Darum gehts
- FCZ-Fans blockieren Bahnhof Bern wegen Zugproblemen vor Spiel gegen FC Sion
- 15.07-Uhr-Zug nach Sitten fällt aus, Fans sitzen in Bern fest
- Anpfiff vorverlegt auf 18 Uhr, da keine Extrazüge verfügbar sind
Am Samstagnachmittag herrscht am Bahnhof Bern Ausnahmezustand. Zahlreiche FCZ-Fans in dunkelblauen Jacken, hellblauen Jeans und weissen Sneakern haben den Bahnhof in Beschlag genommen. Sie grölen Fangesänge und zünden Rauchpetarden.
Grund dafür? Ein Auswärtsspiel. Zwar findet das Spiel gegen den FC Sion in Sitten statt, da die SBB aber wegen einer Baustelle keinen Extrazug zur Verfügung stellen konnten, müssen die Fans mit dem regulären öffentlichen Verkehr anreisen.
Viel Polizei und noch mehr Fans
Das wird, wie es aussieht, zu einer Herausforderung. Die SBB informierten bereits, dass mit stark ausgelasteten Zügen und Einschränkungen gerechnet werden muss.
Mehrere Leserinnen und Leser teilen ihre Eindrücke mit der Redaktion und sagen: «Hier herrscht absoluter Ausnahmezustand!» Neben den vielen Fussballfans ist auch die Polizei vor Ort, und zwar mit einem «riesigen Aufgebot», wie ein Leser berichtet.
Spiel vorverlegt
Er erzählt auch, dass die FCZ-ler bisher nur Rauchpetarden gezündet hätten und noch keine Pyros – sogenannte Seenotfackeln. Eigentlich müssten die Zürcher ja noch weiterreisen, um ihren Verein zu unterstützen. Hier in Bern bringen die Fangesänge wenig.
Ausgerechnet aber der Zug nach Sitten um 15.07 Uhr, den die Fans, wie ein Leser berichtet, angepeilt hatten, hat eine Störung. Die FCZ-Fans stecken also aktuell am Bahnhof Bern fest. Eigentlich hätte das Spiel auch um 20.30 Uhr beginnen sollen. Aufgrund der Situation mit den nicht vorhandenen Extrazügen wären die Fans aus Zürich nach Spielende aber gar nicht mehr nach Hause gekommen. Darum wurde das Spiel am Samstag auf 18 Uhr vorverlegt.
Fans werden stehen gelassen
Das Thema mit den Extrazügen ist nicht neu. Bereits Ende Juli wurde bekannt, dass das Angebot mit den Extrazügen eingeschränkt wird. Zu Zeiten, in denen regulär kein anderer Zug mehr fährt, rollen auch keine Extrazüge mehr. Fussballfans könnten dann also, je nach An- und Abpfiff, in die Röhre schauen und zum Beispiel im Tessin oder eben im Wallis stranden.
Gegen die Änderungen protestierten Fans des anderen Zürcher Fussballklubs, dem Grasshopper Club Zürich, auf ihre Art. Zum letzten Match in Lausanne reisten sie mit dem normalen Zug, rauchten im Zug, zogen mehrfach die Notbremse und machten die Heimfahrt für alle Nicht-Fussball-Fans zur Zerreissprobe. Den Mitreisenden verteilten sie Flyer, um auf den Abbau des Angebots aufmerksam zu machen.
Brandalarm in Zug Nach Bern
Wie die SBB-Medienstelle am Samstagabend schreibt, kam es auch zwischen Zürich und Bern zu Zwischenfällen. «Fans des FC Zürich haben auf der Fahrt ins Wallis im IC1 zwischen Zürich und Bern sowie im IC8 in Bern wiederholt den Brandalarm ausgelöst.»
Die beiden Züge konnten aufgrund dieser sicherheitsrelevanten Ereignisse nicht weiterfahren und fielen ab Bern aus. Dies hatte Verspätungen zur Folge, so die SBB. «Die SBB verurteilt dieses Verhalten aufs Schärfste und wird die Ereignisse in den nächsten Tagen mit der Polizei und den Bewilligungsbehörden aufarbeiten», teilt die Medienstelle mit.
Auch Flyer verteilten die Fans wieder im Zug. Aussehen tun diese wie Flyer der SBB. «Sie wurden durch Fussballfans gestört und möchten Ihr Billett rückerstatten lassen?», steht drauf. Unten sind Kontaktdaten der SBB aufgeführt. Anstatt alleine gegen die SBB zu wettern, holen sich die Fans nun also Pendlerinnen und Pendler ins Boot – oder halt in den Zug.