Gibt es unter den Hockeyschiedsrichtern nicht mindestens einen Graf Zahl? Also einen, der wie die legendäre Sesamstrasse-Figur unter Zählzwang leidet und stets alles und jeden durchzählen muss? Scheinbar nicht. Er steht am Donnerstag jedenfalls nicht auf dem Eis, als die Tschechen im Viertelfinal gegen Kanada mit einem Mann zu viel erst verteidigen, dann umschalten und schliesslich ein Tor erzielen: Das 3:2 in der 53. Spielminute. Spätestens beim Anblick der tschechischen Jubeltraube hätte man dem Nepp auf die Spur kommen können: Es sind sechs.
Drei der vier Refs werden von der NHL beschäftigt
Die Pointe? Drei der vier Schiedsrichter, die dabei auf dem Eis stehen, sind mit dem NHL-Gütesiegel versehen: Zwei Linienrichter (Brisebois und Murray, beide Kanadier) und einer der beiden Headschiedsrichter (Rooney, USA). Nun hatte die NHL vor dem Turnier lautstark darauf hingewiesen, dass man die Regelhüterei bei Olympischen Spielen bestimmt nicht irgendwelchen Amateuren überlassen werde: NHL-Profis, NHL-Schiedsrichter, NHL-Qualität, durchs Band. Offenbar sind sie dem Irrtum aufgesessen, dass ihre Refs keine Fehler machen, obwohl sie aus eigenen Erfahrungen wissen müssten, dass das nicht stimmt. Den Beweis dafür haben sie spätestens jetzt erhalten: Auch NHL-Schiedsrichter sehen zwischendurch vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.
Auch da wird nur mit Wasser gekocht
Das ist gut für jeden Ref, der kein NHL-Abzeichen auf der Brust spazieren führt. Schade, haben die Kanadier die Partie noch gedreht? Ansichtssache. Aber wären die ausgeschieden, hätte sich die NHL-Blase mit dem Messer zwischen den Zähnen die Schiedsrichter vorgeknöpft, nur, um dann festzustellen: Mist, dahinter stecken ja unsere eigenen Leute.
Das Fazit? In der NHL wird auch nur mit Wasser gekocht. Und bei der Akquise von Schiedsrichtern sollte man Menschen, die unter Zählzwang leiden, mindestens nicht ausschliessen.
