Darum gehts
- Nach einem Konzert in Tuggen SZ starb ein 27-Jähriger nach einer Schlägerei im Lokal The Bandits
- Die Polizei verhaftete einen 42-Jährigen; die drei Bands waren laut Vorband nicht mehr vor Ort
- Zeugen berichten von 20 bis 30 Beteiligten bei Prügelei, nachdem ein DJ ein Lied von Landser gespielt hatte
Ein Konzertabend in Tuggen SZ endet blutig. Und für einen jungen Deutschen (†27) gar tödlich. Er wird in der Nacht auf Sonntag im Lokal The Bandits Opfer einer Schlägerei. Die Polizei verhaftet einen 42-Jährigen als Tatverdächtigen.
Als Blick am Montagmorgen beim Bandits vorbeischaut, sieht es so aus, wie es halt nach einer Party aussieht: Gläser, Flaschen, Abfall.
Der Gastrokomplex mit Restaurant, Bar und Club liegt im Tuggener Industriequartier, in der Nähe der Autobahn. Die Polizei-Siegel an den Türen zum Konzertsaal verraten, dass am Wochenende hier etwas Schlimmes passiert ist.
Bands haben Schlägerei nicht miterlebt
Blick konnte sich am Montag schriftlich mit der Band Ernstfall austauschen. Sie trat am Samstag als Vorgruppe der deutschen Band Krawallbrüder auf. Die Gruppe betont, dass weder sie, die Krawallbrüder noch die dritte Band Rotz & Wasser zum Zeitpunkt der Prügelei anwesend waren. «Unser Auftritt war beendet, wir hatten die Location verlassen.» Kurz: Die Bands haben die Schlägerei wohl nicht miterlebt.
Die Details zur Eskalation wurden der Band Ernstfall erst im Nachhinein von anwesenden Personen nacherzählt.
Ebenfalls vor Ort war Konzertbesucher Thomas B.* Anhand seiner Schilderungen und jenen der Band zeichnet Blick die Tragödie von Tuggen nach.
«Konzert war unpolitisch»
Es ist Samstagabend in der Bar The Bandits. Die Bässe der deutschen Band Krawallbrüder wummern. Das Bier fliesst, die Zuschauer grölen.
Thomas B. verbringt den Abend mit zwei Kollegen im Lokal. «Einer meiner Kumpels ist ein Riesenfan der Band Krawallbrüder. Das Konzert war super. Es war unpolitisch.»
Trotzdem fallen beim Auftritt Störenfriede auf, wie die Bandmitglieder von Ernstfall beschreiben. «Soweit uns bekannt ist, wurden im Lauf des Konzertabends Personen, die dem rechten Lager zugeordnet wurden, auf eine klare Ansage der Krawallbrüder hin durch die Security aus dem Veranstaltungsbereich entfernt.»
Das passt zu einem Instagram-Beitrag der Krawallbrüder. Die Gruppe schreibt: «Die Störenfriede aus dem rechten Lager wurden umgehend und fachgerecht entsorgt! Bleibt nächstes Mal einfach gleich zu Hause!»
Laut Infos der Band Ernstfall sollen die Störenfriede später durch einen anderen Eingang wieder in die Bar gelangt sein. Dort hätten sie an einer «hauseigenen Aftershow-Party der Location» teilgenommen. Diese habe nach den drei Konzerten «in einer separaten Räumlichkeit» stattgefunden. «Über diese Veranstaltung waren wir im Vorfeld nicht informiert. Sie war nicht Bestandteil unseres Auftritts.»
Erst später erfährt Ernstfall von der Gewalt. Daran beteiligt sein sollen jene «Störer», die zuvor von Sicherheitsleuten aus dem Lokal entfernt worden waren.
Massenschlägerei im Nebenraum
Diese Schilderungen decken sich mit den Beobachtungen von Thomas B. Er erzählt: «Eine Viertelstunde nach dem Ende des Auftritts der Krawallbrüder kam es in einem Nebenraum im ersten Stock zu einer Massenschlägerei.»
Die Prügelei sei folgendermassen entstanden: «Der DJ hat in diesem Nebenraum plötzlich das Lied ‹Polacken-Tango› der deutschen Rechtsrock-Band Landser abgespielt», sagt B. «Einige Leute haben das abgefeiert. Andere wurden wütend, gewisse tickten aus. Es kam zu einer wilden Prügelei unter Typen mit Glatzen. Es waren einige Maschinen dabei. Ob sie links oder rechts waren, kann ich nicht beurteilen.»
Gegenüber 20 Minuten bestätigte ein DJ, er sei gebeten worden, ein Lied von Landser zu spielen: «Ich wusste nicht, dass das Lied von einer Nazi-Band ist. Hätte ich gewusst, dass der Song derartige Reaktionen auslösen würde, hätte ich es nie gespielt.»
Wie Besucher Blick unabhängig voneinander berichten, wurde der Hitlergruss an dem Abend mehrmals gezeigt – etwa auch als das Lied von Landser lief. Es sollen Rechtsextreme anwesend gewesen sein.
Total hätten sich etwa 20 bis 30 Leute geprügelt, sagt Thomas B. Nach der Prügelei sehen er und seine Kumpels einen Mann oben an einer Treppe liegen. «Es war die Treppe, die vom Erdgeschoss zum Raucherbereich in der ersten Etage führt. Er sah bewusstlos aus, er bewegte sich nicht», so B. Er betont aber: «Ob dieser Mann derjenige ist, der später verstorben ist, kann ich natürlich nicht beurteilen.»
Späteres Opfer war mit Mutter am Konzert
Mehr über den Verstorbenen weiss die Band Ernstfall. Sie schreibt, dass der junge Mann mit seiner Mutter und zwei Freundinnen bereits bei ihrem Auftritt als Vorband dabeigewesen sei. Die Gruppe sagt aber: «Zur politischen Zugehörigkeit des Verstorbenen können wir keine Angaben machen.»
Thomas B. wiederum, der mit seinen Kumpels im Lokal The Bandits war, wurde es nach der Prügelei zu viel. In der Hektik verliess er mit seinen Kollegen die Bar. «Es war massig Security da. Wir machten uns auf den Heimweg», sagt er. «Als wir draussen waren, sahen wir die Ambulanz.» Der erfahrene Konzertgänger ist geschockt: «So eine Eskalation bei einem Konzert habe ich in der Schweiz noch nie erlebt.»
Zwei Gastrochefs des Lokals, die Blick beim Besuch vor Ort antrifft, sagen, dass sie soeben nochmals Besuch von der Polizei erhalten hätten – sonst nichts. Ein angekündigtes schriftliches Statement lässt noch auf sich warten.
Die Band Krawallbrüder kündigte am Montagabend an, dass sie sich am Dienstag zum Vorfall äussern möchte. «Die Umstände sind nach wie vor nicht geklärt!», schreibt die Gruppe.
* Name geändert