Darum gehts
- Der CAS lässt Russland per sofort an Eishockey-WMs zu
- Finnland, Schweden, Tschechien und Lettland drohen mit Boykott
- Der WM droht Spielplanchaos; Swiss Ice Hockey wartet ab
Russland darf wieder an einer Eishockey-Weltmeisterschaften teilnehmen! Ganz überraschend ist das einstimmige Urteil der drei Richter des internationalen Sportgerichtshofs (CAS) in Lausanne nicht. Schliesslich hatte schon das Internationale Olympische Kommittee im Mai die Türe für die Rückkehr von russischen Athleten und Teams geöffnet – obwohl der Krieg gegen die Ukraine weitertobt. Dass der Ausschluss der Russen aber per sofort aufgehoben wird, überrumpelt den Internationalen Eishockey-Verband (IIHF). Bereits an der U20-WM nach Weihnachten in Kanada sollen sie erstmals wieder dabei sein.
Die IIHF hat sich dies allerdings mit ihrer Feigheit selbst eingebrockt, weil sie die Russen aus Kalkül nicht aus ethischen Gründen, sondern aufgrund von Sicherheitsbedenken seit 2022 aus dem Verkehr gezogen hatte. Das CAS sah es aber nicht als bewiesen, dass von der Teilnahme der Russen so grosse Gefahr ausgeht, die einen Ausschluss rechtfertigen würde. Dies hatte davor bereits die Disziplinarkommission der IIHF befunden. Obwohl in Deutschland, wo die nächste Männer-WM stattfindet, 1,35 Millionen geflüchtete Ukrainer leben.
Vor allem die drei grossen Hockey-Nationen Finnland, Schweden und Tschechien sowie Lettland hatten sich stets dezidiert gegen die Rückkehr des Putin-Staates ausgesprochen und bei einer Rückkehr der Russen mit Boykott gedroht.
In Schweden wird ein Boykott diskutiert
Man analysiere die CAS-Entscheidung derzeit eingehend, lässt der tschechische Verband verlauten. Die Position bleibe aber durch die CAS-Entscheidung unverändert. «Wir lehnen die Teilnahme Russlands an IIHF-Turnieren während des Krieges in der Ukraine ab», so Generalsekretär Jan Cerny.
Auch für den finnischen Verband bleibt der Entscheid «unverständlich». Er verurteile «Russlands Angriffskrieg in der Ukraine aufs Schärfste». «Unserer Meinung nach gibt es unter den gegebenen Umständen keine Voraussetzungen für die Teilnahme Russlands oder Weissrusslands an internationalen Eishockeywettbewerben», so Verbandspräsident Heikki Hietanen. «Der finnische Eishockey-Verband verpflichtet sich, die Entscheidungen der IIHF zu befolgen. Er zwingt jedoch keinen Spieler oder Funktionär zur Teilnahme an einem Turnier, an dem Russland oder Weissrussland beteiligt sind. Wir verstehen und unterstützen diejenigen, die nicht an solchen Wettbewerben teilnehmen wollen.»
In Schweden sind bereits Boykott-Diskussionen in Gang, wobei Verbandspräsident Anders Larsson sagt: «Die Haltung des schwedischen Sports ist es, nicht zu boykottieren.» In Lettland ist es gemäss «NZZ» gesetzlich verboten, sich mit russischen Teams zu messen.
Chaos ist programmiert
Der Entscheid des CAS ist für die IIHF bindend. Chaos ist programmiert. Der Spielplan steht und Tickets sind längst im Umlauf.
Welche Szenarien gibt es im Hinblick auf die WM in Düsseldorf und Mannheim? Bei der U18-WM, als man Weissrussland wieder integrieren musste, entschied die IIHF, dass mit der Schweiz der einzige sportliche Aufsteiger in die Röhre gucken muss. Würde man bei der WM gleich entscheiden, müsste ausgerechnet die Ukraine, der schlechtere der beiden Aufsteiger, über die Klinge springen. Der Image-Schaden wäre grenzenlos. Da wäre es wohl einfacher, die Ukraine und Kasachstan ein WM-Playoff spielen zu lassen – oder das Teilnehmerfeld aufzustocken. Unter der Voraussetzung, dass es keinen Boykott gibt.
Es gibt noch ein weiteres Szenario: Die Gastgeberländer könnten den Russen die Einreise verweigern oder der Organisator die Verantwortung ablehnen. Frank Lutz, CEO des Deutschen Eishockey-Bundes, teilte am Freitag mit, dass man die Rückkehr Russlands «strikt ablehne». Eine Zulassung Russlands zu den Welttitelkämpfen habe «erhebliche sicherheitsrelevante, politische und wirtschaftliche Folgen» für das Turnier.
Und was sagt man beim Schweizer Verband zum Entscheid? «Swiss Ice Hockey hat den Entscheid des Internationalen Sportgerichtshofs CAS zur Wiederzulassung russischer Nationalteams zu den internationalen Wettbewerben zur Kenntnis genommen», heisst es auf Anfrage von Blick in einem Statement. Die weiteren Schritte zur Umsetzung des Urteils liegen nun in der Zuständigkeit des Internationalen Eishockeyverbands IIHF. Als einer von 16 teilnehmenden Verbänden an der Weltmeisterschaft wird Swiss Ice Hockey die weiteren Entwicklungen aufmerksam verfolgen und die Entscheidungen der IIHF abwarten.»
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