Darum gehts
- Leitender Arzt des CHUV suspendiert wegen falscher Berichtsunterzeichnung
- Betroffene Operationsberichte betreffen auch Brandopfer aus Crans-Montana mit schweren Verletzungen
- Über 20 Beschwerden wegen Mobbing und sexistischer Kommentare gegen den Arzt
Erst vor wenigen Tagen sorgte die Suspendierung eines leitenden Chirurgen am Universitätsspital Lausanne (CHUV) für Schlagzeilen. Der Arzt soll nach Angaben des Westschweizer Sender RTS medizinische Dokumente gefälscht haben. Er wurde bei der Waadtländer Staatsanwaltschaft angezeigt. Konkret soll der Chirurg seinen Namen unter Operationsberichte gesetzt haben, obwohl er bei den Eingriffen nicht dabei war. Brisant: Dabei ging es auch um Operationen von Crans-Montana-Brandopfern.
Nun zeigt sich, dass der Arzt bereits in der Vergangenheit immer wieder aufgefallen war. Wie «Le Temps» berichtet, gab es bereits seit Monaten interne Warnungen gegen den Mediziner. Über 20 interne Beschwerden gingen gegen den Chirurgen ein.
Vorwürfe wegen Belästigung und Mobbing
Die Vorwürfe umfassten laut «Le Temps» psychische Belästigung und unangemessenes Verhalten gegenüber Kollegen – auch in Anwesenheit von Patienten.
Dazu gehörten wiederholte Herabsetzungen, sexistische Bemerkungen sowie öffentliche und spöttische Kritik an der Arbeit der Teams. Darüber hinaus wird dem Arzt vorgeworfen, sich auf finanzielle Angelegenheiten fokussiert zu haben – zum Nachteil des Patientenwohls und zum Nachteil des Teams.
Auf Anfrage von «Le Temps» wollte sich der betroffene Arzt nicht äussern. Auch das CHUV erklärte gegenüber der Zeitung, es könne sich aus Datenschutzgründen weder zu den Beschwerden noch zu einer möglichen internen Untersuchung äussern.
Falsche Angaben wirken sich auf Abrechnung aus
Der Skandal um die Unterzeichnung der Operationsgerichte rückt die vergangenen Vorfälle rund um den betroffenen Arzt und die Reaktion der Spitalleitung nun in ein neues Licht. Im Fall der gefälschten Dokumente betonte die Generaldirektorin des CHUV bereits, dass die Qualität der medizinischen Versorgung davon nicht betroffen gewesen sei. Alle Eingriffe seien von kompetenten Fachärzten durchgeführt worden.
Die falschen Angaben könnten jedoch Auswirkungen auf die Abrechnung, die Patientenakten und den beruflichen Leistungsnachweis der tatsächlich anwesenden Ärzte in Ausbildung haben.