Powerranking der Swiss League zum Saisonstart
15-Jähriger im Fokus – Arosa im Litauer-Fieber

Definitiv um den Aufstieg bewerben werden sich nur Visp und La Chaux-de-Fonds. Basel und Olten zögern. Sierre darf wohl nicht. Spannung verspricht die am 17. September beginnende neue Swiss-League-Saison aber so oder so. Das erste Blick-Powerranking der Saison 2026/27.
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Darum gehts

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Marcel AllemannReporter Eishockey
1

Visp

Es ist das zweite Jahr unter Ex-Lugano-Trainer Luca Gianinazzi. Sein System – im Vergleich zum Beton-Hockey unter Vorgänger Heinz Ehlers deutlich attraktiver – ist den Spielern mittlerweile geläufiger. Mit Meile (Lugano), Patry (Sierre) und Romanenghi (Ajoie) wurde die Mannschaft geschickt verstärkt. Die Visper wollen die an Sierre verlorene Vorherrschaft im Wallis zurückerobern. Wenn das gelingt, ist die Chance gross, dass die Mannschaft am Ende von Tabellenrang 1 grüsst. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall des Schweden Adam Brodecki hat Visp mit der Verpflichtung von Ajoie-Legende Jonathan Hazen einen erfahrenen Ersatz aus dem Hut gezaubert.

Ex-National-League-Spieler Stéphane Patry hat die Fronten gewechselt – statt für Sierre geht er in Zukunft für Visp auf Torejagd.
Foto: Pascal Muller/freshfocus
2

Sierre

Mit dem Meistertitel wurde ein erstes Etappenziel unter dem Regime von Chris McSorley erreicht. Der als Nächstes anvisierte Aufstieg wird wohl erst 2028 zum Thema und ist kompliziert. Dies, weil es dafür in der alten Grabenhalle heftige und kostspielige Umbauarbeiten braucht und parallel dazu die neue, moderne Valais Arena bis 2031 bezugsbereit gemacht werden soll. Es finden Gespräche mit der National League statt, aber wenn ein erfolgreiches Aufstiegsgesuch diese Saison erneut nicht möglich ist – und davon ist auszugehen –, könnte dies die Euphorie dämpfen. Die Walliser sind gerade auf arg vielen Nebenschauplätzen beschäftigt, aber eine gute Ausgangslage werden sie sich in der Quali trotzdem erspielen. Nicht mehr mit Meisterschütze Patry, dieser ging an Rivale Visp verloren. Dafür geht neu Fribourgs Altmeister Mottet (35) für Sierre auf Torejagd.

Chris McSorley hat Sierre zum Meistertitel geführt – und plant nun die Aufstiegsoptionen.
Foto: keystone-sda.ch
3

La Chaux-de-Fonds

Auf dem Papier waren die Neuenburger in den letzten Jahren stets die am stärksten einzustufende Mannschaft – nur konnten sie es auf dem Eis nach dem Titel 2024 nicht mehr umsetzen. Nun ist es zum Umbruch gekommen: Elf Spieler sind gegangen, zehn gekommen. Mit Östlund (Biel), Jaquet (Rücktritt), Rüegsegger (Lausanne) und Schirjajew (Rücktritt) sind prägende Elemente der letzten Jahre ebenso nicht mehr dabei wie der langjährige Trainer Louis Matte, den man noch während der Saison feuerte. Mit dem ehemaligen Fribourg-Abwehrchef Thomas Rhodin (Sd) ist ein spannender Headcoach gekommen. «Ich wollte etwas Neues: einen Trainer, der noch nie in der Schweiz tätig war und nicht schon jeden kennt», sagt Sportchef Loïc Burkhalter. Es herrscht Aufbruchstimmung – sie soll La Chaux-de-Fonds im Hinblick auf das 2030 entstehende, schicke neue Eissportzentrum in Richtung Aufstieg tragen.

Thomas Rhodin ist der neue Mann an der Bande, der den Umbruch bei La Chaux-de-Fonds erfolgreich bewältigen soll.
Foto: IMAGO/Bildbyran
4

Thurgau

Der HC Thurgau hat sich einen glänzenden Ruf erarbeitet. Die Leihspieler aus der National League gingen beim Überraschungszweiten der letzten Saison ein und aus, 45 Spieler (!) setzten die Nordostschweizer insgesamt ein. Aber als die starken Leihgaben wie Goalie Christof von Burg (Bern) von ihren Stammklubs zurückgerufen wurden, fiel das Kartenhaus in den Playoffs zusammen, ein enttäuschendes Viertelfinal-Out gegen Olten war die Folge. Die Leihspieler machten die Thurgauer mit ihrer Qualität besser, als sie eigentlich sind – und sie es sich leisten können. Aber wenn man es mit dieser Strategie übertreibt, kommt es in der entscheidenden Meisterschaftsphase eben zum Kollateralschaden. Die Kunst ist es, die richtige Balance zu finden: Aktuell figurieren sieben Leihspieler im Kader, darunter NHL-Draft Elijah Neuenschwander (Fribourg), der vermutlich beste Goalie in der Swiss League.

Der von Fribourg ausgeliehene NHL-Draft Elijah Neuenschwander steht nun im Tor von Thurgau.
Foto: Pius Koller
5

Basel

Nach dem Wiederaufstieg 2022 ging es für Basel stets geschmeidig aufwärts, bis es letzte Saison zum Zwischenabsturz kam. Basel sass zu Saisonbeginn am Tabellenende fest, aber Sportchef Kevin Schläpfer behielt die Nerven – statt Trainer Eric Himelfarb zu feuern, wurde der Vertrag mit ihm demonstrativ verlängert. Die Strategie zahlte sich aus – mit einer starken zweiten Quali-Hälfte spielten sich die Basler noch auf Rang 6. In den Playoff-Viertelfinals gegen Visp war dann jedoch Schluss. Aber natürlich will Basel wieder mehr. Mit Sportchef-Sohn Elvis Schläpfer (Ajoie) und Noah Fuss (SCB/Visp) sind zwei starke Elemente für die Offensive dazugekommen, mit Thomas Thiry (Ajoie) ein langjähriger NL-Verteidiger. Ob sich die Basler für den Aufstieg bewerben (Frist bis Ende Oktober), ist noch offen, aber aufgrund der aktuellen Budgetzahlen eher unwahrscheinlich.

Elvis Schläpfer (M.), Sohn von Sportchef Kevin Schläpfer, geht für Basel auf Torejagd.
Foto: Pius Koller
6

Olten

Jüngst wurde an der GV wieder ein Verlust von knapp 900'000 Franken ausgewiesen, praktisch gleich viel wie im Vorjahr. Der Kostendruck steigt, die Ausgaben für die Mannschaft müssen reduziert werden – und trotzdem erwartet Präsident Marc Thommen eine Rangierung in der ersten Tabellenhälfte. Das Potenzial dafür bringt die Equipe mit, aber sie befindet sich in einem Umfeld, in dem die Konkurrenz keineswegs schlechter geworden ist. Damit die Vorgabe von Thommen erfüllt werden kann und nicht wie in den letzten beiden Jahren erst in den Playoffs geglänzt wird, müssen sich Trainer Christian Wohlwend und sein Team ordentlich strecken. Ob Olten ein Aufstiegsgesuch einreichen wird, soll in den kommenden Wochen entschieden werden. Es käme aufgrund der Finanzlage überraschend.

