Warum sich Senioren immer wieder abzocken lassen
«Betrüger versuchen gezielt, ihre Opfer zu isolieren»

Täglich fallen Schweizer auf perfide Betrugsmaschen herein. Kriminelle Banden stehlen Millionen von Franken – vor allem von Senioren. Experten warnen: Einmal überwiesen, ist das Geld oft für immer verloren.
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Ob Schockanruf oder Anlagebetrug: Betrügern fallen immer neue Maschen ein, um Senioren das Geld aus der Tasche zu ziehen. (Symbolbild)
Foto: imago/Eibner

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kriminelle Banden betrügen ältere Schweizer jährlich um Millionen Franken.
  • Polizei, Verbände und Banken setzen auf Prävention
  • Experten erklären, warum diese wichtig ist, aber nicht immer wirkt
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Sebastian BabicReporter Blick

Ob Investmentversprechen, Money-Mule-Konzept oder Schockanrufe: Betrüger finden immer neue Möglichkeiten, den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Opfer: meist betagte Leute, die über Jahrzehnte etwas Vermögen aufbauen konnten.

Zuerst erschleichen sich die Betrüger das Vertrauen des Opfers. Dann machen sie Druck – bis das Opfer fünf- oder sechsstellige Beträge überweist. Oft auf Konten im Ausland. Ist die Überweisung einmal getätigt, gibt es keinen Weg zurück. 

Seit Jahren betreiben Polizei, Banken und Seniorenverbände Prävention. Das Ziel: potenzielle Opfer warnen.

Kein Einzelfall

Auch Medien betreiben wichtige Aufklärungsarbeit, wie der stellvertretende Bankenombudsmann Martin Frei gegenüber Blick erklärt. Er findet: «Es gehört zur Prävention, zu zeigen, was passieren kann und welche Schicksale dahinterstehen.» Frei führt aus: «Es gibt wirklich tragische Fälle, in denen Existenzen vernichtet werden und Menschen anschliessend möglicherweise auf Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen angewiesen sind.»

Zwar würden Banken ihr Möglichstes versuchen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Nur: Sie bewegen sich dabei auf dem schmalen Grat zwischen Schutz und Bevormundung.

Laut Frei gibt es zwar interne und automatisierte Alarmsysteme, wodurch Banken direkt beim Kunden Abklärungen träfen. Diese seien aber nicht auf alle Senioren anwendbar. «Wir erhalten auch Beschwerden von Kunden, bei denen eine Zahlung wegen einer solchen Abklärung nicht sofort ausgeführt wurde», erklärt Frei. «Diese fühlen sich bevormundet, wenn die Bank nachfragt, wofür sie ihr Geld verwenden wollen.»

Frei betont, dass ältere Menschen nicht alle über einen Kamm geschoren werden sollten. «Grundsätzlich müssen Kundinnen und Kunden als mündige Menschen behandelt werden.»

Einsame Menschen beliebte Opfer

Banken haben weitere Möglichkeiten, Betrügereien vorzubeugen, wie Thomas Ammann, Sprecher der Postfinance, zu Blick sagt. «Für ältere Menschen empfehlen wir teilweise, eine Kontovollmacht für ihre Kinder oder andere Angehörige einzurichten. Dies würde es Postfinance erlauben, bei einem Betrugsverdacht alle Bevollmächtigten zu kontaktieren.»

Doch was, wenn es keine näheren Verwandten gibt, die einem helfen können? Einsamkeit ist ein wichtiger Faktor, wie Frei erklärt: «Menschen, die in ihrem Umfeld niemanden haben, bei dem sie sich rückversichern können, sind besonders betroffen. Die Betrüger versuchen sogar gezielt, ihre Opfer von ihrem Umfeld zu isolieren.»

Die Experten sind sich einig: Ist das Geld einmal weg, ist es fast unmöglich, es wieder zurückzuholen. Frei erklärt: «Entscheidend sind eher Minuten als Stunden. Das Geld wird extrem schnell weiter transferiert. Über Krypto oder andere Wege.»

Ammann ergänzt: «Wichtig ist in jedem Fall, sich schnellstmöglich mit der eigenen Bank in Verbindung zu setzen.»

Doch wieso wirkt die Prävention nicht? «Es ist wie bei der Hydra: Schlägt man ihr den Kopf ab, wachsen zwei neue nach», erklärt Frei. «Die Methoden werden laufend angepasst. Sobald eine bestimmte Betrugsmasche bekannt ist und nicht mehr so gut funktioniert, entwickeln die Betrüger neue Varianten.»

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