Darum gehts
- Das WEF in Davos führt zu 1000 zusätzlichen Flügen in Zürich
- Greenpeace und Umverkehr fordern ein Privatjet-Verbot
- Privatjet-Emissionen stiegen zwischen 2019 und 2023 weltweit um 46 Prozent
1000 zusätzliche Flüge alleine am Flughafen Zürich! Das World Economic Forum (WEF) in Davos sorgt nicht nur am Boden für viel Betrieb, sondern auch in der Luft. Staatschefs, Minister oder Wirtschaftsbosse aus der ganzen Welt reisen an. Neben Staatsfliegern rechnet der Flughafen Zürich auch mit vielen zusätzlichen Businessjets und Helikopterflügen. Für Fliegerfans ein Augenschmaus, für Umweltfans ein Graus.
Besonders Privatjets sind den Umweltschützern ein Dorn im Auge. Im Zusammenhang mit dem WEF hat sich die Anzahl ihrer Starts und Landungen zwischen 2023 und 2025 verdreifacht, heisst es in der neuen Greenpeace-Studie «Davos in the Sky». Berücksichtigt werden dabei die Flughäfen Zürich, Genf, Altenrhein SG, Samedan GR, Dübendorf ZH sowie Friedrichshafen (Deutschland) und der Euroairport (Basel/Frankreich).
Im Vergleich zum normalen Flugaufkommen wurden demnach letztes Jahr 709 zusätzliche Flüge mit Privatjets registriert, 2023 waren es erst 227. «Der Anstieg ist nicht auf eine höhere Teilnehmerzahl am WEF zurückzuführen, sondern auf wiederholte An- und Abflüge», schreibt Greenpeace dazu. Dabei könnten rund 70 Prozent der Privatjet-Strecken problemlos mit dem Zug zurückgelegt werden, ist die Organisation überzeugt. Greenpeace verlangt, dass Luxusflüge verboten werden.
Petition für Privatjet-Verbot
Ins gleiche Horn stösst die Umweltorganisation Umverkehr. In einer Petition an den Bundesrat fordert sie ein Privatjet-Verbot in der Schweiz. «Während wir im Alltag Strom sparen, Abfall trennen und versuchen, jedes Plastiksäckli zu vermeiden, zerstören Überreiche mit ihren Privatjets das Klima», sagt Geschäftsleiter Silas Hobi (40) zu Blick. «Gerade rund ums WEF jettet die Wirtschaftselite aus der ganzen Welt mit ihren Privat- und Businessjets in die Schweiz, um ihre Profite noch weiter zu steigern. So kann es nicht weitergehen.»
Ein Privatjet-Flug belaste das Klima mehr als die meisten Menschen in einem ganzen Jahr, so Hobi. Pro Passagier würden diese bis zu 30 Mal mehr Emissionen verursachen als Economy-Linienflüge. Weltweit seien die Privatjet-Emissionen zwischen 2019 und 2023 um 46 Prozent angestiegen. «Und sie wachsen weiter ungebremst weiter», betont Hobi. Die Petition will dies zumindest hierzulande ändern, denn: «Die Schweiz hat weltweit die dritthöchste Anzahl Privatjets im Verhältnis zur Bevölkerungszahl.»
Rösti: «Nicht zielführend»
Bisher hat die Petition knapp 8000 Unterschriften beisammen. Beim Bundesrat dürften diese aber auf wenig Gehör stossen. Einen Vorstoss im Parlament, der eine Reduktion der Privatjet-Bewegungen verlangt, hat die Landesregierung nämlich abgelehnt.
«Eine Deckelung der Anzahl Flüge von Privatjets scheint uns nicht zielführend, um die Klimabilanz des Luftverkehrs zu verbessern», befand SVP-Verkehrsminister Albert Rösti (58) letzten Sommer in der entsprechenden Nationalratsdebatte. «Vielmehr sollen diese Flüge mittel- bis langfristig mit künstlichen, also synthetischen Treibstoffen betrieben werden.»
Umverkehr reicht das nicht. Die Organisation plant noch für dieses Jahr die Lancierung einer nationalen Volksinitiative «gegen die Vielfliegerei und für einen starken ÖV». Dabei sieht die Initiative die Einführung einer Flugticketabgabe auf alle Flüge vor. Diese soll von Strecke und Klasse abhängen und grösstenteils an die Bevölkerung für die Nutzung des öffentlichen Verkehrs zurückfliessen.