Darum gehts
Sowohl im entscheidenden Meisterschaftsspiel um die Play-In-Qualifikation am letzten Samstag gegen die SCL Tigers (5:1), als auch beim Play-In-Hinspiel am Donnerstag gegen Bern (4:3) – der auffälligste Spieler auf dem Eis ist Mark Sever (21). Gegen Langnau glänzt er als Vorbereiter von zwei Toren, dem SCB setzt er mit einem Doppelpack zu. Auch dazwischen, am Montag bei der 2:5-Niederlage in Davos, gelingt dem jungen Stürmer ein Treffer.
«Ich habe Mitspieler, mit denen es einfach ist zu spielen, da sie über viel Qualität verfügen. Ich geniesse das und versuche, der Mannschaft so gut wie möglich zu helfen», sagt er zu seinem Hoch. Sever fällt durch seine Gefährlichkeit vor dem Tor, seine Wendigkeit und vor allem seine Schnelligkeit auf.
Im Alter von 14 von Ljubljana nach Kloten
«Wenn ich beginne, die Beine zu bewegen, kann ich den Schwung gut mitnehmen», erklärt er. Dass er im Vergleich zu vielen Mitstreitern viel rasanter unterwegs ist, spüre er im Spiel nicht wirklich, «aber ich sehe jeweils in der Videoanalyse, dass ich den einen oder anderen überlaufen habe». Und wie wird man so schnell auf den Schlittschuhen? Sever mit einem Lächeln: «Durch viel Training. Anders geht es nicht – man wird nicht so geboren.»
Aufgewachsen ist Mark Sever in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Als Bub ist er polysportiv unterwegs, spielt wie sein Vater Tennis, dieser war im früheren Jugoslawien nationaler Juniorenchampion. Dazu neben dem Eishockey auch noch Fussball. Sein Hockey-Talent wird aber rasch augenfällig, er gehört zu einer starken Gruppe von jungen Slowenen mit Jahrgang 2005, die grosse Ziele hat. Einige von ihnen verschlägt es nach Schweden, andere nach Kanada, Sever im Alter von 14 Jahren nach Kloten. Dort durchläuft er alle Junioren-Stufen und wird 2023/24 in der U20-Elit Liga-Topskorer.
Kloten will nicht, Biel schlägt zu
Der damalige Kloten-Sportchef Larry Mitchell hat aber keine Verwendung für den quirligen und torgefährlichen Stürmer. Stattdessen greift Biel-Sportchef Martin Steinegger zu, gibt Sever ab der Saison 2024/25 einen Dreijahresvertrag mit der Idee, ihn zur Weiterentwicklung zunächst ein Jahr zu Partnerteam Olten in die Swiss League zu geben. Der perfekt Schweizerdeutsch sprechende Slowene muss sich dann aber anderthalb Saisons gedulden, ehe er sich bei Biel wirklich zeigen kann.
«Ab und zu hatte ich die Geduld schon verloren und habe mir zu viele Gedanken gemacht, was nicht stimmt», gibt Sever offen zu. Inzwischen kann er jedoch gut damit leben, wie es für ihn gelaufen ist: «Es ist gut herausgekommen und ich bin froh, dass ich länger in der Swiss League gespielt habe, davon konnte ich profitieren. Auch wurde mein Hunger auf Biel dadurch noch grösser.» Sein Selbstvertrauen habe er nie verloren: «Ich wusste schon immer, was ich kann. Jetzt habe ich meine Chance bekommen und der Trainer schenkt mir viel Vertrauen.»
Letztes Jahr den WM-Cut verpasst
Mit seinem Durchbruch bei Biel hat Sever allerdings erst eines von zwei persönlichen Saisonzielen erreicht. Das zweite ist es, im Mai bei der slowenischen Nati zum WM-Kader zu gehören: «Letzte Saison schaffte ich den Cut nach der WM-Vorbereitung nicht, dieses Jahr möchte ich unbedingt dabei sein. Vor allem auch, weil die WM in der Schweiz ist – unsere Gruppe spielt in Fribourg.» Severs Einschätzung der Lage: «Ich rechne mir bessere Chancen aus als vor einem Jahr, aber ich muss in der WM-Vorbereitung gut spielen.»
Doch das ist Zukunftsmusik. Severs ganzer Fokus liegt momentan auf dem EHC Biel: «Ich möchte, dass wir in die Playoffs kommen und etwas erreichen.» Dass am Donnerstag beim Play-In-Hinspiel gegen Bern eine 4:1-Führung aus der Hand gegeben wurde und am Ende lediglich ein knapper 4:3-Sieg heraussprang, bezeichnet Sever als «nicht optimal». Er sagt aber auch: «Wenn man uns vor dem Match angeboten hätte, mit 4:3 zu gewinnen, hätten wir das unterschrieben.»
«Spielen, als würde es 0:0 stehen»
Durch das enge Resultat ist die Spannung für das Rückspiel am Samstag in Bern gross. «Wir müssen so spielen, als würde es 0:0 stehen», findet Sever. Er gehört zu den Bieler Hoffnungsträgern. Mit seinen schnellen Beinen und seiner Wendigkeit kann Sever die zuweilen etwas behäbig wirkende SCB-Verteidigung bei jedem Einsatz stressen.
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