Darum gehts
- Tox Info Suisse warnt vor falsch zubereiteten Morcheln in der Schweiz
- Zehn Vergiftungsfälle, zwei tödlich, in den letzten zehn Jahren gemeldet
- Zwischen 2010 und 2020 in Frankreich 446 Krankheitsfälle durch Morcheln dokumentiert
Zusammen mit der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollen (Vapko) lancierte die nationale Giftnotrufstelle Tox Info Suisse diese Woche einen Appell. Dabei geht es um die richtige Zubereitung von Morcheln. Wie der «Walliser Bote» berichtete, wurde die Morchel jahrelang falsch eingeschätzt.
In den vergangenen zehn Jahren wurden insgesamt zehn akute Fälle von Vergiftungen durch Morcheln gemeldet. Dass zwei davon tödlich ausgingen, bestätigte Tox Info gegenüber dem «Walliser Boten». Der Pilz kann Probleme verursachen, wenn er roh oder ungenügend gekocht gegessen wird. Das war bereits bekannt. Allerdings ging man davon aus, dass er höchstens mittelschwere Magen-Darm-Symptome hervorrufen würde.
Die Morchel wurde jahrelang unterschätzt
Im April 2023 kam es in einem Restaurant in dem US-Bundesstaat Montana zu einem schweren Unglück. 51 Gäste litten nach dem Essen an heftigem Durchfall und Erbrechen. Drei Personen mussten auf der Intensivstation behandelt werden und zwei verstarben. Alle hatten zuvor Morcheln auf ihren Tellern. Dies bestätigte die zuständige US-Behörde. Auch im spanischen Valencia kam es zu einem Todesfall, nachdem eine Frau in einem Spitzenrestaurant Morcheln bestellte.
Laut dem «Walliser Boten» führten die Vorfälle dazu, dass sowohl Giftstoffzentren in den USA, als auch in Frankreich den Pilz neu bewerteten. In Frankreich konnten so im Nachhinein 446 Krankheitsfälle zwischen 2010 und 2020 mit Morcheln in Verbindung gebracht werden. Auch die beiden Todesfälle aus der Schweiz wurden der Morchel erst im Nachhinein zugeschrieben.
Die Pilze sind vielseitig verwendbar, eine gute Proteinquelle und schmecken lecker. Wer sie selbst sammelt, muss aber besonders vorsichtig sein. Auch bei gekauften Pilzen gibt es einiges zu beachten.
Keine Plastiksäcke
Egal, ob gekauft oder gesammelt: Plastiksäcke sind für den Pilztransport tabu. Laut Vapko findet bei undurchlässigen Materialien eine Wärmeentwicklung statt. Während die Pilze vor sich hin gären, zersetzt sich ihr Protein. Die dabei entstehenden Substanzen können zu gravierenden Vergiftungen führen.
Pilzkontrollstellen nutzen
Viele Pilze haben giftige Doppelgänger. Auch wenn der Pilz aussieht wie ein Champignon, könnte es ein hochgiftiger Knollenblätterpilz sein. Deshalb sollte man seine selbst gesammelten Pilze immer an einer Kontrollstelle vorzeigen. Auf der Website der Vapko findet man schnell eine Stelle in seiner Nähe.
Zubereitungsvorgaben einhalten
Wenn man ein Pilzgericht zubereitet, sollte man sich im Voraus darüber informieren, was bei der Zubereitung beachtet werden muss. Die empfohlene Kochdauer sollte jederzeit eingehalten werden. Übrigens: Getrocknete oder gefrorene Pilze gelten ebenfalls als roh und müssen daher genauso lange gekocht werden.