Darum gehts
- Pascal Bassu spricht über Jugendgewalt in Wetzikon ZH nach Verhaftungen
- Stadtpolizei verstärkt die Kontrollen an Bahnhöfen und Schulhäusern
- Laut Bassu ist Gewalt ein schweizweites Gesellschaftsproblem
Blick: Herr Bassu, Sie wollten erst nach den Verhaftungen der mutmasslichen Täter Stellung nehmen. Warum?
Pascal Bassu: Ich wollte die Ermittlungen der Polizei nicht behindern. Jetzt sind wir natürlich froh, dass die mutmasslichen Täter gefasst sind. Denn das Video mit den Taten, das auch ich gesehen habe, war schockierend.
Was sagen Sie zum Gewaltexzess, was läuft in Ihrer Stadt schief?
Das Problem von Gewalt unter Jugendlichen ist uns schon länger bekannt, und es gab auch schon früher Vorfälle. Der Vorfall am vergangenen Freitag ist ein trauriger Höhepunkt und macht uns als Gemeinde betroffen.
Betroffenheit nützt nichts. Viele Bürgerinnen und Bürger fordern ein Handeln seitens der Gemeinde und auch seitens der Stadtpolizei.
Die Stadtpolizei wird die Kontrollintensität an Hotspots wie Bahnhof und Schulhäusern erhöhen. Zudem pflegt die Stadtpolizei einen stetigen Austausch mit der Jugendintervention der Kantonspolizei Zürich. Aber alles können wir nicht verhindern, leider.
Was ist denn genau das Problem, dass es immer wieder zu Gewaltexzessen in Ihrer Stadt kommt?
Ich glaube, es ist ein gesellschaftliches Problem. Und nicht nur eines in unserer Stadt, die mittlerweile 27’000 Einwohnerinnen und Einwohner hat. Die gleichen Probleme gibt es in der ganzen Schweiz. Es ist auch nicht unbedingt ein Ausländerproblem. Es sind einfach Leute, die draussen rumhängen und auf dumme Ideen kommen. Oft eben auch an Bahnhöfen.
Müssen die Eltern mehr auf ihre Kinder schauen?
Klar, die Eltern tragen die Hauptverantwortung. Aber auch sie sind heutzutage teilweise überfordert.
Und die Schulen?
Die Lehrkräfte machen einen guten Job. Aber leider haben es auch sie nicht leicht und müssen gut überlegen, was sie solchen Schülern sagen oder welche Konsequenzen sie ihnen auftragen. Da sind dann teilweise schnell mal Eltern vor Ort und drohen mit rechtlichen Schritten.
Was geschieht nun an den Schulen in Wetzikon, wo mindestens ein minderjähriger Verhafteter zur Schule geht?
Er wird nächstens sicher nicht in die Klasse zurückkehren und erhält ein Sondersetting. Wie dieses aussieht, darf ich wegen des Jugendstrafgesetzes nicht sagen.
Müsste das Jugendstrafgesetz verschärft werden?
Ich glaube, das ist der falsche Weg, denn die Jugendlichen schauen ja nicht zuerst ins Jugendstrafgesetz, bevor sie straffällig werden. Vielmehr müssen wir mehr Prävention betreiben und als Erwachsene wieder bessere Vorbilder sein.
Was sind denn nun die Konsequenzen dieses letzten Vorfalls?
Wir werden vermehrt an den Hotspots patrouillieren. Wir sind aber auch auf Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen: dass sie sofort die Polizei rufen, wenn sie etwas sehen, das nicht geht.
Möchten Sie dem Opfer, das ja auch aus Wetzikon kommt, etwas sagen?
Ich wünsche ihm und seinen Angehörigen nur das Allerbeste. Dass die körperlichen und seelischen Wunden heilen. Und ich hoffe natürlich, dass so etwas möglichst nicht mehr vorkommt.