Darum gehts
- Das Restaurant Bolgen Plaza in Davos erhöht Preise während WEF drastisch
- Spaghetti kosten 51 Franken, Kalbsgeschnetzeltes 68 Franken, Rindsfilet 75 Franken
- Ein 32-m²-Studio kostet während WEF vom 19. bis 23. Januar 60'000 Franken
«Ein Treffpunkt für alle», heisst es auf der Website des Restaurants Bolgen Plaza in Davos. In normalen Zeiten mag das stimmen. Doch wenn das Weltwirtschaftsforum (WEF) in der knapp 11'000-Einwohner-Gemeinde gastiert, scheint nichts mehr normal zu sein – auch die Preise nicht. Plötzlich wird der «Treffpunkt für alle» zum «Treffpunkt für alle mit Geld».
Unser Reporter musste das leidvoll erleben. Um sich von der Hektik des WEF zu erholen, machte er sich am Montagabend auf zum wohlverdienten Abendessen in einem beliebten Davoser Restaurant. Ein Blick in die Speisekarte liess das Staunen schnell ins Entsetzen kippen.
Spaghetti für über 50 Franken
Überraschenderweise gibt es die Karte nicht online – man muss also vor Ort staunen. Und die Preise haben es in sich: Kalbsgeschnetzeltes für 68 Franken, Spaghetti für 51, Rindsfilet für 75 Franken. Kein Steigenberger Belvédère, sondern eine scheinbar «einfache» Beiz am Ende der Skipiste.
«Oha, habt ihr die Preise fürs WEF angepasst?», fragt unser Reporter die Kellnerin. «Ja, ein bisschen, sorry», antwortet sie lachend. Fairerweise sei gesagt: Die Maispoularde für 57 Franken und das Linsencurry für 41 Franken waren vorzüglich – und weiss gedeckt war auch.
Nicht nur das Essen wird teurer
Wer sich die Speisekarte abseits des WEF anschaut, merkt den Unterschied deutlich: Ein 300 Gramm Schweinskotelette ist dann für akzeptable 33 Franken zu bekommen. Der «Bolgen Salat», sonst 16.50 Franken, kostet jetzt 23 Franken. Und das Kalbsgeschnetzelte liegt immerhin 5 Franken über dem Preis in der legendären Kronenhalle in Zürich.
Die Bolgen Plaza wollte sich auf Anfrage nicht gegenüber Blick äussern. Das Restaurant ist auch nicht das einzige in Davos, das die Preise während des WEF – teilweise sehr deutlich – anhebt. Dass Gastronomen, Hoteliers und Vermieter das jährliche Stelldichein der Reichen und Mächtigen dazu nutzen, um höheren Umsatz zu machen, ist bekannt.
Die Dreistigkeit in manchen Bereichen überrascht jedoch schon, wie auch ein Blick auf die Mietpreise während des Forums in Davos zeigt. Ein 32 Quadratmeter kleines 2-Zimmer-Studio kostet vom 19. bis am 23. Januar knapp 60'000 Franken.