Die Olympia-Kritik zur Eishockey-Nati
Gewinner, Verlierer und ein grosses Rätsel, das bleibt

Ein Wunder wurde es nicht, aber der gute Eindruck bleibt hängen. Darf man die Verletzten beklagen? Man darf, Gopfvertelli. Aber was ist passiert und warum?
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Dino KesslerLeiter Eishockey-Ressort

Patrick Fischer

Man fragt sich nach dem Olympia-Auftritt der Nati: Warum geht dieser Trainer? Weil zehn Jahre grundsätzlich genug sind? Fischer hat bei diesem Test der Besten gegen die Besten das Beste rausgeholt – bis uns gegen die Finnen der Himmel auf den Kopf gefallen ist. Der Mann repräsentiert die Schweiz mit Charisma, Witz und – wenn nötig – mit der geforderten Knorrigkeit. Die nimmt man ihm ab, weil man ihm auch den Charme und den Enthusiasmus abkauft. In Mailand hat es nicht für eine Medaille gereicht, beim Schlussbouquet seiner Nati-Karriere anlässlich der Heim-Weltmeisterschaft im Mai darf er das gerne korrigieren.

Leonardo Genoni

Es braucht scheinbar das olympische Rahmenprogramm, damit auch die Nordamerikaner auf unser Nationalheiligtum aufmerksam werden. Warum er denn nie ein Thema für die NHL war, fragt ein Reporter aus der NHL-Blase: «Da müssen Sie in der NHL nachfragen», kontert der 38-Jährige trocken. Im Spiel der Spiele hält er seinen Kasten bis in die 54. Spielminute besenrein, dann kann auch er nichts mehr ausrichten.

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Patrick Fischer: Nach der Heim-Weltmeisterschaft ist Schluss. Geht er mit einer Medaille?
Foto: keystone-sda.ch

Timo Meier

Da wären einmal die Skorerwerte: Drei Tore, vier Assists. Der beste Punktesammler der Schweiz bei Olympia. Es kracht fast immer, wenn Meier auf dem Eis steht. Im Spiel gegen die Kanadier setzt er Superstar McDavid auf den Hosenboden, beim Sieg gegen die Tschechen räumt er (fast) alles weg, was sich ihm in den Weg stellt. «Der physische Aspekt ist wichtig, damit ich auf meine Top-Leistung komme», sagt Meier danach zu Blick. Macht Sinn.

Nino Niederreiter

Darf man Mitleid empfinden für einen NHL-Star? Muss man nicht, darf man aber. Tat fast weh, wie sich Nino übers Eis quälte, bemüht, fleissig, aber stets auf der Suche nach Wucht, Kontrolle und Durchsetzungsvermögen. Auch sein 2:0 gegen Finnland vermochte den Knoten nicht zu lösen, der Stürmer kam oft einen Schritt zu spät, hatte Mühe, die Pucks festzumachen und kam selbst mit Körpereinsatz auf keinen grünen Zweig. Bummer.

Philipp Kurashev

Es gab schon Turniere, da wurde Kurashev auf die Tribüne gesetzt. Als NHL-Stammkraft. In Mailand, frisch genesen von einer Handverletzung, hat sich der Sharks-Stürmer rehabilitiert. Die Aufgabe, Kevin Fialas Posten zu übernehmen, ist nicht nur dankbar, der Quervergleich ist wohl unfair, aber auch unvermeidlich. Nati-Coach Fischer sagte: «Philipp hat sich das verdient.» Kurashev ist nicht Fiala, aber er ist Kurashev. Und wie der gestrahlt hat nach seinem 1:0 gegen Italien? Sagt eigentlich alles.

Das Rätsel

Hätte man in der Schlussphase gegen Finnland konsequenter sein müssen? Vor der Glotze stehend holte man zum Befreiungsschlag aus, raus, raus mit dem Ding. Notfallbogenlampe? Gerne. Aber die bringen den Puck nicht raus, und dann schiesst Heiskanen auf den weiten Pfosten und Siegenthaler wird getroffen, obwohl der den Stock seines Gegenspielers Lehkonen ja eigentlich unter Kontrolle hat. Pech. Oder nicht genug dafür getan? Der Gegner bündelt die Kräfte, wenn er den Goalie vom Eis holt, und die Besten haben oftmals einen kühlen Kopf. Trotzdem. Warum haben die das Ding nicht rausgebracht?

Kevin Fiala und Denis Malgin

Verletzungen als Ausrede verwenden? Ist zwar verpönt, wird in der Not aber trotzdem immer wieder an den Mann gebracht. Weil Patrick Fischer würdevoll darauf verzichtete, holen wir das hier nach: Wenn Kevin Fiala und Denis Malgin ausfallen, ist das eine erhebliche Schwächung unserer Mannschaft, Gopfvertelli. Ersatz beschaffen? Geht bei diesen Turnieren nicht. Im Verbund hat man die Ausfälle einigermassen ausgebügelt, klar. Aber wer weiss, was mit Fiala und Malgin im Powerplay gegen die Finnen möglich gewesen wäre?

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