«Innerhalb von drei Stunden trafen 80 Schwerverletzte ein»
2:02
Generaldirektor Eric Bonvin:«Innerhalb von drei Stunden trafen 80 Schwerverletzte ein»

«In solchen Momenten zählt jede Minute»
So verläuft die Behandlung der Brandopfer von Crans-Montana

Nach der Tragödie in Crans-Montana liegen momentan über 100 Verletzte in mehreren Spitälern der Schweiz. Die Behandlung der Brandopfer ist hochkompliziert – es gibt aber Hoffnung.
Kommentieren
1/6
Im Spital in Sitten befinden sich über 80 Verletzte.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Nach Brand in Crans-Montana: 80 Schwerverletzte in drei Stunden eingeliefert
  • Ärzte kehrten aus Ferien zurück, um Spitäler zu unterstützen
  • Monatelange Rehabilitation für Patienten mit schweren Verbrennungen erforderlich
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
RMS_Portrait_AUTOR_758.JPG
Natalie ZumkellerRedaktorin News

Sitten, Lausanne, Bern, Zürich – Spitäler in der ganzen Schweiz befinden sich nach der tragischen Brand-Katastrophe in Crans-Montana VS im Ausnahmezustand. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP erklärte Eric Bonvin, Generaldirektor des Spitals Sitten, es seien innerhalb von drei Stunden rund 80 schwer verletzte Personen eingetroffen.

«Es war eine extrem intensive Situation», so Bonvin. Ähnlich lief es am Zürcher Universitätsspital USZ ab – auch dort werden Opfer des Brandes behandelt. Gegenüber Blick erklärt Marcel Schlatter, Leiter der Medienstelle des USZ, es hätten sich zeitweise 16 Personen in Zürich befunden. Drei davon wurden inzwischen in andere Spitäler verlegt, am Samstag sollen sieben weitere ebenfalls ausgeflogen werden. Sechs Verletzte werden bleiben.

Ärzte zur Hilfe aus den Ferien zurückgekehrt

Bonvin erklärt, der Umgang mit Verbrennungen sei nicht einfach. «Zu Beginn sind Verbrennungen nicht unbedingt sichtbar, die Nervenenden sind verbrannt, sodass das Gefühl verloren geht und die Person vor allem unter Schock steht. In solchen Momenten zählt jede Minute.»

Schlatter betont derweilen, man benötige zur Behandlung auch viel Fachwissen. «Schwere Brandverletzungen sind besonders anspruchsvoll zu behandeln und benötigen neben spezialisierter Infrastruktur auch ein breit ausgebildetes Team. In der aktuellen Situation besteht die besondere Herausforderung in der Behandlung der schieren Masse an Schwerbrandverletzten, die personell, logistisch und infrastrukturell enorm aufwändig ist.»

Die Schwere der Verbrennungen der Patienten und Patientinnen in Sitten sei unterschiedlich gewesen, einige wiesen auch Schäden an den Atemwegen auf. «Es kam zu Rauch- und Hitzeeinatmungen, die bei einigen wahrscheinlich zu inneren Verbrennungen geführt haben», so Bonvin. 

Für das Spital Sitten bedeutet die grosse Anzahl an Verletzten einen Ausnahmezustand – viele der Angestellten, die in den Ferien waren oder den Abend über frei hatten, kamen zur Unterstützung zurück. «Das hat gut funktioniert, es war jedoch für alle schwer zu ertragen», erklärt Bonvin. «Wahrscheinlich auch, weil sich jeder fragte: ‹War mein Kind, mein Cousin, jemand aus der Region auf dieser Party?›.»

Mehrere Herausforderungen während der Behandlung

Besonders herausfordernd sei es auch, so Schlatter, sich bei einem solchen Unglück einen Überblick zu verschaffen. In den ersten Stunden nach der Ankunft der vielen Verletzten beschäftigte man sich mit dem Erfassen der Patientenanzahl und der Verletzungsausmasse.

Derzeit stellt die Verteilung der Patienten und Patientinnen auf spezialisierte Brandverletztenzentren im In- und Ausland die grösste Herausforderung dar. Auch langfristig steht man vor Problemen.Das «Ausbehandeln der grossen Anzahl der Patienten mit äusserst schweren Verletzungen, die alle gleichzeitig zu einem Zeitpunkt entstanden sind», sei schwierig.

«Anders als im normalen Krankenhausbetrieb, in der Patienten mit Verletzungen unterschiedlicher Art, Schwere und Unfallzeitpunkt – und somit auch verschiedenem Stadium der Behandlung – vorliegen, müssen bei diesem Unfall eine grosse Anzahl von Brandverletzten in der gleichen Behandlungssequenz betreut werden», so Schlatter.

Gerade die ersten Wochen seien äusserst aufwändig und bedeuten für die Spitalstationen «Operationen, Verbandswechsel in hochfrequentem Rhythmus mit begleitender komplexer intensivmedizinischer Betreuung, Diagnostik, Komplikationsmanagement und so weiter. Als grösstes Schwerbrandverletztenzentrum der Schweiz fokussieren wir uns auf die höchst kritischen und schwerstverbrannten Patienten. Die Behandlung ist seit den Morgenstunden des Neujahrtages im Gang und läuft auch aktuell durchgehend.»

«Sie haben noch viel Lebenskraft»

Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit sehr schweren Verbrennungen kann Monate dauern – «Man muss wissen, dass für Menschen mit schweren Verbrennungen die Intensivbehandlung mehrere Monate dauert und dann eine lange Rehabilitationsphase folgt.» Schlatter ergänzt, die Genesung könne bei einigen Opfern auch «Jahre» dauern.

Dies mag zwar entmutigend tönen, für Bonvin ist aber klar: «Es dauert zwar lange und erfordert Geduld, ist aber nicht hoffnungslos. Sie sind jung und das bedeutet, dass sie noch viel Lebenskraft haben.»

Das Schweizerische Rote Kreuz gab bekannt, die Blutbestände nach der Tragödie in Crans-Montana genau zu beobachten. Momentan befänden diese sich auf normalen Niveau, die Spitäler können versorgt werden – wer spenden kann, soll sich nichtsdestotrotz melden, um die Versorgung weiterhin sicherzustellen.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen