Erbitterter Streit in Zug
Putsch im Kunsthaus

Der Vorstand will die Präsidentin der Kunstgesellschaft vorzeitig absetzen. Diese wehrt sich und kontert mit heftigen Vorwürfen.
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Silvia Graemiger soll als Präsidentin der Kunstgesellschaft Zug weichen.
Foto: CH Media / Jakob Ineichen

Darum gehts

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Andreas SchmidInlandredaktor

Die Mitglieder der Kunstgesellschaft Zug müssen gestaunt haben: Sie erhielten für die Generalversammlung vom kommenden Mittwoch zwei Einladungen. Die eine enthält eine Traktandenliste mit aufgeführten Neuwahlen, während bei der anderen keine Rede von Neuwahlen ist. Absender der einen Einladung ist der Vorstand der Kunstgesellschaft. Die andere stammt von der Präsidentin.

An der Mitgliederversammlung will die Mehrheit des Vorstands seine Präsidentin Silvia Graemiger (60) absetzen. Obwohl sie 2025 für drei Jahre gewählt wurde, soll sie jetzt mit einem Putsch aus dem Amt gehoben werden. Beide Seiten reklamieren die Leitung der Versammlung für sich, kündigen an, sie würden am Mikrofon durch den Abend führen.

Die Kunstgesellschaft Zug ist für den Betrieb des Kunsthauses zuständig, zusammen mit der Stiftung Freunde des Kunsthauses, der das Museumsgebäude gehört, bildet sie die Trägerschaft. Stadt und Kanton Zug subventionieren das Kunsthaus pro Jahr mit 650'000 beziehungsweise 850'000 Franken, weitere 300'000 Franken steuern Gemeinden bei. 

Aus der gleichen Partei

Vier Mitglieder des siebenköpfigen Vorstands wollen den 84-jährigen Peter Frigo, ehemals FDP-Kantonsrat und heute Wahlkampfleiter der freisinnigen Kantonalpartei, zu Graemigers Nachfolger erküren. Dass diese ebenfalls der FDP und dem gleichen Rotary Club wie Frigo angehört, wirft noch mehr die Frage auf, wie es dazu kommen konnte. Zudem hatte Frigo zuletzt als Mediator zwischen der zerstrittenen Graemiger und ihrem Verbündeten auf der einen sowie dem übrigen Vorstand auf der anderen Seite gewirkt.

Die Unruhen im Zuger Kunstmuseum dauern schon länger an, vor einem Jahr musste der langjährige Direktor aufgrund gravierender Strukturprobleme gehen. Seit einigen Monaten liegen sich nun die beiden Parteien im Vorstand der Kunstgesellschaft in den Haaren. Die vier unzufriedenen Mitglieder forderten Graemiger im letzten Februar zum Rücktritt auf.

Ursache dafür sei, sagt Graemiger auf Anfrage, dass sie für die Zukunft strukturelle Anpassungen im Kunsthaus angestrebt habe sowie die Herkunft von Bildern aus der Sammlung Kamm erforschen lassen wolle. Dagegen wehre sich die «Viererbande», wie die Präsidentin ihre Gegner bezeichnet.

Die Gemälde der Sammlung Kamm sind dem Kunstmuseum Zug als Leihgabe überlassen. Der Wert wird laut dem Onlineportal «Zentralplus» auf 350 Millionen Franken geschätzt. Präsident der Sammlungsstiftung ist Alexander Jolles (69), der auch der Bührle- und der Giacometti-Stiftung vorsteht.

Provenienzforschung unerwünscht?

Silvia Graemiger sagt, die Gegner im Vorstand und die Stiftung widersetzten sich, der Provenienz der Bilder nachzugehen. «Jeglicher Versuch, Transparenz herzustellen, wurde umgehend getadelt oder unterbunden und mündete letztlich im Putsch.» Zwar berge solche Forschung ein Reputationsrisiko und koste Geld, doch weil die Sammlung zentral aus Werken der Wiener Moderne und Beständen aus einer umstrittenen Galerie bestehe, «müssten sich die Kunstgesellschaft und die Stiftung um die Herkunft der Bilder kümmern», betont Graemiger. Komme hinzu, dass die Gemälde nur zu einem Bruchteil ihres Werts versichert seien.

Stiftungspräsident Jolles hält fest, es treffe nicht zu, dass es Widerstand gegen eine Provenienzforschung gebe. Graemiger habe das Thema «nie mit der Stiftung besprochen» und sich «öffentlich unzutreffend dazu geäussert».

«Nicht mehr tragbar»

Der Vorstand der Kunstgesellschaft sagt zum Motiv, Graemiger abzusetzen: «Die Präsidentin hat die Anforderungen an das Amt nicht erfüllt und ist nicht mehr tragbar.» Es mangle ihr an Verlässlichkeit, und mehrere Gespräche im Vorstand seien erfolglos geblieben. Beim Thema Provenienzforschung gebe es aber keine Uneinigkeit, dieses gehöre zu den zentralen Aufgaben jedes Kunstmuseums. 

Stadt und Kanton Zug als grosse Geldgeber betonen, sie verlangten von der Kunstgesellschaft die Klärung von offenen Führungs- und Strategiefragen. Deshalb habe man sich regelmässig mit den Verantwortlichen zu Sitzungen getroffen, seit die schwelenden Konflikte bekannt geworden seien, sagen der Zuger Stadtpräsident André Wicki (63, SVP) und der zuständige Regierungsrat Stephan Schleiss (53, SVP) übereinstimmend. Was die Provenienzforschung betrifft, halten Wicki und Schleiss fest: «Die Klärung der Herkunft der Werke aus der Sammlung Kamm liegt allein in der Verantwortung der Stiftung.»

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