Darum gehts
- Die Eishockey-WM in Zürich und Fribourg startet in einem Monat
- Auch 20’000 Schüler besuchen die Spiele, weiterhin sind Tickets ab 9 Franken erhältlich
- 25 bis 30 Prozent der Fans kommen aus dem Ausland, Schweiz-Tage sind besonders nachgefragt
Blick: In einem Monat läuft die Eishockey-WM bereits auf vollen Touren. Läuft alles nach Plan?
Christian Hofstetter: So weit schon. Es gibt noch Bereiche, in denen wir gewisse Plananpassungen vornehmen mussten und jetzt mit Hochdruck an den letzten Zügen sind.
Haben Sie ein Beispiel?
Die offizielle Fanzone in Zürich ist ein solches Beispiel. Dort hatten wir ursprünglich vor, dass diese direkt bei der Arena ist. Wir haben aber festgestellt, dass wir auf dem Areal zu wenig Platz haben, und uns dann dazu entschlossen, dass es besser ist, wenn wir etwas weiter von der Arena weggehen. Die auch ohne Ticket zugängliche offizielle Fanzone ist jetzt auf dem Juchhof und hat genügend Platz für ein Hockeyfest. Dadurch mussten wir mit der Planung wieder weit vorne beginnen, und so etwas entsteht dann nicht von heute auf morgen.
Was beschäftigt Sie derzeit sonst noch?
Dass mit Fribourg einer der beiden Austragungsorte im Playoff-Final ist. Wir übernehmen die Arena dort am 1. Mai, am 30. April findet aber in Davos ein potenzielles siebtes Playoff-Finalspiel statt, mit einem Public Viewing in der Eishalle in Fribourg. Ein paar Stunden später übernehmen wir diese um sechs Uhr. Da sind wir mit dem Klub in engen Gesprächen, wie das alles zu bewältigen ist, damit wir mit unseren geplanten Aufbauarbeiten starten können.
Demnach haben Sie als Fribourger nicht nur Freude, dass Gottéron diese Saison so gut ist?
Doch, ich habe grosse Freude, dass Fribourg nach 13 Jahren wieder im Playoff-Final steht. Der Klub hat lange genug auf diesen Moment hingearbeitet, gehofft und gebangt.
Wie sieht es bezüglich der Ticketverkäufe aus?
Wir sind auf Kurs. Die Tage, an denen die Schweiz spielt, sind in Zürich enorm stark, solche gibt es aber auch in Fribourg. An den Tagen, an denen die Top-vier-Mannschaften aus den jeweiligen Gruppen spielen, werden die Arenen voll sein. Die Ticketnachfrage aus Österreich ist ebenfalls gross, und beispielsweise auch aus Grossbritannien kommen grosse Fangruppen. Aber es sind für alle Spiele, auch die gut gebuchten, vereinzelt immer wieder Tickets erhältlich.
Auch für die Schweizer Spiele?
Gerade in dieser Woche war dies wieder möglich, wir haben da 700 Pakete von reservierten Kontingenten zurückbekommen, die wir für teilnehmende Nationen, Sponsoren, die IIHF oder andere reserviert hatten. Diese konnten wir wieder freigeben. Es gibt da jeweils verschiedene Deadlines, deshalb werden auch immer wieder vereinzelte Tickets in den Verkauf kommen. Da empfehle ich, regelmässig auf unserer Homepage nachzuschauen oder sich für unseren Newsletter anzumelden. Es gibt zum Beispiel gewisse Bauten, die in den Arenen noch gemacht werden müssen – die im Umfeld dieser Bauten liegenden Plätze haben wir sicherheitshalber grosszügig blockiert, denn wir wollen keine Plätze anbieten, auf denen man möglicherweise nichts sieht. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass wir da ebenfalls noch Plätze freigeben können, wenn wir sehen, dass die Sicht aufs Eis gewährleistet ist.
Gibt es auch Ladenhüterspiele, bei denen Sie Schulklassen aufbieten müssen, damit es in den Stadien nicht trostlos aussieht?
Wir haben gewisse Spiele, die auf dem Papier weniger attraktiv sind. Neben attraktiven Preisen haben wir ein Programm mit Schulklassen auf die Beine gestellt: Wir werden rund 20’000 Schülerinnen und Schüler an beiden Standorten haben, für die wir bei gewissen Spielen attraktive Pakete schnüren konnten. Das Echo war sehr positiv, es werden mehr Schulklassen an der WM dabei sein, als wir uns das ursprünglich zum Ziel gesetzt hatten.
Erhoffen Sie sich dadurch auch eine gewisse Nachhaltigkeit für das Eishockey?
Absolut. Für viele wird es der erste Berührungspunkt mit dem Eishockey sein, und wir wünschen uns natürlich, dass die Kids ein schönes Erlebnis haben. Es wird sich dann zeigen, ob daraus viele neue Spielerinnen und Spieler hervorgehen. Unser Anspruch ist aber, bei ihnen eine Begeisterung für das Eishockey zu entfachen und diesen ersten Kontakt sehr positiv zu gestalten.
