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Tödlicher Unfall in Sedrun GR – Rentner (87) verwechselt Gas- mit Bremspedal
So funktioniert der Senioren-Fahrtauglichkeitstest

Nach dem tragischen Verkehrsunfall in Sedrun im Kanton Graubünden steht erneut die Frage im Raum: Wie fahrtauglich ist man im höheren Alter noch? Die Schweiz setzt bei dieser Frage auf obligatorische Fahrtauglichkeitstests. Doch wie funktionieren die eigentlich?
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Mit unkontrollierter Beschleunigung fuhr ein Senior in Sedrun in eine Menschengruppe.
Foto: Sandro Zulian

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Mann (87) verursacht Unfall in Sedrun GR, Frau stirbt, zwei Kinder verletzt
  • Über 80-Jährige verursachen im Kilometer-Verhältnis die meisten Unfälle mit Personenschaden
  • Ab 75 Jahren obligatorische Fahrtauglichkeitsprüfung alle zwei Jahre in der Schweiz
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Ein gefährlicher Fahrfehler führte vergangenen Freitag zu einem tragischen Unfall in Sedrun GR. Nach ersten Polizeierkenntnissen verwechselte ein 87-jähriger Autofahrer das Gas- und Bremspedal und fuhr mit unkontrollierter Beschleunigung in eine Menschengruppe. Eine Frau (†47) wurde dabei tödlich verletzt, zwei 13-jährige Mädchen wurden mit schweren bis mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht.

Trauer und Schock sind nach dem tragischen Unfall gross. Zugleich rückt eine Frage immer mehr in den Vordergrund, die bereits seit Jahren für Diskussionsstoff sorgt. Wie fahrtauglich ist man im höheren Alter noch? 

Meiste Unfälle bei über 80-Jährigen im Kilometer-Verhältnis

Ein Blick in eine Auswertung des Bundesamts für Statistik zeigt: Über 80-jährige Autofahrerinnen und -fahrer sorgen im Verhältnis zu den gefahrenen Kilometern mit Abstand für die meisten Unfälle mit Personenschaden. Dafür gibt es mehrere Gründe: Mobilität, Sicht und Gehör verschlechtern sich im Alter, während Konzentration und Reaktionsfähigkeit abnehmen, schreibt der Touring Club Schweiz (TCS). Zudem fahren viele ältere Menschen nicht mehr täglich und nur noch kürzere Strecken. 

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In absoluten Zahlen zeigt sich ein anderes Bild. Hier sorgt die Gruppe der 25- bis 44-Jährigen für die meisten Unfälle. Auch der Anteil der Junglenker zwischen 18 und 24 ist höher als bei den über 80-Jährigen. Bei den Junglenkern überwiegen als Gründe die fehlende Fahrpraxis, überhöhte Geschwindigkeit, Übermut und Ablenkung.

Doch: Im Alter erhöht der Verlust kognitiver und körperlicher Fähigkeiten das Unfallrisiko. Darauf verweist die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU). Die Schweiz setzt deshalb auf obligatorische Kontrolluntersuchungen. Ab dem 75. Lebensjahr müssen sich Fahrausweishalter alle zwei Jahre die Fahrtauglichkeit ärztlich bestätigen lassen. Doch wie funktioniert der Test für Seniorinnen und Senioren und wie kann ich mich darauf vorbereiten? 

Wie melde ich mich an?

Betroffene Seniorinnen und Senioren erhalten zunächst ein Schreiben vom Strassenverkehrsamt zur Fahreignungsabklärung. In der Regel hat man nun drei Monate Zeit, um sich untersuchen zu lassen und beim Strassenverkehrsamt den ärztlichen Bericht einzureichen, heisst es auf der Webseite des Kantons Zürich. Der untersuchende Arzt benötigt dabei die Anerkennungsstufe eins. Darüber kann man sich bei der eigenen Hausärztin erkundigen oder online auf medtraffic.ch nach einer passenden Fachperson in der Nähe suchen. 

Was umfasst die medizinische Untersuchung?

Zunächst werden bei der Untersuchung die gesundheitliche Vorgeschichte und aktuelle Beschwerden abgeklärt, heisst es auf der Webseite fahrtauglich.ch. Danach überprüft der Arzt bzw. die Ärztin die physischen Fähigkeiten der betagten Person. Dabei werden körperliche Fitness, Seh- und Hörvermögen sowie mögliche neurologische Einschränkungen untersucht. Auch die Einnahme von Medikamenten, die Einfluss auf die Fahrtauglichkeit nehmen könnten, wird abgeklärt. 

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Was umfasst die psychologische Untersuchung?

Zusätzlich werden die kognitiven Fähigkeiten untersucht. Das umfasst die kognitive Leistung, Reaktionszeiten, Konzentrationsfähigkeit und die allgemeine geistige Gesundheit. Laut fahrtauglich.ch werden auch Tests verwendet, die insbesondere bei der Diagnostik von Demenz eingesetzt werden, wie etwa der Mini-Mental-Status-Test (MMST) und der Demenz Detection Test (DemTect). 

Der MMST fokussiert sich auf Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Rechenfähigkeit, Erinnerungsvermögen sowie Sprach- und Konstruktionsfähigkeiten. Beim DemTect werden das verbale Gedächtnis, die Wortflüssigkeit, das Nachsprechen von Zahlen sowie die Fähigkeit zur kognitiven Flexibilität und Aufmerksamkeit getestet.

Was geschieht nach dem Test?

Abschliessend bespricht der Fachperson die Ergebnisse mit der getesteten Person. Hier werden gegebenenfalls Empfehlungen ausgesprochen, wie das Fahrverhalten angepasst werden kann. Anschliessend wird der ärztliche Bericht an das Strassenverkehrsamt überstellt. Je nach Testergebnis kann der Fahrausweis normal behalten, Auflagen wie etwa das Tragen einer Brille oder Testfahrten angesetzt oder als letzte Massnahme der Entzug oder das Angebot zur freiwilligen Abgabe des Fahrausweises vorgeschrieben werden. 

Wie kann ich mich vorbereiten?

Wer sich auf den obligatorischen Fahrtauglichkeitstest vorbereiten will oder schon vor 75 die eigene Fahrtauglichkeit checken will, findet dafür verschiedene Möglichkeiten. Die BFU etwa bietet einen Fahrsicherheitscheck mit Fragen aus sechs Themengebieten rund um die eigene Gesundheit und Fahrweise an. Der Test ermöglicht eine eigene Einschätzung zur Fahrsicherheit. Zusätzlich empfiehlt die BFU, das eigene Wissen bei Fahrkompetenzkursen aufzufrischen.

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