Darum gehts
- Pegasos führt Sterbehilfe in Nunningen SO ohne Baubewilligung durch
- Nach Verwaltungsgerichtsentscheid will Pegasos nachträglich Gesuch einreichen
- Jährlich begleitet Pegasos in Nunningen rund 150 Menschen in den Tod
In Nunningen SO begleitet die Basler Sterbehilfeorganisation Pegasos Menschen aus dem In- und Ausland in den Tod. In ländlicher Umgebung, in einem Nebengebäude eines Gasthofs. Seit zwei Jahren nutzt der Verein das Sterbehospiz, jährlich treten rund 150 Menschen aus dem In- und Ausland ihre letzte Reise nach Nunningen an.
Um die Liegenschaft für Freitodbegleitungen zu nutzen, hat Pegasos jedoch nicht um eine Baubewilligung ersucht. Dies beanstandete zuerst die Gemeinde, danach auch das zuständige Bau- und Justizdepartement des Kantons Solothurn. Gegen dessen Verfügung erhob Pegasos erfolglos Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Dieses befand, die baurechtliche Bewilligung für die Tätigkeit fehle der Organisation, die Einrichtung sei vorwiegend auf die medizinische und psychologische Sterbebegleitung ausgerichtet, was mit einer Bewilligung für Gastgewerbe nicht abgedeckt sei.
Urteil akzeptiert
Diesen Entscheid des Solothurner Verwaltungsgerichts zieht Pegasos nicht weiter, wie die Sterbehilfeorganisation auf Anfrage von Blick bekannt gibt: «Derzeit sind wir an der Erarbeitung eines Umnutzungsgesuchs für unsere Liegenschaft», sagt ein Sprecher. Pegasos begleite in Nunningen aber unverändert Menschen in den Tod, «da die Nutzung unserer Liegenschaft dafür nicht untersagt wurde».
Die juristische Auseinandersetzung und Interpretation von Paragrafen geht parallel ebenso weiter, die Gemeinde wird über die Umnutzung zu befinden haben, bis am 15. Juli muss Pegasos laut Gerichtsentscheid ein Baugesuch einreichen.
Wiederholt in der Öffentlichkeit
Die Organisation sorgt regelmässig für Schlagzeilen, vor allem mit Freitodbegleitungen von Sterbewilligen aus dem Ausland. Zuletzt erregte der Fall einer Britin (†56) Aufsehen: Verwandte warfen Pegasos vor, nichts vom Todeswunsch der gesunden Frau gewusst zu haben.
Hinter Pegasos steht Ruedi Habegger (72), der einst dem Australier Philip Nitschke (78) helfen wollte, die Todeskapsel Sarco in die Schweiz zu bringen. Habegger zog sich dann wegen juristischer Bedenken zurück und überwarf sich mit Nitschke.