Ultimatum abgelaufen – «Gisi»-Besetzer geben sich kämpferisch
«Nur die Besitzerin will im Moment Gewalt ausüben»

Nach 29 Jahren droht den Hausbesetzern der «Gisi» in Winterthur das Aus. Die Eigentümerstiftung SKKG hat ein Ultimatum zur Räumung gestellt. Bewohner wehren sich mit Protest und werfen der Stiftung Profitgier vor. Kommt es nun zur Räumung mit Gewalt?
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Die «Gisi», ein Haus mitten in Winterthur ZH, ist das wohl am längsten besetzte Haus der Schweiz.
Foto: Sebastian Babic

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die «Gisi» in Winterthur soll nach 29 Jahren geräumt werden
  • Eigentümerin begründet Räumung mit Brandschutzmängeln und Vernachlässigung der Immobilie
  • Ultimatum endete am 31. Juli; Besetzer planen weiteren Widerstand
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Sebastian BabicReporter Blick

Einer der am längsten andauernden Hausbesetzungen der Schweiz droht das endgültige Aus. Die «Gisi» an der General-Guisan-Strasse in Winterthur ZH wurde im Januar 1997 von Autonomen besetzt und seither von diesen bewohnt.

Die Eigentümerin hat nach fast 30 Jahren aber genug. Nach erfolglosen Verhandlungen mit den Besetzern lief am Freitag ein Ultimatum aus, das fordert, dass das Haus geräumt werden müsse.

Die Bewohner der «Gisi» reagieren mit einer Solidaritätsveranstaltung und einer denkwürdigen Pressekonferenz zwischen Perücken, verrammelten Fenstern, Masken und Megafonen.

In den 90er-Jahren sucht die Autonomenszene nach neuen Unterschlupfen. Einen findet sie in Winterthur, wo ein Haus an bester Innenstadtlage seit längerem leer steht – heute: die «Gisi».

Der Eigentümer: Bruno Stefanini. Eine schillernder Winterthurer Persönlichkeit: Immobilienmogul, Kunstsammler, Milliardär. Bekannt dafür mit seinen erworbenen Immobilien günstigen Wohnraum bereitzustellen, diesen aber nicht unbedingt unterhalten zu wollen – bis heute gilt er als ein «Winterthurer Original».

Eigentümer duldet Besetzung Jahrzehnte lang

Stefanini duldet die ungebetenen Gäste in seinem Haus einige Jahre lang. Als es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Skinheads und den Besetzern kommt, verliert Stefanini die Geduld und konfrontiert die Besetzer, nachdem diese ihn öffentlich kritisiert hatten. Doch: Die Besetzer dürfen bleiben.

Bis ins Jahr 2018 werden sie weiterhin toleriert. Als Bruno Stefanini stirbt, ändert sich das allmählich. Die Stiftung des Besitzers, die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG), geht in die Hände seiner Tochter Bettina Stefanini über. Die Stiftung sagt bereits 2023, dass das Haus geräumt werden müsse. Die Gründe: Sanierungsbedarf, Lärmklagen und verlotternde Bausubstanz.

Es dauert weitere drei Jahre, bis die SKKG die Reissleine zieht. Im Juni 2026 wird die Nutzung untersagt, denn: Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana VS kommen nun auch noch Bedenken zur feuerpolizeilichen Sicherheit hinzu. Die Folge: Bis Freitag müssen die Besetzer raus aus der «Gisi». 

Denkwürdige Pressekonferenz

Die Bewohner denken aber nicht daran, das Feld zu räumen, und laden zur Pressekonferenz.

Zwei Personen, die sich Peter und Maria nennen und Perücken und Sonnenbrillen tragen, nehmen an einem Tisch im Hinterhof der «Gisi» Platz. Wer sie sind, ist nicht klar. Hinter ihnen: Banner mit Parolen, Graffiti, mit Schalungsplatten verrammelte Fenster und Stacheln aus Blech. Aus den oberen Stöcken blicken Menschen, verkleidet mit Fuchs- und Skimasken, und beobachten die angekommenen Medienvertreter.

Die SKKG sei nur auf Profit aus, sagen sie: «Das Haus soll total saniert werden. Wie hoch die Mieten nach der Sanierung sein werden, wird aber nicht kommuniziert.» Zwei Beispiele in Winterthur würden zeigen, dass die Mieten nach solchen Sanierungen exponentiell ansteigen würden. Die feuerpolizeilichen Massnahmen nach Crans-Montana seien zudem ihrerseits umgesetzt worden, so die Besetzer.

Stiftung erklärt sich

Die Terresta AG, Verwalterin der Stefanini-Immobilien, schreibt auf Anfrage von Blick: «Vor drei Jahren wurde klar kommuniziert, dass wir die Liegenschaft sanieren wollen.» Es gehe dabei in erster Linie um Haftungs- und Brandschutzfragen. «Die Besetzer sind auf unsere wiederholten Forderungen nicht eingegangen, weshalb die Nutzung der gesamten Liegenschaft für alle Zwecke ab 1. Juni 2026 untersagt wurde», schreibt die Stiftung. Diese Frist wurde bis zum 31. Juli verlängert: «Jetzt behalten wir uns vor, Anzeige zu erstatten wegen Hausfriedensbruch. Das ist eine Voraussetzung, um später die polizeiliche Räumung beantragen zu können.»

Wie Blick weiss, wird die Anzeige spätestens am kommenden Montag eingereicht. «Danach entscheidet die Stadtpolizei Winterthur, wann geräumt wird», schreibt die Terresta AG.

Das aber könnte kompliziert werden. Die Besetzer werden nicht konkret, doch eine gewalttätige Auseinandersetzung mit der Polizei scheint im Rahmen des Möglichen. Auf Nachfrage, wie man auf eine Räumung reagieren würde, sagen die Besetzer: «Nur die Besitzerin will im Moment Gewalt, mithilfe der Polizei, ausüben.»

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