Ausgerechnet jetzt!
Pflegeverband vor Aus – was heisst das für Berufsleute am Limit?

Dem Pflege-Dachverband Alliance Care droht wegen Schulden und Führungsfehlern die Auflösung. Ausgerechnet jetzt, wo mit der Umsetzung der Pflege-Initiative wichtige Entscheide anstehen! GLP-Nationalrat und Pfleger Patrick Hässig ist enttäuscht.
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Pflegefachkräfte hielten während der Pandemie die Versorgung aufrecht. Die Solidarität mit ihnen war gross.
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Darum gehts

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Riccarda CampellRedaktorin Politik

Während der Corona-Pandemie klatschten Tausende Menschen von Balkonen und aus Fenstern für das Pflegepersonal. Unter der Zürcher Hardbrücke liessen Züge die Hörner ertönen. Pflegefachkräfte hielten die Versorgung aufrecht und behandelten trotz Ansteckungsgefahr Tag für Tag Covid-Patienten in überfüllten Spitälern. Die Solidarität mit ihnen war gross.

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Heute steht der Dach-Pflegeverband Alliance care vor dem Aus.
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Heute steht der Dachverband der Pflegefachpersonen, Alliance care, vor dem Aus. Im September beantragte der Steuerausschuss, die Organisation aufzulösen. Die Gremien entscheiden am 14. Oktober endgültig über den Antrag. Geschäftsführerin Yvonne Ribi (50) zog bereits persönliche Konsequenzen: Sie stellte ihre Stelle zur Verfügung. Rückblickend muss sie gegenüber der «NZZ am Sonntag» eingestehen: «Die Strategie war zu ambitioniert.» Und: «Der Stellenbestand war im Verhältnis zu den Einnahmen von Anfang an zu hoch.»

Mehr als drei Millionen Franken Schulden

Bereits im Juni musste Alliance Care 17 der 91 Mitarbeitenden entlassen. Zudem gewährte der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) dem Dachverband ein Darlehen. Inzwischen hat Alliance Care Schulden von mehr als drei Millionen Franken angehäuft.

Bei führenden politischen Vertretern des Pflegepersonals lösen die aktuellen Vorkommnisse Sorge aus. «Die Finanzverantwortlichen des Verbands haben sehr schlechte Arbeit geleistet», sagt GLP-Nationalrat Patrick Hässig (47) zu Blick. «Das Projekt ist zu gross geworden. Man wollte in kürzester Zeit zu viel erreichen und hatte die Finanzen nicht im Griff. Man hat den externen Beratern offenbar blind vertraut. Nun hat man die Quittung.»

Alliance Care wurde erst im Juni 2025 gegründet. Der Dachverband sollte die verschiedenen Pflegeverbände unter einem Dach vereinen und insbesondere auch Pflegekräfte ohne Diplom vertreten. Der SBK berücksichtigt diese Berufsgruppe bisher nicht. «Ich habe Bedenken, dass genau diese Personen jetzt weniger sichtbar sind», sagt Hässig.

Was heisst das für Pflege-Initiative?

Als einziger Bundespolitiker, der in einem Teilzeitpensum selbst in der Pflege arbeitet, sieht sich Hässig nun besonders in der Pflicht. Doch auch seine Kolleginnen und Kollegen aus der Politik müssten Verantwortung übernehmen. «Jetzt liegt es an den Parlamentarierinnen und Parlamentariern, diese Berufsgruppe mittels der Umsetzung der Pflege-Initiative zu unterstützen. Der Verband ist aktuell geschwächt.»

Auch den SBK sieht Hässig in der Verantwortung. «Er muss aus dem Dornröschenschlaf erwachen und das Zepter in die Hand nehmen. Und das muss möglichst schnell geschehen. Denn der SBK und ihre Verantwortlichen haben in der Vergangenheit hervorragende Arbeit geleistet.»

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Denn die Pflegebranche arbeitet am Limit. Das spürt auch die Bevölkerung. «Noch immer sind Tausende Stellen unbesetzt. Zudem verlassen viele Pflegefachkräfte ihren Beruf schon nach kurzer Zeit wieder», sagt Hässig. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Bedeutung der Pflege.

«Die Demografie spricht ihre eigene Sprache. Unsere Bevölkerung wird immer älter. Wir haben immer mehr Grosseltern in unserem Land, aber zu wenige junge Menschen, die nachkommen», so Hässig. Deshalb brauche es bessere Arbeitsbedingungen für jene Menschen, die heute im Pflegeberuf arbeiten. Hässig ist überzeugt, dass die Bevölkerung der Pflege auch künftig den Rücken stärken wird.

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