Darum gehts
- Mutter aus Lutry VD nach Brandkatastrophe ihres Sohnes gekündigt
- Schwer verletzter Sohn kämpfte vier Monate in deutscher Klinik
- Vater des Brandopfers erhielt von seiner Firma Unterstützung
Monatelang wich eine Schweizerin kaum von der Seite ihres schwer verletzten Sohnes. Bei der verheerenden Katastrophe in Crans-Montana zog sich der 18-Jährige aus Lutry VD schwerste Verbrennungen zu, kämpfte ums Überleben. Für die Mutter kam dann vier Monate nach dem Inferno der nächste Schock: Ihr Chef kündigte ihr per Telefon.
«Mein Arbeitgeber sagte, ich könne mich so ohne Druck um meinen Sohn kümmern. Ich war schockiert und brach zusammen», sagte sie gegenüber «24 heures».
Eltern wussten nicht, ob Sohn überleben wird
Auch ihr Mann ist empört: «Man hätte warten und das Gespräch nach ihrer Rückkehr in die Schweiz führen können. Mein Arbeitgeber hat mich beispielsweise unterstützt: Die Kollegen sammelten Geld, und mein Chef riet mir, erst in Teilzeit zurückzukehren.»
Lange wussten die Eltern nicht, ob ihr Sohn überleben werde. «Der Arzt sagte uns, er könnte sterben. Ich erkannte ihn nicht. Nur sein Fuss war unverletzt», erinnert sich die Mutter.
«Ich war geschockt»
Wegen Kapazitätenmangels in der Schweiz wurde der Sohn in eine Spezialklinik nach Halle (D) verlegt.
Vier Monate blieb die Mutter in Deutschland – unterstützt von der Opferhilfe, die Unterkunft und Reisekosten übernahm. Am 30. April konnte der Teenager schliesslich in die Schweiz zurückkehren. Eine Woche zuvor hatte die Mutter die Kündigung erhalten.
«Ich war geschockt, wie gelähmt. Ich erzählte die Nachricht meinem Sohn. Auch er war völlig verzweifelt», sagt sie zu «24 heures».
So sieht die rechtliche Lage aus
Rechtlich ist es in der Schweiz so: Wenn Eltern wegen eines solchen Schicksalsschlags krankgeschrieben werden, ist der Kündigungsschutz limitiert. Arbeitet man seit zwei bis fünf Jahren im selben Betrieb, beträgt die sogenannte Sperrfrist exakt 90 Tage. Nach deren Ablauf kann der Arbeitgeber grundsätzlich wieder ordentlich kündigen, sofern keine anderen rechtlichen Hindernisse bestehen. Ab dem 6. Dienstjahr erhöht sich die Sperrfrist auf 180 Tage.
Ob das auch im Falle der betroffenen Mutter so abgelaufen ist, ist unklar. Jedoch würde der geschilderte Ablauf auf dieses Szenario passen.