Darum gehts
- Swiss-Flug Newark-Zürich am 31. März 2024 nach Angriff umgekehrt
- Belgischer Passagier (44) attackiert Crew, droht: «Ich werde euch töten!»
- Bazl meldet 2025: 45 Fälle sexueller Übergriffe auf Flügen
Ein Mann schreit, greift an, prügelt – und droht, die Crew zu töten: Ein Swiss-Flug von Newark nach Zürich eskaliert am 31. März 2024 kurz nach dem Start, der A330 muss umkehren. Am Montag sollte der belgische Passagier (44) in den USA verurteilt werden. Doch sein Anwalt war krank, daher verzögert sich das Verfahren. Trotzdem machten drei Swiss-Flugbegleiter und eine Flugbegleiterin am Montag vor Gericht Aussagen und schilderten, wie sehr sie der Horrorflug noch heute beschäftigt. Doch der Reihe nach.
31. März 2024, gegen 21.45 Uhr: Der Swiss-Flug LX19 hebt von Newark (bei New York) ab, Ziel: Zürich. Kurz nach dem Start verlässt ein belgischer Passagier seinen Business-Class-Sitz, geht auf eine Flugbegleiterin zu, packt sie mit beiden Händen bei den Brüsten, schüttelt sie und schreit sie an. Die Frau kann sich losreissen und ruft ihre Kollegen zu Hilfe.
Passagier will ins Cockpit – und verletzt Flugbegleiter
Wenig später rast der Passagier nach vorne zur Cockpittür. Er beginnt, wiederholt gegen die Tür zu schlagen, zu treten und sich mit dem ganzen Körper dagegenzustemmen. Dabei flucht er und fordert vom Kapitän, ihn ins Cockpit zu lassen.
Ein Flugbegleiter versucht, ihn zu stoppen – und wird selbst zum Opfer. Der Belgier wendet sich von der Tür ab und attackiert den Flugbegleiter: Er schlägt und tritt ihn mehrfach gegen Kopf und Oberkörper, trifft den Kiefer und die Schulter mit der Faust. Der Flugbegleiter schafft es trotzdem, über die Bordsprechanlage einen Hilferuf an die übrige Crew abzusetzen.
«Ich werde euch töten!»
Weitere Flugbegleiter eilen nach vorne. Gemeinsam ringen sie den Mann vor der Cockpittür zu Boden und fixieren ihn. Doch selbst gefesselt bleibt der Angriff laut FBI-Anzeige brutal: Der Passagier wehrt sich, versucht weiterhin, Crewmitglieder zu attackieren, er schreit, flucht, spuckt und droht den Flightattendants: «Ich werde euch töten!» Ausserdem versucht er, mindestens eine der Personen zu beissen, die ihn am Boden festhalten.
Für den Kapitän steht fest: Kurs abbrechen, Maschine wenden, zurück nach Newark. Das Cockpit funkt «Pan-Pan», was bedeutet: Wir haben ein Problem, müssen sofort landen – aber es ist noch kein dramatischer Notfall («Mayday»). Zum Zeitpunkt der Landung weiss das Cockpit nicht, dass der Passagier bereits fixiert ist. Der Polizei wird gesagt, dass sich der Täter frei im Flugzeug bewege.
Der Täter schweigt vor Gericht
Nach der Landung verhaftet die US-Polizei den aggressiven Passagier. Die Staatsanwaltschaft des District of New Jersey wirft ihm sexuelle Belästigung, Gewalt und Angriffe gegen die Swiss-Crew vor. Der verletzte Flugbegleiter muss ins Spital.
Am Montag sollte der Mann verurteilt werden, drei Swiss-Flugbegleiter und die Flugbegleiterin sagten bei einer Anhörung, was passiert war. Der Anwalt liess sich krankheitsbedingt vertreten, worauf der Richter entschied, das Urteil zu vertagen. «Wir bedauern dies, weil sich das Verfahren damit weiter in die Länge zieht», schreibt die Swiss in einer internen Nachricht, die Blick vorliegt. «Der Vorfall und das Verfahren sind für die Betroffenen bis heute belastend – mental und teilweise auch körperlich.» Nach Informationen von Blick ist der Täter geständig – am Montag schwieg er aber vor Gericht und bat die Opfer auch nicht um Entschuldigung.
«Verdient aus unserer Sicht höchsten Respekt!»
In einer Stellungnahme dankt die Swiss ihren Mitarbeitenden, die in einer Extremsituation richtig reagiert hätten: Während die Cockpitcrew unter hohem Zeitdruck die Landung vorbereitete, habe die Kabinencrew die Lage unter Kontrolle gebracht und die Passagiere geschützt. «Dass die gesamte Crew dies unter enormem Druck und trotz der Vehemenz der Gewalt schaffte, verdient aus unserer Sicht höchsten Respekt», schreibt die Swiss.
Solche Vorfälle bedrohten nicht nur einzelne Mitarbeitende, sondern könnten auch die Flugsicherheit gefährden. «Deshalb müssen solche Vorfälle konsequent verfolgt und angemessen geahndet werden», teilt die Swiss mit. Wann der Belgier verurteilt wird, ist unklar.
Sexuelle Übergriffe nehmen zu
Seit Jahren nimmt die Gewalt auf Flügen zu – auch die sexualisierte Gewalt. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) registrierte 2024 noch zehn Fälle von sexuellen Übergriffen – 2025 waren es 45 Vorfälle.