Tierquälerei-Fall im Zürcher Unterland
Veterinäramt liess 45 Katzen acht Monate lang leiden

Das Zürcher Veterinäramt soll von unhaltbaren Zuständen in einem Messie-Haushalt gewusst haben – jedoch acht Monate untätig geblieben sein. Die Tierschutzorganisation NetAP hat eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht und Strafanzeige erstattet.
Kommentieren
1/2
«Das Leiden der Tiere hätte verhindert werden können, wenn das Amt rechtzeitig gehandelt hätte», sagt Esther Geisser, Präsidentin von NetAP.
Foto: Network for Animal Protection/NetAP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Zürich wurden 45 vernachlässigte Tiere in einem Haus entdeckt
  • Seit August 2025 starben mindestens 30 Katzenwelpen wegen schlechter Bedingungen
  • NetAP reichte Strafanzeige ein, Veterinäramt reagierte erst nach acht Monaten
lukas_lippert_1.jpg
Lukas Lippert
Beobachter

Die Zustände schockierten selbst die erfahrene Tierschützerin Esther Geisser, Präsidentin und Gründerin der Organisation Network for Animal Protection (NetAP). Ihr Team war Anfang Mai vor Ort. «Es war einfach nur krass», sagt sie.

Das Einfamilienhaus in einer kleinen Gemeinde im Zürcher Unterland sei zugemüllt und verdreckt gewesen. Die Fäkalien bildeten auf der Terrasse eine regelrechte Schicht. In diesen chaotischen Verhältnissen fand man am Ende rund 45 Katzen vor, darunter 21 Katzenjunge. Daneben auch noch einen Hund, zwei Meerschweinchen und zwei Kaninchen.

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

Probieren Sie die Mobile-App aus!

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

Probieren Sie die Mobile-App aus!

Die Tiere seien nicht nur verdreckt gewesen, sondern auch schlecht genährt und veterinärmedizinisch nicht versorgt, sagt Geisser. «Die Tierhalter sind offensichtlich komplett überfordert.» Sie hätten nicht einmal gewusst, wie viele Katzen sie besitzen. Sie sagten laut Geisser nur: «Es sterben immer wieder Junge. Das ist doch völlig normal.»

NetAP liess die Katzen auf eigene Kosten untersuchen und kastrieren. Dabei stellte sich heraus, dass die Tiere auch massiv von Parasiten befallen waren. Die Tierschutzorganisation schätzt, dass aufgrund dieser Verhältnisse seit letztem August mindestens 30 Katzenwelpen gestorben sein müssen.

NetAP hat nun Strafanzeige gegen die Tierhalter erstattet – wegen mehrfacher Tierquälerei durch «unkontrollierte Vermehrung und Vernachlässigung der Katzen und anderer Tiere».

Und man erhebt schwere Vorwürfe gegen das Zürcher Veterinäramt: «Die toten Katzen und das Leiden der Tiere hätten verhindert werden können, wenn das Amt rechtzeitig gehandelt hätte», sagt Geisser. Bereits im August 2025 seien Meldungen über die Missstände eingegangen.

Das steht in der Aufsichtsbeschwerde, die die Tierschutzorganisation Mitte Mai bei der Zürcher Gesundheitsdirektion eingereicht hat. Eine Nachbarin hat demnach damals einen toten Katzenwelpen auf dem Vorplatz des Hauses gefunden und die Polizei alarmiert. Die ehemalige Sachbearbeiterin der Fachstelle Tierschutzdelikte der Stadtpolizei Zürich leitete die Meldung an das Veterinäramt weiter. Ein Werkhofmitarbeiter der Gemeinde hatte laut Aufsichtsbeschwerde ausgesagt, dass in dem Haus «viele krank wirkende Katzen» lebten.

Auch der Zürcher Tierschutz meldete den Fall im August dem Veterinäramt. Die Organisation vermutete sogenanntes Animal-Hoarding, also das krankhafte Sammeln von Tieren. Die Tierhalterin erklärte damals gegenüber dem Tierschutz, sie halte die Katzen, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. Sie gab zu, dass die Tiere nie einen Tierarzt gesehen hatten, weder kastriert noch geimpft oder entwurmt waren.

Das Phänomen Animal-Hoarding wurde Ende letzten Jahres einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als im solothurnischen Ramiswil 120 Hunde auf einem Hof eingeschläfert werden mussten. Betroffene erkennen weder den schlechten Zustand der Tiere noch ihre eigene Überforderung und können die Tiere nicht mehr angemessen versorgen.

Veterinäramt bestreitet Darstellung

Warum das Zürcher Veterinäramt trotz diesen Meldungen nicht reagierte, ist unklar. Erst Mitte Mai, nachdem auch NetAP Alarm geschlagen hatte, kontrollierte das Amt die Tierhalter. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als acht Monate seit den ersten Hinweisen vergangen. Noch Anfang Mai hatte das Veterinäramt eine telefonische Meldung von NetAP negativ beantwortet – aus «Datenschutzgründen» könne man weder Auskunft erteilen noch zusammenarbeiten, hiess es.

Auf Anfrage des Beobachters bestreitet das Veterinäramt diese Darstellung, verweigert jedoch ebenfalls aus «Datenschutzgründen» nähere Auskünfte. Generell, so die Mediensprecherin, würden alle Tierschutzmeldungen zeitnah geprüft und nach Dringlichkeit und Schwere der Vorwürfe priorisiert.

Tierschützerin Esther Geisser widerspricht. Sie erlebe immer wieder, dass das Veterinäramt lieber «formalistische Details» bei Tierheimen kontrolliere, während an anderen Orten wenig passiere. «Das Amt begründet das mit Personalmangel.» Dann müsse es zur Erfüllung seines Gesetzesauftrags eben mehr Ressourcen verlangen oder die Zusammenarbeit mit privaten Tierschutzorganisationen suchen, sagt Geisser. «Einfach nichts zu tun, bedeutet, das Gesetz bewusst nicht vollziehen zu wollen.» 

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen