Darum gehts
- Rapper Mario T. raste mehrfach durch Zürich, teils mit bis zu 133 km/h
- Er filmte sich selbst, verstösst gegen Verkehrs- und Waffengesetze
- Staatsanwalt forderte 23 Monate bedingte Strafe
Der Raser und Rapper Mario T.* (29) erscheint am Donnerstag pünktlich in Begleitung seines Verteidigers am Bezirksgericht. Hier muss sich der Zürcher mit italienischem Pass verantworten, weil er mehrfach mit PS-starken Luxusboliden durch die Stadt Zürich gerast ist. Ausserdem hat er gegen das Waffengesetz verstossen. Er hat eine Schreckschusspistole in der Öffentlichkeit durchgeladen – ohne Waffenschein.
Seine Ankunft vor Gericht ist im Vergleich zu den gefährlichen und viel zu schnellen Fahrten bescheiden: Statt Audi RS6, Ferrari oder Lamborghini Huracán kommt er in blauen Jeans und schwarzem Hemd zu Fuss. Vermutlich liegt es auch daran, dass er seinen Fahrausweis vor rund einem Jahr abgeben musste. Während Mario T. wartet, ist er sichtlich nervös. Er kann kaum eine Sekunde stillstehen.
Der Deal
Die Verhandlung vor dem Bezirksgericht Zürich ist kurz, schliesslich handelt es sich um ein abgekürztes Verfahren. Heisst: Staatsanwalt und Verteidiger haben sich vorab geeinigt.
Das Dreiergremium, bestehend aus einer Richterin und zwei Richtern, prüft an der Verhandlung lediglich, ob auch alles genau nach Gesetz ausgehandelt wurde. Der vorgeschlagene Deal: 23 Monate Gefängnis, bedingt, bei einer Probezeit von vier Jahren.
Die Liste seiner Vergehen ist laut Anklage lang: In einem Fall fuhr er den Rolls-Royce mit fast 100 km/h durch eine Zürcher 50er-Zone, und das, während eines zweimonatigen Fahrausweis-Entzugs. Nur acht Tage später, hätte er das Billett wieder zurückerhalten. Am Abend des 2. Oktober 2024 raste T. in einen Lamborghini Huracán durch Zürich. Die Ermittler stellten auf mehreren Videos drei grobe Geschwindigkeitsübertretungen fest: 40, 51 und fast 67 km/h zu schnell und das alles innerorts.
Weitere wilde Fahrten kamen hinzu: 63 km/h zu schnell in einem Mercedes S 500 und 73 km/h in einem Audi RS6. In einem Fall trank er während der Fahrt aus einer Bierflasche.
Temporausch für Klicks und Views
Der vorsitzende Richter will während einer kurzen Befragung des Angeklagten wissen, warum Mario T. wie ein Irrer gerast ist. Der Richter sagt: «Es ist krass, wie Sie die Geschwindigkeit überschritten haben. Das war massiv gefährlich! Und das noch in der Stadt Zürich. Es hätte jederzeit etwas in den Weg kommen können.» Und: «Der Bremsweg ist bei der Geschwindigkeit riesig. Sie hätten niemals rechtzeitig bremsen können!»
Die Antwort von Mario T. ist simpel: «Ich wollte auf meinen digitalen Kanälen Reichweite generieren.» Der Richter schaut nach dieser Aussage etwas verwirrt. «Also, wie ein Influencer?», fragt er nach. Mario T. antwortet: «Genau. Ich verdiene so mein Geld.» Seine irren Fahrten seien stets von vielen Zuschauern verfolgt worden. «Es ist aber der falsche Weg», sieht Mario T. heute ein.
Hohe Schulden
Zum Leben reiche seine Arbeit als Rapper und Influencer noch nicht, so T. weiter. Er hoffe, dass sich das noch ändert. Aktuell könne er mit einem kleinen Einkommen leben, weil er noch bei seiner Familie lebe. Er erwähnt auch, dass er bei seiner Familie hohe Schulden habe.
Zu seinen gefährlichen Raserfahrten sagt er: «Es tut mir leid, das wird nie mehr passieren. Ich habe andere Menschen in Gefahr gebracht.» Er habe sich jedoch geändert. «Ich mache das nie mehr.»
Mario T. gibt weiter an, dass er seinen Ausweis bereits vor einem Jahr abgeben musste. Und: Er werde diesen vermutlich sehr, sehr lange nicht wieder zurückbekommen. Er gibt alle Vorwürfe aus der Anklage zu.
Probezeit läuft ab heute
«Sind Sie sich bewusst, was Sie bei den jungen Leuten auslösen, wenn Sie sich mit Luxuskarossen zeigen und viel zu schnell fahren?», fragt dann der Richter. Der Angeklagte weiss es offensichtlich nicht; er wiederholt nur die Aussage, dass er ja nur Reichweite generieren wollte. Er betont, dass er nie eine schlechte Absicht gehabt habe.
Das Gericht bestätigt nach diesen Aussagen das ausgehandelte Urteil. Der Richter erinnert Mario T. nach dem Urteil daran, dass die Probezeit ab sofort laufe. «Wenn Sie erneut delinquieren, gehen Sie für 23 Monate ins Gefängnis.» Auch redet der Vorsitzende dem jungen Mann ins Gewissen: «Versuchen Sie, auf eigenen Beinen zu stehen. Leben Sie Ihren Traum, aber Sie müssen Ihre Rechnungen selbst bezahlen können. Sonst muss die Gesellschaft Sie finanzieren. Das ist unfair.»
Der vorsitzende Richter erwähnt ausserdem, dass ihm die Musik des Verurteilten gefalle. Er hat noch eine Frage an den Rapper dazu: «Warum wollt ihr Rapper immer mit euren Mütter oder Tanten Sex haben?» Der Verurteilte erklärt: «Das ist Unterhaltung, Underground. Wir wollen das nicht wirklich.»
* Name geändert