Darum gehts
- Prime Energy meldete im November 2024 Insolvenz an, Ermittlungen laufen
- Firma lockte Senioren mit grüner Energie, Renditeversprechen waren trügerisch
- Berater mussten monatlich Anteile im Wert von 100'000 Franken verkaufen
Prime Energy galt als grundsolid und als Vorzeigemodell der Energiewende. Mit dem Geld der Anleger sollten Solarparks in der Schweiz und im Ausland erstellt werden.
Doch im November 2024 meldete die Firma Insolvenz an. Ein Schock für viele Anleger. Gerade auf Senioren hatte es das Unternehmen kurz vor dem Zusammenbruch abgesehen, wie «24 Heures» berichtet. Die Genfer Staatsanwaltschaft ermittelt.
«Geste für ihre Enkelkinder»
Im Zentrum der Ermittlungen steht eine aggressive Verkaufsstrategie: Ein Genfer Team aus sechs Finanzberatern führte täglich bis zu 200 Kaltakquise-Anrufe durch. Laut Aussagen einer ehemaligen Marketing- und Kundenbeziehungsmanagerin, die Anfang März von der Genfer Staatsanwaltschaft befragt wurde, wurden Berater dazu gedrängt, monatlich Anteile im Wert von 100'000 Franken zu verkaufen.
Um vor allem ältere Anleger zu überzeugen, griff PrimeEnergy auf emotionale Argumente zurück. Rentnern wurde eingeredet, dass sie mit Investitionen in grüne Energie eine «Geste für ihre Enkelkinder» machen würden. Die Anleihen versprachen Renditen zwischen 2,5 und 5 Prozent. Mit dieser Masche gelang es dem Unternehmen, eine breite Basis von Anlegern zu gewinnen.
Gelder flossen zum Teil nach Portugal
Bestehende Kunden wurden regelmässig kontaktiert, um sie zu weiteren Investitionen zu bewegen, und zu Veranstaltungen eingeladen, um das Vertrauen in das Unternehmen zu stärken.
Doch die finanziellen Zusagen erwiesen sich als trügerisch. Während die Kunden auf hohe Renditen hofften, floss ein Teil des eingesammelten Geldes in Projekte wie Immobilienkäufe und den Aufbau eines Geschäfts mit medizinischem Cannabis in Portugal.
Immer wieder werden besonders Senioren gezielt um ihr Geld betrogen, wie diese drei Beispiele zeigen.
Ganzes Konto leer geräumt – Berner Ehepaar Jost ist pleite
Das Schicksal von Peter Jost (73) und seiner Frau machte im November vergangenes Jahr betroffen. Er wollte sich am 7. Juli 2025 wie gewohnt in sein E-Banking einloggen. Was der Senior dabei nicht bemerkte: Seine Suchmaschine führte ihn auf eine gefälschte Bank-Seite. Nun ist das Ehepaar Jost das ganze Ersparte los. «Uns wurden 20'000 Franken gestohlen, und die Bank lässt uns allein!»
Gestohlen wurde auch der Solidaritätsbeitrag, den Anne-Marie Jost (71) vom Bund erhalten hatte, weil sie als Kind verdingt worden war. Der Bund hatte ehemaligen Verdingkindern den Beitrag von 25'000 Franken als Zeichen der Anerkennung für das erlittene Unrecht zugesprochen.
Senior glaubte an Mega-Lottogewinn
Im Jahr 2025 machte die Geschichte von Andrin W.* Schlagzeilen. Der Rentner aus Spiez BE hatte auf seinem Sparkonto knapp 200'000 Franken. Geld, das der selbständige Automechaniker mühsam angespart hatte, bevor er sich mit 79 Jahren zur Ruhe setzte.
Auf das Geld war er angewiesen, eine Pensionskasse hat er keine, die AHV-Rente reicht nicht. Ein E-Mail veränderte sein Leben und nahm ihm das Geld weg. Er habe im Lotto gewonnen, hiess es darin. Um den Gewinn zu erhalten, müsse er einen E-Banking-Zugang einrichten. Der Senior willigt ein und verliert sein Geld.
Rentner verliert 40'000 an Betten-Dealer
2017 schwatzte eine dubiose Firma dem Rentner Willy Schaller (69) mit einer penetranten Verkaufstaktik zwei Betten für den horrenden Preis von über 20'000 Franken auf. Als die Betten drei Jahre später kaputtgingen und Schaller reklamierte, zog ihm die Firma erneut 20'000 Franken für Ersatzbetten aus der Tasche – diese kamen nie an.
Schaller zeigte die Bettenfirma an, doch laut der Staatsanwaltschaft hätte er vorsichtiger sein müssen. Auch eine Privatklage brachte nichts, da die Bettenfirma wenig später Konkurs ging – wie schon die Vorgängerfirma.
* Name geändert