«Wir sehen doch aus wie Zwillinge»
Nati-Duo Andrighetto/Malgin über die WM, Familie und den ZSC

Sie sind unser Sturm-Traumduo, werden deshalb oft als Zwillinge bezeichnet. Dabei kennen sie sich noch gar nicht so lange wie man meinen könnte. Die genialen Nati- und ZSC-Sturmpartner Sven Andrighetto und Denis Malgin im persönlichen Doppel-Interview.
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Blick: Wann und wie haben Sie sich kennengelernt?
Denis Malgin: Im Sommer vor sechs oder sieben Jahren in Wetzikon ZH beim Eistraining. Oder?
Sven Andrighetto: War dies das erste Mal?
Malgin: Ich habe dich vorher nicht gekannt.
Andrighetto: Du warst 2017 an der WM, aber da war ich nicht dabei – und danach du nicht. Ja, das wird so gewesen sein.
Malgin: Es war ein Skills-Training in Wetzikon, da musste ich dir Skills zeigen (Andrighetto lacht).

Denis Malgin (l.) und Sven Andrighetto in Jubelpose – sowohl in der Nati ...
Foto: Nico Ilic/freshfocus


Es ist speziell, dass Sie sich erst so spät kennengelernt haben, obwohl Sie beide bei der ZSC-Organisation gross geworden sind.
Andrighetto: Mittlerweile ist das doch schon einige Jahre her. Die Zeit läuft. Wir waren bis zu diesem Zeitpunkt eben immer an unterschiedlichen Orten und auch nie gemeinsam bei der Nati.
Malgin: Und in der ersten gemeinsamen Saison beim ZSC 2021/22: Haben wir da in der gleichen Linie gespielt?
Andrighetto: Nicht immer.
Malgin: Stimmt, du hast da mehrheitlich neben Garrett Roe gespielt. Erst in den Playoffs haben wir dann, so glaube ich, zusammengespielt. Gemeinsam mit Denis Hollenstein.

Wie haben Sie diese beeindruckende Chemie zwischen Ihnen auf dem Eis hingekriegt?
Andrighetto: Wir haben jetzt über eine Zeit gesprochen, die länger zurückliegt. Denis ging nach unserer ersten gemeinsamen Saison beim ZSC dann nochmals für eine Saison in die NHL. Aber nach seiner Rückkehr haben wir oft zusammengespielt. Sei es im Klub oder in der Nati. Und je mehr man zusammenspielt, desto mehr weiss man, wie der andere in der jeweiligen Situation reagiert. Wir besprechen uns auch oft auf der Bank, passen Details an. Wir können beide das Spiel gut lesen, in den Abschluss gehen oder auch Pässe spielen.
Malgin: Das ist es. Wir sehen gemeinsam das Spiel und können dadurch oft noch den Extrapass spielen.

... als auch bei den ZSC Lions ein gewohntes Bild.
Foto: keystone-sda.ch

Wie viel Zeit verbringen Sie privat miteinander?
Andrighetto: Wir haben beide Familie, diese rückt neben dem Eishockey in den Vordergrund. Das soll auch so sein. Aber wenn wir in der Eishalle sind, haben wir es sehr gut zusammen.
Malgin: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, egal ob in der Eishalle oder ausserhalb. Aber er hat recht, neben dem Eishockey bleibt nicht mehr so viel Zeit für gemeinsame Aktivitäten. Wir sehen uns ja praktisch jeden Tag in der Eishalle.

Ihre besten Freunde innerhalb der ZSC Lions sind aber andere. Sven Andrighetto, Sie sind beispielsweise mit Christian Marti sehr nah.
Andrighetto: Auch dadurch, dass ich Götti seines Sohnes bin. Aber innerhalb der Mannschaft haben es auch Denis und ich sehr gut miteinander. Wir können stets über alles reden, nicht nur über Eishockey. Das schätze ich sehr. Wir sitzen in der Garderobe auch fast nebeneinander, sind nur durch einen Zwischenplatz getrennt.

Sven Andrighetto persönlich

Sven Andrighetto (33) erlernte das Hockey-Abc zunächst beim EHC Dübendorf und wechselte mit 13 in die Nachwuchsabteilung der ZSC-Organisation. Als 17-Jähriger spielte er seine erste Saison für die GCK Lions in der NLB, wagte danach aber den Sprung nach Nordamerika. Über die Juniorenliga QMJHL und die AHL schaffte es der Drittrunden-Draft der Montréal Canadiens in die NHL. Für Montréal und Colorado absolvierte er 227-NHL-Spiele, ehe er 2020, nach einem Jahr in der KHL bei Omsk, als Leaderfigur in die ZSC-Organisation zurückkehrte und bei den Meistertiteln 2024 und 2025 sowie dem Champions-League-Triumph eine der Schlüsselfiguren war. Auch in der Nati gehört er zu den Eckpfeilern, bestreitet aktuell sein siebtes WM-Turnier und war an den Olympischen Spielen 2022 und 2026 mit von der Partie.

