Darum gehts
- Rudolfs Balcers führt Lettland als Captain bei der WM in Zürich an
- Teamkollege Andrighetto kehrte nach Gehirnerschütterung zurück, spielt gegen Balcers' Lettland
- Lettland ohne NHL-Stars: Ziel bleibt Viertelfinal, erstes Spiel am Samstag
Beim Gespräch mit Blick strahlt Rudolfs Balcers (29): «Es ist schön, zurück zu sein. Die haben hier in Zürich einen fantastischen Job für die WM gemacht, alle bei uns im Team sind sehr zufrieden mit den Gegebenheiten.» Für den lettischen Stürmer der ZSC Lions wird es speziell, in seinem Klub-Heimstadion eine WM zu spielen. Noch spezieller macht es dies, weil er Lettland erstmals als Captain anführt: «Es ist immer schön, das eigene Land zu repräsentieren – jetzt auch Captain zu sein, ist eine grosse Ehre. Für mich ist es eine neue Rolle mit mehr Verantwortung.»
Eine unbeabsichtigte Rolle spielte Balcers in den vergangenen Playoffs der National League. Als er und Teamkollege Sven Andrighetto (33) sich im dritten Viertelfinalspiel gegen Lugano ungebremst gegenseitig über den Haufen fuhren. Während Balcers den Vorfall unbeschadet überstand, fiel Andrighetto für den Rest der Playoffs mit einer Gehirnerschütterung aus. Auch die Teilnahme des ZSC-Leitwolfs an der WM hing an einem seidenen Faden. Erst im letzten Spiel der WM-Vorbereitung am Sonntag gegen Tschechien (6:1) gab Andrighetto sein Comeback und erhielt anschliessend grünes Licht für das Heimturnier. Wo er dann mit einem Tor und einem Assist beim traumhaften 3:1-Startsieg gegen die USA sogleich der Matchwinner war.
«Ich will ihm nicht wehtun»
«Es freut mich, dass er zurück ist. Das sind gute Neuigkeiten für die Schweiz», sagt Balcers. Er habe Andrighettos Rückkehr letzte Woche aus der Ferne mitbekommen, am Donnerstag in Zürich auch kurz mit ihm gesprochen und sich dabei selbst ein Bild davon machen können, dass es ihm wieder gut gehe: «Als er sich bei unserem Zusammenstoss verletzte, habe ich mich schlecht gefühlt. Es war wirklich eine blöde Situation.» Andrighetto habe dem Team in den Playoff-Halbfinals gegen Davos (1:4-Out) enorm gefehlt: «Jeder weiss, wie wichtig er für den ZSC ist. Vielleicht hätten wir mit ihm den Final erreicht.»
Am Samstag werden sich Balcers und Andrighetto auch auf dem Eis wiedersehen. Bei Schweiz – Lettland allerdings als Gegner. Wird er ihn erneut über den Haufen fahren, dieses Mal gewollt? «Ich werde bestimmt nicht versuchen, ihm wehzutun», verspricht Balcers zwar, sagt aber auch: «Eishockey ist ein körperbetontes Spiel, und wir werden hart spielen.»
Duell gegen die Schweiz als Standortbestimmung
Diese Mentalität soll die Letten durch das Turnier tragen, allein mit spielerischer Qualität lässt sich an dieser WM kaum viel erreichen. Nationaltrainer Haris Witolinsch (58) musste mit zahlreichen Absagen umgehen; abgesehen von Sandis Vilmanis (22), der diese Saison zwischen der NHL (Florida) und AHL (Charlotte) hin und her pendelte, steht kein NHL-Spieler zur Verfügung. «Wir haben zahlreiche junge Spieler dabei, die ihre erste WM bestreiten. Aber wir werden ein schnelles, körperbetontes Hockey spielen und kein einfacher Gegner sein», kündigt Balcers an.
Die Partie am Samstagabend gegen die Schweiz wird für die Letten das erste Spiel an dieser WM sein. «Dieses wird zwar schwierig, aber ist für uns eine gute Standortbestimmung», findet Balcers. Auf Prognosen, wozu Lettland an dieser WM fähig sein wird, will sich der seit 2023 für den ZSC spielende Stürmer nicht einlassen: «Wir nehmen Spiel für Spiel und schauen dann, wie weit es geht. Aber natürlich ist es das Ziel, die Viertelfinals zu erreichen.»