Mit dem neuen Goalie David Brodecky (kam von Winterthur) will Olten eine bessere Quali spielen.
Foto: PIUS KOLLER
7

Chur

Reto und Jan von Arx hatten einen unterschriftsbereiten Vertrag von Ambri auf dem Tisch, aber gaben den Leventinern einen Korb und verlängerten stattdessen für drei Jahre als Trainer-Duo in Chur. Für den Bündner Klub ein absoluter Glücksfall, denn mit welchem Erfolgsausweis die beiden ehemaligen HCD-Legenden den auf klassische Ausländer verzichtenden Verein und die grossmehrheitlich jungen Spieler entwickeln, ist verblüffend. Die Arbeit geht den Von-Arx-Brüdern nicht aus. Durch die Abgänge von Neuenschwander (Thurgau), Näf (ChdF), Eggenberger (GCK Lions), Dukurs (Sierre) sowie Petrovic (Zug) – und weil Ramsauer die Saison bei Partner SCL Tigers beginnen darf und mit Reichle ein weiterer Schlüsselspieler bis mindestens Ende Jahr verletzt fehlt – hat Chur deutlich an Substanz verloren.

Der EHC Chur muss lange auf seinen Spektakelstürmer Liekit Reichle verzichten.
Foto: keystone-sda.ch
8

GCK Lions

Mit Cunti (Rücktritt), Pinana (ChdF) und Kärki (Crimmitschau/De) haben sich drei Routiniers verabschiedet, das ZSC-Farmteam ist noch einmal massiv jünger geworden. Das Durchschnittsalter beträgt lediglich 21,5 Jahre, und dabei sind die zum erweiterten Kader gehörenden, noch jüngeren Spieler nicht eingerechnet. «Wir wollen uns Schritt für Schritt weiterentwickeln», sagt Trainer Peter Andersson. Gespannt darf man sein, wie sich Ausnahmetalent Lionel Dedial (15), der vor dem Tor für sein Alter unfassbar abgebrüht ist, in seiner ersten Saison im Männer-Hockey schlägt.

Das 15-jährige Sturmtalent Lionel Dedial spielt erstmals im Erwachsenen-Hockey.
Foto: PIUS KOLLER
9

Arosa

Bis auf sechs Spieler wurde die ganze Mannschaft ausgewechselt. Der Traditionsklub ist stärker einzustufen als im ersten Jahr nach der Rückkehr in den Profizirkus. Aber bei allem Respekt für die vorzügliche (Entwicklungs-)Arbeit, die Trainer Rolf Schrepfer Jahr für Jahr im Bündner Wintersportort leistet: Arosa wird nicht gut genug sein, um ernsthaft in den Kampf um einen Playoff-Platz einzugreifen. Es könnte jedoch reichen, um die Rote Laterne an Bellinzona abzutreten. Spannend: Der letztjährige Goalgetter Emilijus Krakauskas (29, 20 Tore) hat Familienzuwachs erhalten, neuerdings stürmt auch sein jüngerer Bruder Titas (20), der aus dem Fribourg-Nachwuchs kommt und ebenso ein Litauer mit Schweizer Lizenz ist, für Arosa. Das Glück der Bergler liegt unter anderem in litauischer Hand.

Goalgetter Emilijus Krakauskas hat in Arosa nun familiäre Unterstützung.
Foto: Pius Koller
10

Bellinzona

Jahr für Jahr wird darüber spekuliert, ob sich die Bellinzona Snakes (vormals Ticino Rockets und Bellinzona Rockets) zurückziehen. Aber noch immer sind sie da und gehen mittlerweile bereits in ihre elfte Saison. Zum Glück ist das so, ansonsten würde die Swiss League nach dem Rückzug von Winterthur nur noch mit neun Teams spielen – und noch mehr Arbeitsplätze, an denen sich junge Spieler auf Männerstufe profilieren können, gingen verloren. Einst profitierten beispielsweise die heutigen SCB-Stars Connor Hughes und Dario Rohrbach von diesem Auffangbecken im Tessin, letzte Saison bereitete sich der neue Ambri-Hoffnungsträger Nathan Borradori auf seine NL-Karriere vor. Dennoch werden die Tessiner auch in ihrer elften Saison zum elften Mal die Playoffs verpassen. Sie spielen gegen Arosa ihre eigene Meisterschaft, in der es darum geht, Vorletzter zu werden.

Bellinzona-Trainer Nicola Pini fordert von seiner Mannschaft stets Vollgas ein.
Foto: Marusca Rezzonico/freshfocus
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