Darum gehts
- Granit Xhaka steht wegen angeblich gefälschten Covid-Zertifikats unter Verdacht
- Hausärztin Hannah Y. soll ihm und anderen gefälschte Impfzertifikate ausgestellt haben
- Sie wohnt in einer Luxusüberbauung, ihren Doktortitel erwarb sie in Rumänien
Blick erreicht Hannah Y.* (54) am Telefon: «Ich rede nicht mit Ihnen», sagt sie genervt. «Kontaktieren Sie meinen Anwalt.»
Kein Kommentar also von der Ärztin, die Licht in den mutmasslichen Covid-Skandal um Granit Xhaka (33) bringen könnte. 2023 durchsuchten Ermittler ihre Praxis in Luzern. Einige Zeit später eröffnete die Luzerner Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren, weil Hannah Y. dem Nati-Captain ein gefälschtes Covid-Impfzertifikat ausgestellt haben soll. «Es geht darum, zu klären, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt im Zusammenhang einer möglichen Erschleichung einer falschen Beurkundung oder/und Urkundenfälschung», sagt Sprecher Simon Kopp. Anfang Oktober muss Xhaka zum Verhör antraben.
Die Ärztin soll nicht nur Xhaka, sondern auch vielen weiteren Personen gefälschte Corona-Zertifikate verkauft haben. Aber wer ist die Frau?
Y. macht nicht zum ersten Mal Schlagzeilen. 2021 – mitten in der Corona-Pandemie – berichtete der TV-Sender Euronews: «Spektakulär: Ärztin in der Schweiz behandelt Covid-19 mit Opaganib.» Y. behauptete, das Medikament, das ursprünglich zur Behandlung von Gallentumoren und Prostatakrebs entwickelt worden war, erfolgreich bei Corona-Patienten eingesetzt zu haben. Offiziell gegen Covid zugelassen ist das Medikament bis heute nicht. Infektiologen kritisierten den Alleingang der Ärztin damals scharf. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit.
Ihr Arztdiplom erhielt Hannah Y. 2003 in Rumänien. Sie ist deutsche Staatsbürgerin und praktizierte ab 2012 im Kanton Luzern. Dort betrieb sie bis vor wenigen Monaten eine Hausarztpraxis. Mittlerweile scheint diese geschlossen, die Website ist gelöscht.
Medikamente im Milchkasten
Am Eingang der Praxis hängt noch immer ein entsprechendes Schild: «Sprechstunde nach Vereinbarung». Eine Anwohnerin erzählt Blick, sie habe die Ärztin schon «lange, lange nicht mehr hier gesehen». Und weiter: Die Ärztin habe für ihre Patienten jeweils Medikamente im Milchkasten im Eingangsbereich platziert. Weil dieser aber im Bereich hinter einer oft geschlossenen Tür sei, hätten die Patienten manchmal spätabends bei ihr geklingelt. Irgendwann habe deshalb die Hausverwaltung interveniert.
Auf Google finden sich noch Bewertungen zu Y. «Sehr freundliche und kompetente Ärztin. Habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt», schreibt jemand. Andere berichten, dass sie Arztzeugnisse für 100 Franken ohne Quittung ausgestellt haben soll. Eine Schweizer Berufsausübungsbewilligung hatte sie auch in den Kantonen St. Gallen und Zug.
Cornel Borbély, der Anwalt von Hanna Y., beteuert: «Meine Klientin sagt, sie habe Granit Xhaka geimpft.» Alles sei regulär und nach den Vorgaben abgelaufen. Auch Xhakas Sprecher Andreas Bantel sagt, es existiere eine Impfbestätigung der behandelnden Ärztin. Demnach soll Xhaka im Januar und im November 2022 geimpft worden sein.
Luxuswohnung in Zürich
Sowohl für Hanna Y. als auch für Granit Xhaka gilt die Unschuldsvermutung. Die Ärztin wohnt heute in einer teuren Überbauung in Zürich. «Man kennt sich hier untereinander nicht wirklich», sagt ein Bewohner am Samstag zu Blick.
Hat die Schweiz nach dem Fall des ehemaligen Eishockey-Nati-Trainers Patrick Fischer (51) den nächsten Covid-Skandal? Fischer reiste 2022 mit einem gefälschten Zertifikat an die Olympischen Spiele nach Peking. Die Staatsanwaltschaft verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von knapp 39'000 Franken. Als SRF den Strafbefehl publik machte, entliess der Schweizer Eishockeyverband Fischer kurz vor der Heim-WM. Der Eishockey-Weltverband IIHF sperrte ihn für Nationalteams bis 2030. Fischer zog die Sperre an das höchste Sportgericht weiter.
Im Fall Xhaka dürfte es für die Justiz schwieriger werden, die mutmassliche Urkundenfälschung nachzuweisen. Der Nati-Star streitet sämtliche Vorwürfe ab. Entscheidend wird die Frage sein, wo sich Xhaka an den vorgegebenen Impfdaten aufgehalten hat. Im März 2022 sagte Xhaka zu «20 Minuten»: «Ja, ich bin geimpft, damit ihr nichts mehr zum Schreiben habt.»
*Name geändert