Sven Andrighetto (33) erlernte das Hockey-Abc zunächst beim EHC Dübendorf und wechselte mit 13 in die Nachwuchsabteilung der ZSC-Organisation. Als 17-Jähriger spielte er seine erste Saison für die GCK Lions in der NLB, wagte danach aber den Sprung nach Nordamerika. Über die Juniorenliga QMJHL und die AHL schaffte es der Drittrunden-Draft der Montréal Canadiens in die NHL. Für Montréal und Colorado absolvierte er 227-NHL-Spiele, ehe er 2020, nach einem Jahr in der KHL bei Omsk, als Leaderfigur in die ZSC-Organisation zurückkehrte und bei den Meistertiteln 2024 und 2025 sowie dem Champions-League-Triumph eine der Schlüsselfiguren war. Auch in der Nati gehört er zu den Eckpfeilern, bestreitet aktuell sein siebtes WM-Turnier und war an den Olympischen Spielen 2022 und 2026 mit von der Partie.

Wäre es für Sie vorstellbar, dass eine solche Harmonie auf dem Eis auch zwischen zwei Spielern möglich wäre, die sich persönlich nicht mögen?
Andrighetto: Möglich wäre das vielleicht schon, aber auf jeden Fall schwieriger. Es hilft natürlich, wenn man auch neben dem Eis eine gute Verbindung zueinander hat, das widerspiegelt sich auf dem Eis.
Malgin: Wir respektieren uns sehr, und ich weiss mittlerweile auch, wie er als Mensch ist. Dadurch weiss ich auch, wie ich in gewissen Situationen gegenüber ihm reagiere. Ich denke, das ist auch sehr wichtig.

Denis Malgin (l.) und Sven Andrighetto beim Doppel-Interview mit Blick im Nati-Hotel Mercure Zürich City.
Foto: Marcel Allemann

Anspruchsvoll ist es jeweils, den dritten Stürmer, der zu Ihnen passt, zu finden.
Andrighetto: Wieso soll das anspruchsvoll sein? Das ist das Einfachste, was es gibt! Man kann uns irgendjemanden geben, und es läuft.

Aber es gab viele Wechsel neben Ihnen, sowohl im Klub als auch in der Nati.
Andrighetto: Beim ZSC war oft Rudolfs Balcers unser Partner, aber er war diese Saison lange verletzt.

In der Nati haben Sie die WM mit Pius Suter begonnen, dann kam Théo Rochette und zuletzt Calvin Thürkauf.
Malgin: Wegen der Verletzung von Pius mussten Anpassungen vorgenommen werden.
Andrighetto: Dann kam Théo zu uns und skorte sogleich, und später kam Calvin und skorte ebenfalls sofort.
Malgin: Entscheidend ist, dass jene, die mit uns spielen, sich selbst bleiben und sich nicht verstellen. Sie sollen genauso wie wir mit Selbstbewusstsein ihr Spiel spielen und dürfen keineswegs das Gefühl haben, dass sie den Puck ständig an uns abgeben müssen.
Andrighetto: So etwas erwarten wir in keiner Weise, niemand muss sich uns anpassen.
Malgin: Genau.
Andrighetto: Rochette und Thürkauf sind beispielsweise unterschiedliche Spielertypen. Aber es funktioniert mit beiden. In der Nati kann sowieso jeder mit jedem spielen, das sind alles Weltklasse-Spieler, und dann spielt es auch keine Rolle, wer neben uns spielt.

Denis Malgin persönlich

Denis Malgin (29) ist in Olten aufgewachsen, spielte als Junior auch für Biel, ehe er mit 13 in die Nachwuchsabteilung der ZSC Lions wechselte. Mit 17 debütierte der Sohn des russischen Stürmers Albert Malgin (59), der 1993 als Ausländer des EHC Chur in die Schweiz gekommen ist, in der NLA. Während vier Saisons spielte Denis Malgin in der NHL, von 2017 bis 2020 bei Florida und Toronto, in der Saison 2022/23 für Toronto und Colorado. Insgesamt kommt er auf 267 NHL-Spiele. Seit seiner Rückkehr ist er als Spektakelmacher der ZSC Lions in unserer Liga zu bewundern, feierte mit den Zürchern zwei Meistertitel (2024, 2025) und 2025 den Champions-League-Triumph. Mit der Nati bestreitet er aktuell seine fünfte WM, 2025 holte er Silber.

Denis Malgin (29) ist in Olten aufgewachsen, spielte als Junior auch für Biel, ehe er mit 13 in die Nachwuchsabteilung der ZSC Lions wechselte. Mit 17 debütierte der Sohn des russischen Stürmers Albert Malgin (59), der 1993 als Ausländer des EHC Chur in die Schweiz gekommen ist, in der NLA. Während vier Saisons spielte Denis Malgin in der NHL, von 2017 bis 2020 bei Florida und Toronto, in der Saison 2022/23 für Toronto und Colorado. Insgesamt kommt er auf 267 NHL-Spiele. Seit seiner Rückkehr ist er als Spektakelmacher der ZSC Lions in unserer Liga zu bewundern, feierte mit den Zürchern zwei Meistertitel (2024, 2025) und 2025 den Champions-League-Triumph. Mit der Nati bestreitet er aktuell seine fünfte WM, 2025 holte er Silber.

Die Gegner versuchen, sich immer besser auf Ihr Spiel einzustellen, um Ihre Spielzüge zu unterbinden. Bedeutet dies, dass Sie diese ständig weiterentwickeln müssen?
Andrighetto: Das ist so, und das ist auch eine Herausforderung. Man muss ständig neue Wege finden, um Erfolg haben zu können. Wenn du dich da nicht veränderst, bleibst du stehen und dies endet im Rückschritt. Ich habe das Glück, dass ich Denis an meiner Seite habe, der einerseits ein unglaublicher Einzelspieler ist, aber auch all seine Mitspieler besser macht.
Malgin: Wir trainieren jeden Tag zusammen dafür, dass wir besser werden, befassen uns da jeweils auch mit Details. Ich glaube, wenn wir beide in Topverfassung sind, wird es schwierig, uns zu stoppen. Und es ist unser Anspruch, dass wir immer top sein wollen. Aber es macht einfach auch Spass, einen neben sich zu haben, der das Spiel gleich sieht wie du selbst.

Andrighetto schüttelt den Ungarn Bence Stipsicz ab.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

Wie ist das für Sie, wenn einer von Ihnen ausfällt, was gerade diese Saison beim ZSC öfters vorgekommen ist? Ein Stimmungskiller?
Malgin: Manchmal (lacht). Logisch fehlt er dann, aber wir haben noch 23 andere Spieler und geben deswegen nicht auf.
Andrighetto: Wir machen einander besser, wenn wir miteinander sind, und es ist auch kein Geheimnis, dass wir gerne zusammen spielen. Aber das lässt sich für uns nicht kontrollieren, wir wurden auch schon getrennt, ohne dass einer von uns gefehlt hat. Wenn wir nicht miteinander spielen, wollen wir trotzdem das Beste daraus machen und der Mannschaft helfen, das Spiel zu gewinnen. Es ist auch nicht so, dass wir motzen, wenn uns der Trainer mal auseinandernimmt.

Grundsätzlich ist es aber eine schlechte Idee, Sie zu trennen.
Andrighetto: Da müssen Sie die Trainer fragen.
Malgin: Es kommt vielleicht jeweils mal für ein Spiel vor, dann bringen sie uns wieder zusammen.
Andrighetto: Spätestens, wenn sie ein Tor brauchen (beide lachen).

Malgin läuft mit Tempo seinen Gegenspielern davon.
Foto: Pascal Muller/freshfocus


Durch die vielen Erfolge Seite an Seite werden Sie mittlerweile auch international überall als Zwillinge bezeichnet. Wie hört sich das für Sie an?
Malgin: Wir sehen doch auch so aus wie Zwillinge (beide lachen).
Andrighetto: Ich kann mit dieser Bezeichnung gut leben.
Malgin: Ich genauso, er ist mein Bruder.

Noch näher dran an der Schweizer Hockey-Nati

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Eishockey-WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
7
32
21
2
Finnland
Finnland
7
20
18
3
Lettland
Lettland
7
7
12
4
USA
USA
7
4
11
5
Deutschland
Deutschland
7
1
10
6
Österreich
Österreich
7
-12
9
7
Ungarn
Ungarn
7
-24
3
8
Großbritannien
Großbritannien
7
-28
0
Playoffs
Abstieg
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
7
20
20
2
Norwegen
Norwegen
7
11
15
3
Tschechische Republik
Tschechische Republik
7
2
13
4
Schweden
Schweden
7
11
12
5
Slowakei
Slowakei
7
2
11
6
Dänemark
Dänemark
7
-11
6
7
Slowenien
Slowenien
7
-12
6
8
Italien
Italien
7
-23
1
Playoffs
Abstieg
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