Lawinen-Kettenreaktion möglich
250'000-Tonnen-Eisblock bedroht Bergdorf Randa VS

Über Randa VS bewegt sich am Hängegletscher Ost ein 250'000 Tonnen schwerer Eisblock talwärts. Mit dem Neuschnee steigt die Gefahr einer Eis- und Schneelawine, die im schlimmsten Fall zu einem extremen Szenario führen könnte.
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Für Randa VS bedeutet der frische Neuschnee nicht zwingend etwas Gutes.
Foto: Webcam

Darum gehts

  • Über Randa bewegt sich ein 250'000 Tonnen schwerer Eisblock bis zu 20 Zentimeter pro Tag talwärts
  • Neuschnee auf dem Bisgletscher kann bei einem Abbruch vom Eisblock sicher mitgerissen werden
  • Das Extremszenario gilt als unwahrscheinlich, da grosse Lawinengefahr im Winter selten besteht
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Mattia JutzelerRedaktor News

Die Gipfel und Berghänge rund um das Dorf Randa VS sehen am Donnerstagmorgen aus wie gezuckert. Der Neuschnee ist für das Bergdorf aber nicht nur ein Vorbote des kommenden Winters, sondern er verschärft auch die bereits bestehende Lawinengefahr. Am Hängegletscher Ost am Weisshorn über Randa hängt aktuell nämlich ein gewaltiger, 250'000 Tonnen schwerer Eisblock, der eine verheerende Lawine auslösen könnte.

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Dieser Eisblock «zeigt eine ununterbrochene Dynamik und schiebt sich derzeit mit bis zu 20 Zentimetern pro Tag talwärts», erklärt Norbert Carlen, Ingenieur für Naturgefahren beim Kanton Wallis, gegenüber dem «Walliser Boten». Die bevorstehenden Schneefälle machen die Situation nun noch gefährlicher.

Auf dem flacheren Plateau des Bisgletschers unter dem Eisblock könnte sich in den kommenden Wochen nämlich ein Meter oder mehr Neuschnee ablagern. «Wenn der ganze Block abbrechen würde, nimmt dieser den Schnee, der darunter auf dem Plateau liegt, sicher mit», erklärt Carlen im «Walliser Boten».

Kettenreaktion von dramatischen Ausmassen

Der Experte spricht von einer «hochdynamischen» Lawinensituation. Aber was heisst das genau? «Unter hochdynamisch versteht man, dass eine Lawine nicht nur aus Eis oder Schnee besteht, sondern aus einer Kombination von beiden Elementen», erklärt Stefan Margreth, Experte für Lawinenschutz am Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF im Gespräch mit Blick. «Die Durchmischung der Eis- und Schneepartikel erhöht das Volumen und die Bewegungsenergie der Lawine, was wiederum sowohl die Wucht als auch die Reichweite vergrössert.»

Wie zerstörerisch wäre eine solche hochdynamische Lawine aber für Randa? Laut Margreth ist das stark von der Lawinengefahr des jeweiligen Tages abhängig. «Das extremste Szenario wäre, wenn der Eisblock abrutscht und zusätzlich eine hohe Lawinengefahr herrscht», meint der Experte. «Wenn die Schneedecke instabil ist, kann es sein, dass die Eislawine noch zusätzliche Schneelawinen auslöst.» Eine solche Kettenreaktion könnte dramatische Ausmasse annehmen.

Extremszenario unwahrscheinlich

Muss sich Randa also diesen Winter für ein solches Extremszenario wappnen? «Einerseits muss die Eislawine abbrechen und es muss gleichzeitig eine extreme Lawinensituation bestehen. Das ist eher unwahrscheinlich», meint der Experte.

Eine grosse bis sehr grosse Lawinengefahr trete lediglich an weniger als fünf Prozent der Wintertage auf. «Wenn die Eislawine bei geringer Lawinengefahr auftritt, haben wir eine stabile Schneedecke. Da ist die Gefahr einer grossen Kettenreaktion relativ klein.»

Auch sei es möglich, dass der Eisblock nicht als Ganzes, sondern bruchstückweise abbricht. Das würde die Situation ebenfalls entschärfen. Der Kanton Wallis behält die Situation am Hängegletscher Ost trotzdem genau im Auge. Bereits im vergangenen August wurden nämlich stark erhöhte Bewegungen und eine Beschleunigung der Eismassen festgestellt.

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