Nach Schockbild vom Matterhorn
Ist jetzt der Herbstbetrieb auf dem Furggsattel in Gefahr?

Kann der Herbst-Skitest bei Zermatt wie geplant starten? Neue Aufnahmen vom Furggsattel zeigen dünnes, zerfallendes Gletschereis. Die Bergbahnen hoffen auf Naturschnee, Glaziologe Matthias Huss sieht wachsende Risiken.
Kommentieren
1/6
Solche perfekten Bedingungen vermissten die Wintersportler diesen Sommer auf dem Furggsattel.
Foto: Michael Portmann
RMS_Portrait_AUTOR_250.JPG
Marian NadlerRedaktor News

Anfang Woche sorgte ein Bild der Matterhorn-Südseite auf der Plattform X für betrübte Reaktionen. «Dieses Bild macht mich besonders traurig», sagte der Klimaforscher Reto Knutti gegenüber Blick dazu. «Viele Gletscher und Firnfelder, die die Gestalt der Berge geprägt haben, sind einfach verschwunden», bemerkte der Fotograf Robert Bösch. Nun liegen Blick neue, nicht weniger dramatische Bilder vor.

Eingesendet hat sie eine Leserreporterin. Sie zeigen eine stark zerklüftete Übergangszone zwischen Eis und freigelegtem Fels nahe der Furggsattel-Sesselbahn im Skigebiet bei Zermatt VS. Grössere Felsrippen ragen aus dem Eis hervor. Die Niveauunterschiede wirken erheblich.

Wars das mit Skifahren auf dem Furggsattel?

Die Bilder zeigen auch: Die Vorbereitungen für den Herbstbetrieb laufen bereits. Pistenfahrzeuge sind bereits im Gebiet. Nachdem die Zermatt Bergbahnen den Sommerskibetrieb auf dem Theodulgletscher aufgrund von hohen Temperaturen, fehlender nächtlicher Abkühlung und «veränderten Schnee- und Gletscherverhältnissen» am 31. Juli 2026 eingestellt haben, soll der Herbst-Skitest im Oktober und November normal ablaufen. Während dem Skitest in Zermatt können Skifahrerinnen und Skifahrer die neuesten Skimodelle der kommenden Saison direkt im Gletscherskigebiet ausprobieren – ein Highlight für passionierte Wintersportler. Auch die Furggsattel-Gletscherbahn soll ab Anfang Oktober grundsätzlich wieder in Betrieb sein, wie der Fahrplan auf der Webseite zeigt.

Über 5 Prozent des Eises der Schweizer Gletscher sind in diesem Jahr verschwunden. Das zeigen aktuelle Daten. Der untere und obere Theodulgletscher prägen das hochalpine Skigebiet rund um den Furggsattel. Es stellt sich also die Frage: Der Furggsattel soll Ende Oktober für den Skitest öffnen – aber gibt es die dafür benötigte Gletscheroberfläche und Pistenführung in ihrer bisherigen Form überhaupt noch?

Furggsattel-Express soll nach Plan öffnen

Bei den Bergbahnen ist man optimistisch, was den Herbstbetrieb anbelangt. Die Vorbereitungen laufen und orientieren sich laut Mediensprecherin Jenny Imboden an den üblichen Linienführungen.

Gleichzeitig räumt sie ein: «Der vergangene Sommer 2026 war sehr niederschlagsarm. Entsprechend fehlt derzeit insbesondere der natürliche Schneefall, der für die Vorbereitung und Öffnung der Pisten auf dem Theodulgletscher notwendig ist.» Sobald ausreichend Naturschnee fällt und die Verhältnisse eine sichere Präparation zulassen, sollen die entsprechenden Pisten aber vorbereitet und geöffnet werden. Der Furggsattel-Express soll planmässig in Betrieb genommen werden.

Von der Pisten- zur Infrastrukturfrage

Matthias Huss, Leiter des Schweizer Gletschermessnetzes Glamos, bewertet die Bilder der Leserreporterin unterdessen auf Blick-Anfrage weniger optimistisch. Der Zerfall des Theodulgletschers sei «wirklich eindrücklich». «Dass plötzlich Felsinseln inmitten des Eises auftauchen, ist kein Einzelfall», teilt er mit. Sie würden andeuten, dass die Eisschicht schon sehr dünn ist.

Die Entwicklung ist alarmierend. Huss ordnet ein: «Diese Felsen beschleunigen die Auflösung der Gletscherfläche auch noch weiter, indem sie sich aufheizen und sich schnell ausdehnen.» Er schätzt, dass an den beiden von der Leserreporterin fotografierten Stellen seit 2015 mindestens die Hälfte des Eises verloren ging. «In den letzten drei Jahren dürfte die Verlustrate eher bei 3 Metern pro Jahr im Schnitt liegen, dieses Jahr nochmals deutlich mehr.»

Für das Skigebiet bedeutet das, dass sich nicht nur die Landschaft verändert – sondern zunehmend auch der Untergrund, auf dem der Skibetrieb überhaupt erst möglich ist. Von ihren 17 Stützen sind zwölf als bewegliche «Schwimmstützen» auf dem Gletscher ausgeführt. Wenn das Eis unter einzelnen davon verschwindet, wird das zur Infrastrukturfrage und nicht bloss zur Pistenfrage. Wann dieses Problem die Bahninfrastruktur einholt, ist aber noch unklar.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen