Darum gehts
- Linda Käfer aus Zürich verliert 100 Fr. bei Tutti-Betrug mit KI-Bild
- Verkäufer manipulierte Schlafsack-Bild, Zettel schien zu «schweben»
- Tutti.ch empfiehlt persönliche Abholung – Betrugsfälle durch KI-Bilder bekannt
Linda Käfer freut sich auf ihren Campingtrip mit Freundinnen. Lange recherchiert sie, welcher Schlafsack dafür am besten passt. Und wird auf Tutti fündig: Der gewünschte Schlafsack kostet hier 200 Franken statt 550 Franken regulär. Nur: Der Verkäufer ist in Freiburg und müsste den Schlafsack schicken. Käfer wohnt in Zürich.
Käfer, die eigentlich anders heisst, willigt ein. Sie weiss: Wenn sie das Produkt nicht persönlich abholen kann, ist Vorsicht geboten. Immer wieder kommt es zu Betrugsfällen auf Plattformen wie Tutti. Also bittet sie den Verkäufer, ein Foto des Schlafsacks zu schicken mit einem Zettel, der ihren Namen und das Datum enthält. Damit will sie überprüfen, dass das Produkt tatsächlich existiert. Der Verkäufer schickt das Bild. Alles scheint in Ordnung.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Produkt nie erhalten
Käfer fragt, ob sie zunächst die Hälfte des Preises zahlen kann und den Rest, wenn sie den Schlafsack erhalten hat. Eine weitere Vorsichtsmassnahme. Der Verkäufer willigt ein. Er bringe den Schlafsack am nächsten Tag zur Post. Und schreibe Käfer, wenn er das Paket übergeben habe.
Am nächsten Tag hört Käfer nichts von ihm. Sie fragt nach, ob er das Paket abgeschickt habe. Er bestätigt dies und schreibt, dass er die Sendungsnummer weiterleite, wenn «die SMS der Post zu ihm komme». Da wird Käfer stutzig. Eigentlich erhält der Empfänger die Sendungsnummer. Auf ihre erneute Nachfrage einen Tag später erhält sie keine Antwort mehr. Der Schlafsack kommt nie bei ihr an.
Vermutlich KI-generiert
Trotz gewissenhafter Vorsichtsmassnahmen ist sie auf einen Betrug hereingefallen. Vermutlich hat der Verkäufer den Zettel mit ihrem Namen und Datum über KI in das Schlafsack-Bild eingefügt.
Ganz sicher zu verifizieren ist dies nicht, es gibt aber Anzeichen. Etwa der fehlende Schatten des Zettels auf dem Schlafsack. Der Zettel scheint völlig flach über den Falten des Schlafsacks zu «schweben» und ist im Gegensatz zum Schlafsack sehr gleichmässig beleuchtet.
Betrugsversuche mit KI-generierten Bildern seien Tutti.ch bekannt, sagt eine Sprecherin zum Beobachter. Erhaltene Bilder, die Vertrauen wecken sollen – etwa vermeintliche Beweisbilder des Produktes, Quittungen, Zahlungsbelege –, können Kundinnen und Kunden über die «umgekehrte Bildersuche» auf Google oder beispielsweise ChatGPT daraufhin prüfen, ob diese KI-generiert sind.
Persönliche Abholung
Bei hochpreisigen Artikeln ist Tutti zufolge eine persönliche Abholung empfohlen. Das rät auch der Beobachter. «Man muss sich als Käufer bewusst sein: Man handelt mit jemandem, den man nicht kennt – das birgt Risiken», sagt Martin Müller vom Beobachter-Beratungszentrum. Umgehen kann man das mit persönlicher Übergabe: Geld gegen Ware.
Tutti.ch empfiehlt zudem, auf dem Tutti-internen Chat zu bleiben und nicht auf externe Kanäle wie Whatsapp, SMS oder E-Mail zu wechseln, um einen Kauf, eine Bezahlung oder Lieferung abzuwickeln. Der interne Chat werde kontrolliert, verdächtige Konversationen herausgefiltert und blockiert. Zudem sollten Kunden auf keine übermittelten Links oder QR-Codes klicken und keine Kreditkartendaten, Twint- oder E-Banking-Logins angeben.
Tutti.ch rät Linda Käfer, den Fall dem Kundendienst zu melden. Dieser könne den Verkäufer anschreiben und gegebenenfalls das Konto blockieren. Zudem empfiehlt Tutti.ch, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Beides hat Käfer getan. Bei Tutti.ch sei sie bei einem Chatbot gelandet. Was nun passiert, habe sie nicht erfahren. Die 100 Franken sind weg.