Mazda Farshad
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Gründer Mazda Farshad:«Empathie haben, das wird der Mensch immer besser können»

KI im Operationssaal
Operieren uns bald die Roboter?

Im OR-X der Zürcher Universitätsklinik Balgrist trainieren Chirurginnen und Chirurgen an Simulatoren, Forschende testen Roboter und KI. Blick-Digitalredaktor Tobias Bolzern hat selbst gebohrt und erfahren, warum der Chef des Hauses vor zu viel Euphorie mahnt.
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Mazda Farshad ist Medizinischer Spitaldirektor des Balgrist und Initiator des OR-X. Neue Technik soll für ihn die Chirurgen stärken, nicht ersetzen.
Foto: Valeriano Di Domenico

Darum gehts

  • Balgrist öffnete seinen Forschungs-OP während Zürcher AI-Festival
  • Spitaldirektor sagt: Roboter bringen beim Resultat bisher wenig Mehrwert
  • Swissmedic weiss nicht, wie viele KI-Medizinprodukte im Einsatz sind
Tobias Bolzern: Digital Redaktor bei Blick.
Tobias BolzernRedaktor Digital

«Brrrrrrrrrrrrrrrrrr». Der Bohrer in meiner Hand vibriert, 25 Zentimeter lang, die Spitze sitzt auf einem Wirbel. Ich drücke. Der Knochen wehrt sich, erst hart, dann gibt er nach. Darunter liegt der Spinalkanal, die Röhre mit dem Rückenmark.

Nur: Da ist kein echtes Rückenmark. Auf meiner Nase sitzt eine Virtual-Reality-Brille von Meta, der Bohrer ist ein Griff an einem Roboterarm, der den Widerstand des Knochens simuliert. Damit üben Chirurginnen und Chirurgen, Schrauben in die Wirbel zu setzen, um eine gebrochene oder verformte Wirbelsäule zu versteifen. Die Simulation stand am AI+X Summit in Zürich-Oerlikon, einem Anlass des AI Festivals, das Anfang Oktober stattfand. Die Universitätsklinik Balgrist öffnete für den Event den zehnten OP im ehemaligen Bunker unter der Klinik. Der OR-X ist das chirurgische Trainings- und Forschungszentrum der Klinik. Hier trainieren Chirurgen und Forschende vom Balgrist, der Universität Zürich und der ETH und testen neue Technik. Das Zentrum soll sicherstellen, dass Roboter, KI und andere Neuerungen erprobt sind, bevor sie zum Patienten kommen.

Millionenschwerer Roboter

Operieren uns also bald nur noch Roboter? «Im Moment sind wir noch sehr weit davon entfernt», sagt Mazda Farshad, Medizinischer Spitaldirektor des Balgrist und Initiator des OR-X. Die Roboter helfen heute aber etwa bei Teilschritten bei Knieprothesen oder eben beim Setzen von Schrauben in der Wirbelsäule.

Operationsroboter stehen inzwischen in mehreren Schweizer Spitälern. Das Unispital Basel hat 2026 laut «Schweiz aktuell» für rund 3,5 Millionen Franken einen OP-Roboter angeschafft. «Robotik ist die Zukunft, da bin ich sicher», sagt die Herzchirurgin Hassina Baraki im Juni in der SRF-Sendung. Selbständig arbeitet heute keiner dieser Roboter. Sie bewegen sich nur, wenn ein Mensch sie steuert. Und: Ob sich der Aufwand lohnt, ist offen. Wer Studien anschaue, sehe beim Endresultat «eigentlich wenig Mehrwert» der robotisch assistierten Operationen, sagt Farshad.

Wenn der Roboter mithört

Damit sich das ändert, sollen Roboter Sinne bekommen: Sehen und Hören, sagt Farshad. Um mit diesen Daten etwas anzufangen, brauchen sie schlaue Systeme: also KI. Das Ziel sei, die Leistung der Chirurgen zu stärken. Fabio Carrillo, Forschungsleiter des OR-X, zeigt, wie das aussehen kann: Ein Roboterarm fährt mit einer Ultraschallsonde über den Unterarm eines Mitarbeiters. Weil der Roboter jederzeit weiss, wo er ist, baut eine KI aus den Bildern in Echtzeit ein 3D-Modell des Knochens. Das Ziel: Navigation im OP ohne Röntgenstrahlen. Ein anderes Projekt nutzt den Klang des Bohrers, um zu erkennen, in welcher Knochenschicht er steckt.

Viel Papierkram

Doch wie lange der Weg zum Patienten ist, zeigt ein Projekt der Forschungsgruppe ROCS (Research in Orthopedic Computer Science) mit Augmented Reality (AR), also dem Einblenden digitaler Informationen ins Sichtfeld. In der Universitätsklinik Balgrist wurden damit elf Patienten an der Wirbelsäule operiert. Die Chirurgen trugen eine handelsübliche Hololens von Microsoft, die nicht für die Medizin zertifiziert ist. Die Klinik musste deshalb selbst nachweisen, dass sie sicher ist, und Swissmedic musste die Studie bewilligen. «Das sind zwei Jahre intensive regulatorische Arbeit», sagt Flora Vajda, die am Balgrist Innovation und Partnerschaften leitet. Von der Idee bis zur Realisation waren es fünf Jahre. Das Fazit des Projekts: Die AR-Brille taugt für die Ausbildung, für die Behandlung von Patienten bietet sie bisher keine Vorteile.

Ein Register für Produkte

Wie viele Geräte mit KI aktuell in Schweizer Operationssälen stehen, ist unklar. Das Register für Medizinprodukte ist seit dem 1. Juli Pflicht, für ältere Geräte läuft die Frist bis Ende Jahr. Ob ein Gerät KI nutzt, steht nicht drin, erklärt Swissmedic auf Anfrage. Eine Zulassung durch eine Behörde wie bei Medikamenten gibt es für Medizinprodukte nicht. Kontrolliert wird trotzdem. Der Hersteller muss nachweisen, dass sein Produkt sicher ist, bei heikleren Geräten prüft das eine unabhängige Stelle. Danach beobachtet er sein Gerät und meldet schwerwiegende Vorfälle. Swissmedic überwacht den Markt und kann eingreifen.

Heikel wird es bei KI, die sich nach dem Verkauf verändert. International werde an Regeln gearbeitet, damit Hersteller geplante Veränderungen im Voraus prüfen lassen könnten, so Swissmedic. Start-ups gehen laut Vajda oft zuerst in die USA, weil der Weg auf den Markt dort schneller ist. Der Bund will Medizinprodukte, die in den USA von der Behörde FDA zugelassen sind, in Zukunft auch bei uns erlauben – sofern sie die hiesigen Anforderungen an die Patientensicherheit erfüllen. Die Verordnung soll bis im dritten Quartal 2027 folgen.

Kein Neustart möglich

Zurück in der Simulation. Ich habe fertig gebohrt und blende das CT-Bild ein. Durchgebohrt, hoppla! Kein Problem: Die Wirbelsäule lässt sich in der Simulation beliebig oft zurücksetzen. Im echten OP wäre dies verheerend. Darum ist für Farshad klar, wer am Ende entscheidet. Ein Roboter sei «am Schluss ein Instrument», vergleichbar mit einem Messer. Die volle Verantwortung liege aber bei der Chirurgin oder beim Chirurgen. Und sie haben keinen Neustartknopf.

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