Das letztjährige WM-Viertelfinalspiel Schweiz – Österreich in Herning war wegen der fast leeren Zuschauerränge eine unwürdige Veranstaltung. Solche Bilder schliessen Sie an der WM in der Schweiz demnach aus?
Mit den Verkaufszahlen, die wir für die Viertelfinals haben, kann ich dies in der Tat ausschliessen. Auch in Fribourg laufen die Viertelfinals gut, weil es mitunter die besten Spiele sind, die man an einer WM sehen kann. Und in Zürich wird die Schweiz spielen, wenn sie sich für die Viertelfinals qualifiziert.
Christian Hofstetter (58) ist in Fribourg aufgewachsen und war als Eishockeyspieler ein erfolgreicher Verteidiger. Seinen Stammklub führte er von 1989 bis 1997 als Captain an und bestritt in dieser von den beiden Zauber-Russen Bykow/Chomutow geprägten Gottéron-Zeit drei Playoff-Finals. Nach seinem Rücktritt arbeitete er als Marketing Manager bei Nike, Sponsoring Manager bei Carlsberg und Volunteer Manager an der Fussball-Euro 2008. Von 2008 bis 2023 war Hofstetter in verschiedenen Führungspositionen beim internationalen Eishockey-Verband IIHF tätig, zuletzt während drei Jahren als Sportdirektor. Diesen Job gab er auf, um im September 2023 Generalsekretär des OK’s der Eishockey-WM 2026 in Zürich und Fribourg zu werden.
Christian Hofstetter (58) ist in Fribourg aufgewachsen und war als Eishockeyspieler ein erfolgreicher Verteidiger. Seinen Stammklub führte er von 1989 bis 1997 als Captain an und bestritt in dieser von den beiden Zauber-Russen Bykow/Chomutow geprägten Gottéron-Zeit drei Playoff-Finals. Nach seinem Rücktritt arbeitete er als Marketing Manager bei Nike, Sponsoring Manager bei Carlsberg und Volunteer Manager an der Fussball-Euro 2008. Von 2008 bis 2023 war Hofstetter in verschiedenen Führungspositionen beim internationalen Eishockey-Verband IIHF tätig, zuletzt während drei Jahren als Sportdirektor. Diesen Job gab er auf, um im September 2023 Generalsekretär des OK’s der Eishockey-WM 2026 in Zürich und Fribourg zu werden.
Die Schweiz ist ein Hochpreisland. Schreckt dies die internationalen Fans ab, oder wird es einen WM-Tourismus wie in anderen, günstigeren Ländern geben?
Es ist sehr gut möglich, dass sich einige Fans aufgrund der hohen Preise in der Schweiz einen WM-Besuch noch besser überlegen werden. Aber es gibt auch viele Fans, die Jahr für Jahr an die WM reisen, egal, wo sie ist, und sich entsprechend darauf eingestellt haben, dass es dieses Jahr etwas grössere finanzielle Ressourcen braucht. Wir sind uns bewusst, dass wir ein Hochpreisland sind, und haben versucht, diesem Umstand im Ticketing Rechnung zu tragen. Etwa indem wir in Zürich und Fribourg nicht mit den genau gleichen Preisen operieren und es auch bei den einzelnen Spielen unterschiedliche Kategorien gibt. Die Schweizer Spiele haben die höchsten Preise, aber die Partie Slowenien – Italien kann man beispielsweise schon ab 9 Franken für ein Stehplatzticket sehen. Wir möchten jedem die Möglichkeit bieten, ein Spiel an der WM besuchen zu können.
Lässt sich abschätzen, wie viele Fans aus dem Ausland anreisen werden?
Wir rechnen mit rund 25 bis 30 Prozent, was heisst, dass knapp drei Viertel der Zuschauer aus der Schweiz kommen werden.
Wie sehr hängt es von einer erfolgreichen Nati ab, ob diese WM ein Erfolg wird?
Wenn die Heimmannschaft so lange wie möglich im Turnier ist, ist die Euphorie umso grösser. Darum ist die Leistung der Nati wichtig für den Verlauf des Turniers. Bei den Viertelfinals ist es entscheidend, wie weit die Schweiz kommt.
Diese Woche kam es bei der Nati wegen des gefälschten Impfzertifikats, der Lügen und des Rauswurfs von Patrick Fischer zum Eklat. Wie gross ist dieser entstandene Imageschaden für die WM?
Wir organisieren die WM nicht nur für die Schweiz, sondern für insgesamt 16 Teams und versuchen, diesen die bestmöglichen Rahmenbedingungen mit der bestmöglichen Infrastruktur zu schaffen. Das ist der Auftrag an mein Team, und an diesen halten wir uns.
Aber befürchten Sie einen Imageschaden?
Das ist aus heutiger Sicht schwer zu sagen.
Sie waren zuvor lange für die IIHF tätig und erleben nun eine WM als Ausrichter. Wo steht die Schweiz mit ihrer Infrastruktur für einen solchen Grossanlass im internationalen Vergleich?
Im Vergleich zu den anderen Ländern ist es einzigartig, dass wir hier an beiden Orten in Eishockeyarenen spielen. Nicht in Multifunktionsarenen, wie wir das an den Weltmeisterschaften in den letzten Jahren gesehen haben. Sondern in Arenen, die gebaut wurden, um darin Eishockey zu spielen, mit steilen Zuschauerrängen, die nah am Rink sind. Darauf freuen sich auch die Teams enorm. Wir haben zwei gute Arenen mit einer guten Infrastruktur, zum Beispiel auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit. Aber die Dimension einer WM ist schon gross, und diese Stadien wurden nicht in erster Linie für das Anforderungsprofil einer WM gebaut. Trotzdem schaffen wir es, durch die Zusammenarbeit mit den beiden Klubs und allen Stakeholdern, beiden Arenen ein einer WM entsprechendes Kleid zu geben.
Sie waren selbst Hockeyprofi, acht Jahre Captain von Fribourg-Gottéron und bestritten drei Playoff-Finals. Was wurmt Sie mehr: dass Sie nie Meister geworden sind oder dass Sie nie für die Nati spielen durften?
Schon dass ich nie Meister geworden bin. Aber das ist inzwischen doch schon länger her. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Gelegenheit erhalten habe, nach meiner Aktivkarriere mit dem Eishockey verbunden zu bleiben. Und das ist primär das, was ich mitnehmen konnte, und dafür hat es sich mehr als gelohnt – auch ohne Meistertitel. Und die Nati war für mich damals nicht machbar.
Weshalb nicht?
Dafür muss man im richtigen Moment am richtigen Ort sein. Ich habe mal ein Aufgebot für einen Nati-Zusammenzug erhalten, mich aber im letzten Spiel davor verletzt. Danach hat es dann nicht mehr gepasst.
Holt Fribourg nun im Playoff-Final nach, was während Ihrer Zeit in den Finals verpasst wurde?
Man hat diese Saison gesehen, wie eng Erfolg und Niederlage beieinanderliegen. Im Viertelfinal gegen Rappi stand Fribourg vor dem Aus, doch dann gewannen sie 4:1 gegen Servette, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Die Voraussetzungen sind da, um Meister zu werden, aber ob es klappt, weiss ich nicht.
Wie wird man vom Fribourg-Captain zum WM-OK-Boss? Vielleicht können Sie da dem aktuellen Fribourg-Captain Julien Sprunger einen Tipp geben. Etwa für die WM 2044, dann ist Sprunger wie Sie heute 58 Jahre alt.
Definitiv gesund bleiben und die Chancen, die sich einem bieten, nutzen. Das ist etwas, das mich während meiner Laufbahn geprägt hat. Ich habe immer beim gleichen Klub gespielt und nebenbei mein Studium abgeschlossen. Danach war es beruflich aber trotzdem auch wichtig, gelegentlich zu wechseln, sich neu zu definieren und sich auch neu zu beweisen, um weiterzukommen. Rückblickend hat mich all das heute an diesen Punkt gebracht.
Sie haben 2023 Ihren guten Job als Sportdirektor bei der IIHF gekündigt, für ein dreijähriges WM-Mandat. Ist das nicht gewagt?
Wenn man über viele Jahre am gleichen Ort ist, ist man zwar gut eingebettet, aber manchmal muss man auch den Mut haben, etwas Neues zu wagen. Das würde ich, um auf Ihre Ursprungsfrage zurückzukommen, auch Julien Sprunger mit auf den Weg geben. Man muss sich seine Chancen auch selbst kreieren und aktiv sein. Es ist wie beim Eishockey, wenn du nie schiesst, sondern immer noch einen Pass spielst und denkst, dass du nicht gut genug bist, dann schiesst du auch nie ein Tor.
Wie lange läuft Ihr Mandat als WM-Generalsekretär und OK-Präsident?
Bis Ende September.
Und danach?
Dann schauen wir weiter. Ich habe das Vertrauen, dass auch danach etwas Spannendes kommt.
Sie waren in Ihren Jobs jeweils sehr international tätig. Könnten Sie sich aber auch vorstellen, in der Schweiz für einen Klub zu arbeiten?
Das ist eine Option, die ich mir definitiv vorstellen könnte. Obwohl ich immer gerne international tätig war. Bei der IIHF hat es mir sehr viel Spass gemacht, mit unterschiedlichen Kulturen in Verbindung zu kommen und mit Leuten aus verschiedensten Bereichen und Ländern zu tun zu haben.