Darum gehts
- Walliser Staatsanwaltschaft lehnt Italiens Antrag als Zivilkläger im Brandfall ab
- Begründung: Nur direkte Opfer der Inferno-Bar können Kläger sein
- Italien reichte am 3. August Rekurs beim Walliser Kantonsgericht ein
Es herrscht Streit zwischen der Walliser Staatsanwaltschaft und Italien. Die Regierung in Rom möchte im Strafverfahren zur Brandkatastrophe von Crans-Montana als Zivilklägerin anerkannt werden. Dieser Antrag wurde von der Staatsanwaltschaft jedoch offiziell abgelehnt. Beim Feuer in der Silvesternacht starben 41 Menschen, über 100 weitere wurden verletzt.
Die Walliser Behörde begründet ihre Entscheidung damit, dass Geschädigte im Sinne des Strafgesetzbuches nur Gäste der Inferno-Bar «Le Constellation» sein können. Die Staatsanwaltschaft ermittle unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Das betreffe etwa die Rechte auf Leben und körperliche Unversehrtheit und könne dementsprechend nicht für einen Staat geltend gemacht werden. Das beichtet unter anderem die «NZZ».
Italien ziehe «wenn nötig bis hin zum Bundesgericht»
Ein Anwalt aus dem Kanton Genf hält für Italien gegen die Entscheidung der Walliser Staatsanwaltschaft. Romain Jordan äusserte sich am Freitag in einer Mitteilung wütend über die Absage. «Ein Staat, der sechs seiner Bürger verloren hat, der vierzehn Schwerverletzten geholfen hat und der seit den ersten Stunden der Tragödie umfangreiche Rettungsdienste aufgeboten hat, muss seiner Stimme im Verfahren Gehör verschaffen dürfen», schrieb Jordan.
Bereits am Montag habe Italien Rekurs bei der Strafkammer des Walliser Kantonsgerichts eingereicht. Jordan sei bereit, «wenn nötig bis hin zum Bundesgericht» weiterzuziehen.
Auch die Gemeinde Crans-Montana wollte als Zivilklägerin im Strafverfahren anerkannt werden, ist mit diesem Antrag aber bereits zweimal gescheitert. Noch im Rennen ist die norditalienische Region Lombardei, vertreten durch den Tessiner Anwalt Paolo Bernasconi. Die Region habe besonders in der Woche nach der Brandkatastrophe hohe Kosten für Helikoptereinsätze und die Versorgung von Brandopfern gehabt, so Bernasconi zur «NZZ».