnisse in der letztjährigen Halbfinal-Serie. Als ZSC-Wühler Chris Baltisberger in Spiel drei HCD-Giftpfeil Brandon Lemieux bewusst provozierte. Dieser darauf einging und zuschlug, aber dummerweise Linienrichter Dominik Altmann traf, womit die Serie für Lemieux mit vier Spielsperren vorbei war.
Oder als in Spiel fünf HCD-Stürmer Chris Egli mit der Schlusssirene ZSC-Captain Patrick Geering noch hart checkte. Es folgte eine wilde Rauferei – und im Anschluss sagte ZSC-Stürmer Willy Riedi zu den Journalisten, noch immer hässig über die Egli-Aktion: «Fertig mit dem Scheissdreck! Jetzt fahren wir nach Davos und machen den Sack zu.»
HCD gehen Schweizer Center aus
Die Zürcher hielten Wort, gewannen Spiel sechs mit 6:4, die Serie mit 4:2 und schickten damit nicht nur den HCD in die Ferien, sondern die abtretenden HCD-Legenden Andres Ambühl und Marc Wieser in den Ruhestand. Abgesehen von den beiden sind viele Protagonisten aus dem Vorjahr noch immer dabei – für Brisanz ist gesorgt.
Dem HCD ebenfalls fehlen werden allerdings die verletzten Stürmer Enzo Corvi und Valentin Nussbaumer, womit dem HCD neuerdings gleich zwei wichtige Schweizer Center nicht zur Verfügung stehen. HCD-CEO Marc Gianola betonte schon im Herbst, dass es für Davos schwierig wird, das angestrebte (Titel-)Ziel zu erreichen, wenn zu viele Leistungsträger in den Playoffs zeitgleich ausfielen. Denn abgesehen von den Ausländerpositionen, auf denen man auf alle Eventualitäten vorbereitet ist, fehlt dem HCD die breit abgestützte Tiefe im Kader.
Wieder mit Andrighetto?
Bei den ZSC Lions fielen während der Viertelfinals gegen Lugano mit Leitwolf Sven Andrighetto und Powerflügel Riedi ebenfalls zwei Topleute aus. Bezüglich ihrer Verfügbarkeit in Halbfinalspiel eins am Samstagabend in Davos lässt sich Bayer nicht in die Karten schauen, verrät aber zumindest: «Wir werden erst am Spieltag entscheiden, mit welcher Aufstellung wir antreten. Aber es sieht nicht schlecht aus, dass wir wieder ziemlich komplett starten können.» Der ZSC ist mit Farmteam GCK Lions im Rücken bei Ausfällen aber so oder so wesentlich breiter aufgestellt als Davos. Ein Abnutzungskampf kann daher nicht das Ziel des HCD sein, für einen Triumph müssen die Überflieger erneut abheben.


