Darum gehts
- Tausende Fische verenden im ausgetrockneten Gütschweiher in Luzern
- Grund: Weiher ist künstlich und ohne natürlichen Wasserzulauf auf Regen angewiesen
- Vergangene Woche wurden 10 Hechte vom Kanton entfernt und getötet
«Der Anblick ist kaum zu ertragen, und es stinkt zum Himmel! Tausende Fische sind elendig verendet», schimpft Anna R.* (51) aus Kriens LU gegenüber Blick. Normalerweise ist der Gütschweiher der Kraftort der Hundehalterin. «Doch jetzt ist es ein Ort des Todes.»
Der Weiher hat so gut wie kein Wasser mehr, weil es zu wenig geregnet hat. Denn: Der Weiher ist auf Regen angewiesen. Er ist künstlich angelegt, und es gibt keinen Zulauf von anderen Gewässern. Die «Luzerner Zeitung» hatte bereits über das Problem berichtet.
«Die Stadt hat versagt»
R. ist sauer auf die Stadt. «Es wurde nichts unternommen. Die Stadt hat die Fische sterben lassen.» Mit ihrer Wut ist sie nicht allein. Der Anblick der verendeten Tiere, die im Weiher liegen, sorgt für rote Köpfe. «Das ist eine Katastrophe. Die Stadt hat versagt», sagt Robert T.* zu Blick.
Auch er ist regelmässig im Wald und am Weiher. «Wenn bei einem Unfall Gülle oder Chemikalien zu einem Fischsterben führen, wird ermittelt, die Verantwortlichen werden bestraft. Und hier? Nichts! Ein Skandal!»
Der Senior liess nicht locker und alarmierte schliesslich den Kanton. Am Ende sei tatsächlich jemand gekommen, um wenigstens ein paar Hechte zu retten. Auch Robert T. kann nicht verstehen, wieso die Stadt nichts unternommen hat und tatenlos zusah, wie die Fische langsam, aber sicher sterben.
«Der Weiher ist nicht als Fischgewässer geeignet»
Sebastian Kaufmann, Fachbereichsleiter Fischerei bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald, bestätigt, dass einige Fische rausgeholt wurden. «Wir haben vergangene Woche zehn grössere Hechte entnommen und fachgerecht getötet, da wir sowieso in der Region unterwegs waren», sagt Kaufmann zu Blick.
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Und er erklärt: «Das Gewässer ist nicht als Fischgewässer geeignet, weshalb es in warmen/trockenen Sommern zu einem Fischsterben kommen kann.» Bei den Fischen im Weiher handelt es sich um illegal ausgesetzte Tiere, die sich vermehrt haben. «Langfristig ist das Gewässer so zu gestalten, dass widerrechtlich ausgesetzte Fische abgefangen und erlöst werden können, damit es nicht zu einer massenhaften Vermehrung und einem sich wiederholenden Fischsterben kommen kann.»
Stadt plant für kommendes Jahr eine Sanierung
Und was sagt die Stadt zu den Vorwürfen? Stefan Herfort, Bereichsleiter Natur- und Landschaftsschutz, erklärt auf Anfrage von Blick, dass die Fische nicht natürlich im Weiher vorkommen. Der Gütschweiher ist ein «Amphibienlaichgewässer», das über keinen natürlichen Zulauf verfügt. «Im Einzelfall können diese auch zu einer mehr oder weniger vollständigen Austrocknung führen.» Das gehört zur Natur dazu. «Darum greifen wir in der Regel nicht ein. Dies tun wir auch an anderen Orten nicht, etwa bei den zahlreichen Kleinweihern auf der Luzerner Allmend, von denen momentan auch ein Teil ausgetrocknet ist.»
Immerhin: Die Stadt plant für kommendes Jahr eine Sanierung. Der Wasserstand soll stabilisiert werden. Aber nicht für die Fische, sondern für Frösche und Kröten. Herfort stellt klar: Es soll vor allem während der Laichzeit genügend Wasser vorhanden sein. «Weiterhin sollen Möglichkeiten geschaffen werden, den Wasserstand bei Bedarf gezielt regulieren zu können und so insbesondere ausgesetzte Fische zukünftig abfangen zu können.»
* Namen geändert